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Softwarehersteller „Stabile Säule“: Finanzchef Luka Mucic ist für SAP wichtiger denn je

Der Softwarehersteller steckt in einem tiefen Umbruch – die Erfahrung des Finanzchefs wird dringend gebraucht. Das zeigt eine neue Aufgabe.
31.01.2021 - 13:57 Uhr Kommentieren
Der 49-jährige Manager ist das dienstälteste Vorstandsmitglied. Quelle: dpa
SAP-Finanzchef Luka Mucic

Der 49-jährige Manager ist das dienstälteste Vorstandsmitglied.

(Foto: dpa)

Düsseldorf In seinen 25 Jahren bei SAP hat Luka Mucic einige Veränderungen erlebt: den Abtritt der Gründergeneration, die vielen Milliardendeals unter Bill McDermott, parallel das Wachstum von rund 10.000 auf mehr als 100.000 Mitarbeiter. „Aber 2020 schlägt alles“, sagt der Finanzchef – ein „perfekter Transformationssturm“ sei über den Softwarehersteller hinweggezogen.

Das Jahresergebnis, das der 49-Jährige am Freitag gemeinsam mit Vorstandschef Christian Klein vorlegte, lässt das nicht unbedingt vermuten. Der Umsatz blieb mit 27,34 Milliarden Euro praktisch stabil, das Betriebsergebnis und der Cashflow stiegen sogar deutlich. Das ist für das, was die Investoren gewohnt sind, nicht glänzend, aber angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit auch nicht katastrophal.

Was die Zahlen jedoch nicht zeigen: Die Veränderungen bei SAP sind gerade enorm. Der Softwarehersteller hat inmitten der Coronakrise eine neue Strategie entwickelt; gleichzeitig gibt es einen großen personellen Umbruch.

Daher ist Luka Mucic wichtiger denn. Als dienstältestes Vorstandsmitglied mit Krisenerfahrung, als Finanzchef mit großer Anerkennung in der Fachwelt und als Manager mit Verständnis für das Geschäft. Unter Mitarbeitern wie Investoren ist er hochgeachtet, er gilt als jemand, der neben seinem eigenen Fach auch die Softwarewelt durchdringt und beides verständlich erklären kann. Im Vorstand sei er „die stabile Säule“, sagt ein Investor.

Bei SAP übernimmt der Finanzchef traditionell eine stark operative Rolle: Der Konzern ist für Software bekannt, mit der Unternehmen ihre Geschäftsprozesse steuern. Das Modul für Finanz- und Rechnungswesen kommt bei Tausenden Kunden zum Einsatz, darunter zahlreiche globale Konzerne – die eigene Organisation gibt da viele Impulse für die Weiterentwicklung.

Verantwortung für ein neues Geschäftsfeld

2020 war Luka Mucic aber nicht nur im Tagesgeschäft gefordert: Unter Vorstandschef Christian Klein veränderte SAP die Strategie erheblich. „Die Kunden wünschen, schneller in die Cloud zu kommen“, sagte der 40-jährige Manager im Oktober.

Moderne Technologie soll helfen, Lieferketten neu zu organisieren und den Verkauf über Onlineshops abzuwickeln. Weil er deutlich höhere Investitionen ankündigte und zugleich den mittelfristigen Ausblick senkte, stürzte der Aktienkurs um mehr als 20 Prozent ab.

„Der Finanzchef hat eine wichtige Rolle im Strategieprozess“, sagt Mucic. Liquidität für Investitionen schaffen, neue Ideen auf ihr ökonomisches Potenzial prüfen – darin sieht er einige der Aufgaben eines Finanzressorts „mit geschäftlichem Verständnis“. Gerade jetzt: „Ich habe die längste Historie im aktuellen SAP-Vorstand und bringe daher Erfahrung in Bezug auf das mit, was bei der operativen Umsetzung schon funktioniert hat und was nicht.“

Ein Zeichen für Mucic’ hervorgehobene Rolle: Im Oktober hat er die Verantwortung für ein Geschäftsfeld übernommen, das eine hohe Priorität bekommt: Mit „Business Process Intelligence“ sollen Unternehmen ihre Organisationen kontinuierlich auf Ineffizienzen prüfen und schneller neue Geschäftsmodelle einführen können. Der Softwarehersteller sieht das als ein zentrales Argument für das Programmpaket S/4 Hana, bei dem viele Bestandskunden noch zögern.

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In dieser Diskussion habe er eine wichtige Rolle gespielt, sagt Mucic. So ging es darum, welche Komponenten SAP benötigt, um Kunden ein kontinuierliches Prozessmanagement zu ermöglichen. Als Konsequenz ist nun die Übernahme von Signavio für knapp eine Milliarde Euro geplant – die Software des Start-ups analysiert Abläufe und bereitet sie grafisch verständlich auf.

Erfolgreicher Börsengang von Qualtrics

Teil der Neuausrichtung ist auch der Börsengang von Qualtrics, im Juli 2020 angekündigt, im Januar 2021 abgeschlossen. Die Firma bietet eine cloudbasierte Plattform an, mit der Kunden die Meinungen und Stimmungen von Kunden und Mitarbeitern erforschen können – ein Geschäft, das kräftig wächst, aber nicht nahtlos in die Abläufe integriert werden muss, die SAP abbildet.

Beim Börsendebüt am Donnerstag schoss der Kurs um knapp 40 Prozent in die Höhe, 22 Milliarden Dollar ist Qualtrics nun wert. Von den Erlösen fließen knapp 1,9 Milliarden Dollar an SAP. Weitere Aktienverkäufe seien „perspektivisch eher wahrscheinlich“, sagt Mucic, angesichts der hohen Bewertungen für Technologiewerte könnte der Dax-Konzern nach Ablauf einer Sperrfrist noch einmal ordentlich Kasse machen – wobei er „eine nachhaltige Mehrheitsstellung“ behalten wolle, betont der Finanzchef.

Auch künftig wird Mucic viel mit Qualtrics zu tun haben: Er ist Mitglied des Führungsgremiums – in den USA „Board“ genannt – und sitzt in allen wichtigen Ausschüssen, „für den Moment“ zumindest. In dieser Funktion will der Manager darauf achten, dass die Verbindung lebendig bleibt: „Wir entfernen uns nicht – im Gegenteil: Wir suchen einen noch engeren Schulterschluss.“

Der Börsengang von Qualtrics ist der Abschluss eines außergewöhnlichen Jahres – für Mucic weist er gleichzeitig nach vorn. Denn jetzt gilt es, die Analysten und Investoren von der neuen Strategie zu überzeugen, um den Aktienkurs wieder zu stärken. „Wenn man den Maßstab von Qualtrics an unser ganzes Cloud-Geschäft anlegt, dann ist schon die gesamte Marktkapitalisierung von SAP erreicht.“

Mehr: SAP stärkt Cloud-Geschäft mit einem Milliardendeal

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