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Serie: Strategie-Galerie (11) Zart anbandeln und knallhart kalkulieren

Was Eheanbahnung der Engländer über Verträge lehrt
  • Annette Eicker (Handelsblatt)

Wenn im England des 19. Jahrhunderts eine Ehe angebahnt wurde, dann liefen zwei verschiedene Verhandlungen nebeneinander ab. Eine befasste sich mit den finanziellen Einzelheiten, die es zu regeln galt. Dabei wurde die gleiche Sorgfalt an den Tag gelegt wie beim Aufbau eines Unternehmens und man verwandte auch die Begriffe der Wirtschaftssprache dafür.

Eine Art gemeinsame Aktiengesellschaft wurde gegründet. Das Ziel war, die besten Bedingungen für jede Seite auszuhandeln, nicht übermäßig raffgierig zu sein, aber sich auch nicht übers Ohr hauen zu lassen. Aus vielen Erzählungen ist bekannt, dass dabei häufig Täuschungen und Tricks angewandt wurden und man schon Kinder mit erhobenem Zeigefinger vor diesen Gefahren zu warnen pflegte.

Völlig getrennt von den Finanzverhandlungen lief der Ritus des Umwerbens zwischen den zukünftigen Ehepartnern ab. Dabei war es wichtig, genügend emotionalen Schwung zwischen dem Paar zu erzeugen und gleichzeitig beide Partner mit einem gerüttelt Maß an Information über den zukünftigen Lebensbegleiter auszustatten, damit er seine Entscheidung auf einer soliden Grundlage treffen möge.

Wie bei den Finanzverhandlungen wurde auch beim Balzritus der einander Versprochenen mit allen Tricks, Täuschungen und Schmeicheleien gearbeitet. Beide Seiten trachteten deshalb, dem anderen auf die Schliche seiner Possenspiele zu kommen, um sicher zu sein, dass sich hinter der rosa Fassade auch ein Mensch verbarg, mit dem sich das Leben ertragen ließ.

Anthropologen haben festgestellt, dass die Heirat in vielen Gesellschaften ein mehrstufiger Prozess ist. Eine Serie von Riten sorgt dafür, dass das Paar und die Menschen um es herum ihr Verhalten aufeinander einstellen können. Ein größerer Schritt dabei ist das formale Eheversprechen. Nach diesem Verlöbnis ist das Paar weder verheiratet noch unverheiratet.

Dieses Verlöbnis ist wie ein Versprechen zwischen Handelspartnern. Beide versichern, von diesem Zeitpunkt an ihre Güter und Mitgift zusammenzutragen und sie gemeinsam in das Joint Venture einzubringen. Das Eheversprechen konnte nicht gebrochen werden, auch wenn in der Zwischenzeit ein verführerischeres Angebot auftauchte und die tatsächliche Hochzeit, oder der Austausch von Gütern, erst Monate nach dem Verlöbnis stattfinden sollte.

In dieser Zeit vor der Besiegelung des Bundes wurde von dem Paar ganz besonders erwartet, dass es deutlich machte, wie sehr es zueinander stand. Manchmal hing die Frage, ob eine Verlobung stattgefunden hatte oder nicht, davon ab, ob die Parteien Silberringe, Pfeifen, Taschentücher oder andere Pfänder der Liebe ausgetauscht hatten.

Auch in der englischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts gab es schon Broker, die Experten dafür waren, pekuniär passend ausgestattete Partner zueinander zu bringen. Sie wussten, wer ein gutes Investment war, arrangierten dezent ein Treffen und weckten das gegenseitige Interesse.

Das Buch dazu: Marriage and Love in England, Alan McFarlane, Blackwell Publishers, Oxford, 1986.

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