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Seit etwa zwei Jahren auch in Deutschland "Schenkkreise" sind gefährlich

Seit etwa zwei Jahren gibt es sie auch hier zu Lande so genannte Herz- und Schenkkreise. Der Haken dabei: Das in den USA erfundene Spielsystem bringt den Gründern viel Geld - hinterlässt bei den Teilnehmern aber nur Frust und Schulden.

HB/crz GARMISCH. Und wer seinen Einsatz später vor Gericht zurückfordert, für den stehen die Chancen derzeit bei 50 Prozent. Das zeigen zwei neue Entscheidungen der Landgerichte (LG) Bonn und Freiburg. Während nämlich die rheinischen Richter den Rückforderungsanspruch daran scheitern ließen, dass die Spielerin allzu leichtgläubig an dem sittenwidrigen Spiel teilgenommen habe, zeigten sich die Kollegen aus dem Breisgau kulanter: Sie gaben der Teilnehmerin an einem "Frauen-Schenk-Kreis" Recht: Der Gewinner muss ihr 8 000 Schweizer Franken (Sfr) zurückzahlen.

Die verschiedenen Schenkkreise, die derzeit im gesamten Bundesgebiet grassieren, funktionieren alle nach dem Pyramidensystem: acht Personen bilden die Basis; sie schenken einer Person an der Spitze der Pyramide jeweils Geld - im Fall des LG Freiburg waren das insgesamt 64 000 Sfr. Nach dessen Ausscheiden wird die Pyramide ab der 2. Ebene geteilt - es entstehen zwei neue Pyramiden. Das System kann aber nur weiterleben, wenn es den neu einsteigenden Spielern nicht nur gelingt, ihren Einsatz aufzubringen, sondern darüber hinaus zwei neue Spieler anzuwerben, die sich ebenfalls beteiligen. Weil das aber nach nur wenigen Runden nahezu unmöglich ist, gehen die Freiburger Richter von der Sittenwidrigkeit der Schenkungen aus. "Ein solches Spielsystem, das darauf angelegt ist, dass die ersten Mitspieler einen meist sicheren Gewinn erzielen, während die große Masse der späteren Teilnehmer ihren Einsatz verlieren müssen, weil angesichts des Vervielfältigungsfaktors in absehbarer Zeit keine neuen Mitglieder mehr geworben werden können, verstößt gegen die guten Sitten", so das Gericht.

Damit neu einsteigende Teilnehmer erst gar nicht misstrauisch werden, verstellen ihnen die Initiatoren des Spiels mit esoterischen und emotionalen Argumenten den realistischen Blick. So ist in einem Schreiben des "Frauen-Schenk-Kreises" unter anderem davon die Rede, dass das Schenken der Sprung in eine neue, weite Dimension sein solle; die Teilnehmerinnen glaubten zutiefst daran, dass jedes Geschenk auf vielen verschiedenen Wegen zu ihnen zurückkehre.

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