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Soziale Einrichtungen Behindertenwerkstätte machen Milliarden-Umsatz

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Werkstätten werden zu Dienstleistern der Wirtschaft

In Deutschland müssen Unternehmen ab 20 Mitarbeitern eine sogenannte Ausgleichsabgabe zahlen, wenn sie keine Menschen mit Behinderungen selbst beschäftigen. „Sie können die Summe unserer Arbeitsleistung mit der Ausgleichsabgabe verrechnen“, sagt HPZ-Chef Michael Weber. Dadurch zahlen die Kunden bis zu 50 Prozent weniger Ausgleichsabgabe und profitieren zusätzlich vom niedrigen Mehrwertsteuersatz der gemeinnützigen Werkstätten von sieben Prozent.

Billigheimer sind die Werkstätten nicht. „Aber wenn wir die Arbeiten an andere vergeben würden, wären sie teurer“, sagt Norbert Peffer, Betriebsleiter des Krankenhauses Nettetal. Dort übernehmen die behinderten Menschen nicht nur Arbeiten in der Sterilisationsabteilung, sondern auch in den „Schiebediensten“: Sie bringen Essen auf die Stationen und verteilen Medikamente.

Die Werkstätten entwickeln sich immer mehr zu Dienstleistern für die Wirtschaft. Bernd Halfar beobachtet einen Kulturwechsel. „In Zeiten knapper öffentlicher Kassen rückt die Frage der Wirtschaftlichkeit der sozialen Einrichtungen immer mehr in den Vordergrund“, sagt der Professor für das Management sozialer Einrichtungen an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Die Leistungsfähigkeit ist sehr unterschiedlich. Während das HPZ am Niederrhein einen Jahresumsatz von 5,5 Millionen Euro erreicht, kommen andere wie die in Sindelfingen, die als Zulieferer für Daimler und andere Autokonzerne arbeiten, auf „höhere zweistellige Millionenbeträge“, wie ein Sprecher sagt.

Die Zusammenarbeit zwischen Firmen und Werkstätten ist nicht ohne Risiko: Die Mitarbeiter mit Behinderungen sind weniger belastbar als andere. In den Werkstätten des HPZ kommen auf die 2000 Mitarbeiter rund 450 Angestellte, die sie handwerklich, pädagogisch oder pflegerisch betreuen. Kritik an dem Aufwand hält Halfar klare Zahlen entgegen: „Von jedem Euro, den die öffentliche Hand für die Werkstätten ausgibt, erhält sie 49 Cent in Form von Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen und anderen Abgaben zurück.“ Das hat er in der neuen Studie „Social Return on Invest“ ausgerechnet.

Aber die Anforderungen an die Werkstätten wachsen. Denn die Unternehmen verlangen immer schnellere Reaktionszeiten. Deshalb schließen sich schon mal mehrere Einrichtungen kurzfristig zusammen. „Wir müssen immer wieder Nischen finden“, weiß Weber.

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2 Kommentare zu "Soziale Einrichtungen: Behindertenwerkstätte machen Milliarden-Umsatz"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn die Kooperation zwischen Wirtschaft und Behindertenwerkstätten so toll ist, in wie weit profitieren die Mitarbeiter der Werkstätten? Die Löhne dort sind dort nicht gerade dafür bekannt, dass man allein davon leben könnte??

  • Inwiefern profitieren die genannten Kunden, vom niedrigen Mehrwertsteuersatz der Behindertenwerkstätten? Unternehmen, für die die Ausgleichsabgabe ein Thema ist dürften uneingeschränkt vorsteuerabzugsberechtigt sein.

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