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Serie: Die Marktmacher Herr der vielen Nullen

Die Berufsbezeichnung klingt langweilig: Leiter der Vermögensverwaltung der norwegischen Zentralbank. Und der Mann, der sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt, macht tatsächlich den Eindruck eines peniblen Buchhalters. Knut Kjær sieht nicht aus wie einer der mächtigsten Fondsverwalter der Welt. Doch genau das ist er.
Knut Kjaer verwaltet die Milliarden-Einnahmen des norwegischen Ölfonds. Quelle: Pressefoto.

Knut Kjaer verwaltet die Milliarden-Einnahmen des norwegischen Ölfonds. Quelle: Pressefoto.

OSLO. Der kleine, schmächtige Mann ist Chef des norwegischen Ölfonds, Statens Petroleumfond, wie er offiziell heißt. Er verwaltet unfassbare 1 281 Mrd. Kronen – 1 281 und dann noch neun Nullen. Umgerechnet in Euro sind das immerhin 162,3 Mrd. Euro. Damit gehört der Fonds zu den Giganten der Branche und liegt auf Augenhöhe mit Calpers, dem größten Pensionsfonds der Welt.

„Mit der Zeit vergisst man die Nullen“, sagt der 49-jährige Kjær bescheiden und kann ein schüchternes Lächeln nicht ganz unterdrücken. In den Ölfonds fließen seit 1990 die Überschüsse aus dem staatlich kontrollierten Öl- und Gasgeschäft in der Nordsee, dem Nordatlantik und bald auch der Barentssee. Nach einigem politischen Gerangel wurde der Fonds eingerichtet, um den norwegischen Wohlfahrtsstaat auch dann noch finanzieren zu können, wenn die zahlreichen Öl- und Gasquellen längst versiegt sind.

Eine Bank für die Zukunft also, und Kjær ist der Vorsteher. Am Bankplassen 2 residiert er, mitten in Oslo, im Gebäude der norwegischen Zentralbank, zu der der Ölfonds offiziell gehört. Um zu dem unscheinbaren, aber sympathischen Norweger vorzudringen, bedarf es einiger akrobatischer Übungen, schließlich muss eine enge Schleuse bewältigt werden: Drehtür auf, in ein gläsernes Rund quetschen, Drehtür zu, warten, und auf der gegenüberliegenden Seite das Spiel noch einmal. „Wir lagern hier die Geldreserven“, flüstert eine freundliche Sekretärin wie zur Entschuldigung. Und nach einem vorsichtigen Rundumblick, ob sich fremde Ohren in der Nähe spitzen, fügt sie hinzu, dass auch die Notendruckerei in diesem Gebäude untergebracht ist. „Aber demnächst wird sie ausgelagert“, sagt die junge Frau, und ein Ton der Erleichterung klingt mit.

Geldreserven, Goldreserven, Notendruckerei – näher als hier kann ein ehrlicher Zeitgenosse den Milliarden Dollar, Euro und Kronen nicht kommen. Dagobert Ducks Geldspeicher mag anders aussehen, doch hierhin, in das modernistische Gebäude der Norwegischen Zentralbank sprudeln die Ölmilliarden.

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