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Sean Rad Der Tinder-Gründer verklagt seinen Ex-Arbeitgeber

Der Gründer von Tinder verklagt den Mutterkonzern. Die Dating-App sei mehr wert als die Aktienoptionen, die er für seine Arbeit bekam.
15.08.2018 - 17:31 Uhr Kommentieren
Der Ex-Tinder-Mitgründer und -CEO klagt gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Match Group. Quelle: AFP
Sean Rad

Der Ex-Tinder-Mitgründer und -CEO klagt gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Match Group.

(Foto: AFP)

Düsseldorf, San Francisco Weißes T-Shirt, angerissene Jeans, schwarzes Haar, braune Augen: Schlecht sah Sean Rad nicht aus. Das Date mit dem Unternehmer fing gut an. Ganz jung ist er nicht mehr, 32 Jahre, aber ein angenehmer Typ, offen, locker und gewinnendes Lächeln. Wenn da nicht sein iPhone wäre. Immer wieder muss er draufgucken, einen Text schreiben und einen Anruf annehmen.

Kein Wunder, Rad war ein gefragter Mann, als ihn das Handelsblatt 2015 interviewte. Der Amerikaner war gerade wieder Chef des Dating-Unternehmens Tinder geworden, wenige Monate später stand der Börsengang von Match Group an, dem Mutterkonzern von Tinder und anderen Datingdiensten wie OkCupid oder Match.com.

Die Investoren standen Schlange, vor allem wegen Tinder. Die App mit dem Flammensymbol ist ein kulturelles Phänomen unter Millennials, weil es die Partnersuche zu einem Spiel macht: Nutzer können Fotos anderer Liebessuchender nach links oder rechts wischen. Rechts heißt: attraktiv. Hat sich der oder die andere auch für rechts entschieden, kommt es zum „Match“.

Jetzt wischen sich die Match Group und Rad gegenseitig nach links. Schon Ende 2016 gab Rad als CEO auf, durfte aber noch bei Match Group bleiben. Heute sind sie sich spinnefeind. Rad und neun weitere Gründer von Tinder verklagen das Unternehmen und dessen Mutterkonzern IAC. Sie sehen sich um Aktienoptionen geprellt – die Bewertung von Tinder sei künstlich zu niedrig angesetzt worden – und wollen zwei Milliarden Dollar Schadensersatz.

„Die Faktenlage ist klar“, sagte Match Group in einer Stellungnahme. Die Bewertung sei durch zwei Investmentbanken in einem „rigorosen“ Verfahren festgelegt worden, „und Herr Rad und seine quietschvergnügte Truppe von Klägern wollten sich nicht mit dem Resultat abfinden“.

Tinder ist so oberflächlich wie erfolgreich: Rund 800 Millionen Dollar setzt das Unternehmen um. Geschätzte 50 Millionen Mitglieder, davon knapp vier Millionen in Deutschland, suchen mit Tinder nach der Liebe.

Rad wurde früh zum Gründer

Rad ist ein Kind von iranischen Immigranten. Die IT-Experten flüchteten in den siebziger Jahren in die USA. Der Sohn wuchs in einem persisch geprägten Teil von Beverly Hills auf. Als Teenager gründete er eine Band, die von Coldplay beeinflussten Pop-Rock spielte. Bei seinen Eltern kam das weniger gut an, erzählte er dem Magazin „Rolling Stone“: „Nicht etwas Großes mit dem Leben anzufangen wurde nicht akzeptiert.“

Also gründete Rad statt Bands Start-ups. Ihn faszinierte als 13-Jähriger das Mobiltelefon, das ihm seine Eltern als Trost schenkten – weil er so viele Pickel hatte. Das war Ende der neunziger Jahre und noch lange vor dem iPhone.

Mit 18 Jahren rief er Orgoo ins Leben, das E-Mail und andere Nachrichtendienste auf dem Handy organisierte. Später schmiss er das Studium an der University of Southern California nach nur zwei Wochen hin und ging zu Hatch Labs, einem von dem Medien- und Internetkonzern IAC gegründeten Startup-Entwicklungslabor.

Keine Lust auf Zurückweisung

Dort kam er zusammen mit Jonathan Badeen, Justin Mateen, Joe Munoz, Whitney Wolfe und Chris Gylczynski auf die Idee Tinder. Rad ist sicherlich nicht schüchtern, aber er fand es „nervig“, sich in einer Bar oder einem Restaurant einer Frau zu nähern. „Die Angst vor der Zurückweisung ist groß“, sagt er. „Selbst Casanova muss das gefühlt haben.“

Anders auf der App, wo nicht erwidertes Interesse geheim bleibt und man „Tut mir leid, ich habe eine Freundin“ eher selten hört. „Jeden Tag bekommen wir Tausende E-Mails von Menschen, die verheiratet oder zusammen sind“, sagte Rad. Auch er hat dort seine Freundin Alex Dell, die Tochter von PC-Milliardär Michael Dell, kennen gelernt, von der er allerdings getrennt ist. „Wir verstehen uns nicht als Online-Dating-Firma“, sagt Rad, „sondern wir wollen die Art und Weise des Zusammenfindens ändern.“

Nun müssen Rad und sein Ex-Arbeitgeber selbst erst mal wieder zusammenfinden.

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