Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Sparprogramme So sparen die Dax-Konzerne für die Zukunft

Die schwächere Weltkonjunktur, sinkende Gewinne, stärker steigende Löhne für die Beschäftigten und die Digitalisierung animieren immer mehr Unternehmen zum Sparen.
Kommentieren

DüsseldorfInsgesamt planen die 30 Dax-Konzerne nach Handelsblatt-Berechnungen, in den kommenden Jahren rund 100.000 Stellen abzubauen und jährlich zusammengerechnet knapp 20 Milliarden Euro einzusparen. Das entspricht fast ein Viertel des Nettogewinns aus dem vergangenen Geschäftsjahr.

Dabei ist es nicht nur die heraufziehende Konjunkturkrise, die zum Sparen und Personalabbau animiert. „Stellenabbau ist leider angesichts des technologischen Wandels und der Digitalisierung ein kontinuierlicher Prozess“, urteilt Fidelity-Fondsmanager und Deutschlandexperte Christian von Engelbrechten.

Das heißt aber auch: Wo Stellen wegfallen, entstehen neue. Die Prognose „Digitalisierte Arbeitswelt“, die mehrere Forschungsinstitute für das Bundesarbeitsministerium erstellt haben, geht davon aus, dass bis 2035 zwar knapp vier Millionen Arbeitsplätze verloren gehen, aber fast ebenso viele neue geschaffen werden.

Ein Überblick über aktuelle Spar- und Streichprogramme:

Volkswagen

Die Umwälzung in der Autoindustrie wird auch bei Volkswagen Tausende Stellen kosten. Quelle: Reuters
Endabnahme bei VW in Wolfsburg

Die Umwälzung in der Autoindustrie wird auch bei Volkswagen Tausende Stellen kosten.

(Foto: Reuters)

Die meisten Stellen baut der Wolfsburger Autobauer ab: Die Volkswagen AG will in ihrer Kernmarke VW in den nächsten fünf Jahren zusätzlich 5000 bis 7000 Stellen streichen. Bereits im Herbst 2016 hatte der Gesamtkonzern den Abbau von 30.000 Stellen beschlossen, davon 23.000 in Deutschland.

Bayer

Auf den Konzern kommen extreme Belastungen durch den Kauf des US-Saatgutherstellers Monsanto zu. Quelle: dpa
Bayer-Chemiepark Leverkusen

Auf den Konzern kommen extreme Belastungen durch den Kauf des US-Saatgutherstellers Monsanto zu.

(Foto: dpa)

Der Pharmakonzern braucht nach dem 50 Milliarden Euro teuren Kauf des amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto Geld. Rund 12.000 Arbeitsplätze sollen bis Ende 2021 wegfallen, fast zehn Prozent der weltweiten Belegschaft. Betroffen sind fast alle Bereiche, besonders die Verwaltung in der Leverkusener Zentrale und den Ländergesellschaften, wo 5500 Stellen wegfallen werden.

Die Kosten für den Stellenabbau und alle weiteren „Effizienz- und Strukturmaßnahmen“ hat der Konzern auf 4,4 Milliarden Euro beziffert. Ab 2022 erhofft sich Bayer aus seinem Sparprogramm einen Ergebnisbeitrag von 2,6 Milliarden Euro Jahr für Jahr.

BASF

Den Umbau lässt sich der Konzern einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Quelle: Reuters
BASF-Flaggen

Den Umbau lässt sich der Konzern einen dreistelligen Millionenbetrag kosten.

(Foto: Reuters)

Konzernchef Martin Brudermüller verknüpft die Neuorganisation des Chemieriesen mit einem „Exzellenzprogramm“: es sieht Einsparungen und Wachstumsimpulse vor und soll ab Ende 2021 einen Ergebnisbeitrag von jährlich zwei Milliarden Euro bringen. Für den Umbau kalkuliert BASF mit Einmalkosten von rund 800 Millionen Euro.

BMW

Der bayerische Autohersteller will viel Geld in die Elektromobilität investieren. Quelle: dpa
BMW-Chef Harald Krüger vor dem Konzeptauto Vision iNext

Der bayerische Autohersteller will viel Geld in die Elektromobilität investieren.

(Foto: dpa)

Der Münchener Autobauer will bis Ende 2022 zwölf Milliarden Euro einsparen, um erwartete Gewinnrückgänge durch seine Investitionen in die E-Mobilität abzufedern. Ob und wie viele Stellen gestrichen werden, ist noch offen.

Covestro

Der Kunststoffhersteller kämpft vor allem mit einem Preisverfall in seinem Kerngeschäft. Quelle: dpa
Covestro-Zentrale

Der Kunststoffhersteller kämpft vor allem mit einem Preisverfall in seinem Kerngeschäft.

(Foto: dpa)

Der Spezialchemiekonzern will 900 der weltweit 16.000 Stellen bis Ende 2020 streichen, davon 400 in Deutschland. vor allem in der Verwaltung. In Deutschland ist in erster Linie der Standort Leverkusen betroffen. Spätestens 2021 will der Konzern auf Kosteneinsparungen von 350 Millionen Euro pro Jahr kommen.

Daimler

Hohe Entwicklungsinvestitionen treiben die Kosten. Quelle: AFP
Daimler-Chef Dieter Zetsche vor dem E-Modell EQC

Hohe Entwicklungsinvestitionen treiben die Kosten.

(Foto: AFP)

Schon im vergangenen Jahr hatte Daimler angekündigt, wegen hoher Entwicklungsinvestitionen in der Pkw-Sparte, die Kosten bis 2021 um vier Milliarden Euro senken zu wollen. 2018 musste Daimler einen Gewinneinbruch hinnehmen. Das Ergebnis ging um 29 Prozent auf 7,25 Milliarden Euro zurück.

Deutsche Bank

Die beiden größten Privatbanken Deutschlands sprechen über eine Fusion – mit hohen Einsparungen zulasten der Belegschaften. Zuvor soll aber die Integration der Postbank hohe Synergien bringen. Quelle: dpa
Deutsche Bank und Commerzbank

Die beiden größten Privatbanken Deutschlands sprechen über eine Fusion – mit hohen Einsparungen zulasten der Belegschaften. Zuvor soll aber die Integration der Postbank hohe Synergien bringen.

(Foto: dpa)

Bis Ende 2019 will Konzernchef Christian Sewing mindestens 7000 Arbeitsplätze abbauen. Im Investmentbanking sind in den Bereichen mit direktem Kundenkontakt bereits 1000 Stellen weggefallen. Durch die Zusammenlegung mit der Postbank erhofft sich das Institut bis 2022 Synergien in Höhe von 900 Millionen Euro.

Deutsche Post

Umstrukturierungen im Paketversand sowie ein Vorruhestandsprogramm sollen die Kosten drücken. Quelle: dpa
Briefzentrum der Deutschen Post in Leipzig

Umstrukturierungen im Paketversand sowie ein Vorruhestandsprogramm sollen die Kosten drücken.

(Foto: dpa)

Der Logistiker will seinen Paketversand der Billigtochter Delivery mit der Arbeit der Post AG zu einem Betrieb zusammenzulegen. Dadurch würden viele hundert Stellen wegfallen. Ziel ist es, jährliche Einsparungen von 150 bis 250 Millionen Euro zu erzielen.

Weitere 200 Millionen Euro verspricht sich Konzernchef Frank Appel von einem Vorruhestandsprogramm, für das allerdings erst einmal Aufwendungen von einer halben Milliarde Euro anfallen. In ihrem Brief- und Paketgeschäft wollen die Bonner in diesem Jahr mindestens 5000 Vollzeitbeschäftigte einstellen.

Deutsche Telekom

Der Telekom-Vorstandschef setzt den Personalabbau fort. Quelle: dpa
Timotheus Höttges

Der Telekom-Vorstandschef setzt den Personalabbau fort.

(Foto: dpa)

In der Geschäftskundensparte T-Systems werden bis Ende des kommenden Jahres 3765 Stellen abgebaut. Geht es der Telekomtochter bis dahin wirtschaftlich nicht besser, könnten weitere 1200 Stellen wegfallen. Bei dem ehemaligen Monopolisten ist Stellenabbau ein kontinuierlicher Prozess. Im vergangenen Jahr hat die Telekom netto 40.000 Stellen abgebaut.

RWE

Der Kohleausstieg fordert laut RWE-Chef Rolf Martin Schmitz einen signifikanten Stellenabbau. Quelle: dpa
Tagebau Garzweiler vor dem RWE-Kraftwerk Niederaußem

Der Kohleausstieg fordert laut RWE-Chef Rolf Martin Schmitz einen signifikanten Stellenabbau.

(Foto: dpa)

Der Stromversorger stellt sich nach dem Kompromiss für den Kohleausstieg auf einen Arbeitsplatzabbau ein. Konzernchef Rolf Martin Schmitz sprach von einem „signifikanten Stellenabbau“ bis 2023. Betroffen sind die Mitarbeiter der zu schließenden Kraftwerke. In den darauffolgenden Jahren sind die Beschäftigten im Tagebau betroffen. Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen.

RWE/Eon

Die Übertragung der Vertriebs- und Netzgeschäfte der RWE-Tochter auf den Energiekonzern Eon dürfte zahlreiche Arbeitsplätze kosten. Quelle: dpa
Innogy-Zentrale

Die Übertragung der Vertriebs- und Netzgeschäfte der RWE-Tochter auf den Energiekonzern Eon dürfte zahlreiche Arbeitsplätze kosten.

(Foto: dpa)

Die RWE-Tochter Innogy und der Wettbewerber Eon verhandeln über eine Teilzusammenlegung. Dabei könnten am Ende bis zu 5000 Stellen wegfallen.

SAP

Der SAP-Chef will seine Mannschaft stärker auf das Cloud-Geschäft ausrichten. Quelle: AFP
Bill McDermott

Der SAP-Chef will seine Mannschaft stärker auf das Cloud-Geschäft ausrichten.

(Foto: AFP)

Der Softwarekonzern kündigte ein Umbauprogramm an, dem 4400 Stellen zum Opfer fallen könnten. Davon könnten 1200 Stellen in Deutschland betroffen sein. So fallen in der Wartung und im Vertrieb klassischer Software Stellen weg, im Gegenzug werden aber weiterhin Mitarbeiter für Datenanalyse, Clouddienste und die Entwicklung Künstlicher Intelligenz gesucht.

Vorstandschef Bill McDermott geht es nach eigener Aussage nicht ums Sparen, sondern darum, SAP auf die gewandelten Anforderungen einzustellen, vor allem im stark wachsenden Cloud-Geschäft. In der Summe will SAP auch 2019 die Zahl seiner Mitarbeiter deutlich steigern.

Siemens

Der Siemens-Chef sieht sich mit einem massiven Nachfrageeinbruch in der Kraftwerkssparte konfrontiert. Quelle: AFP
Joe Kaeser

Der Siemens-Chef sieht sich mit einem massiven Nachfrageeinbruch in der Kraftwerkssparte konfrontiert.

(Foto: AFP)

Der Münchener Mischkonzern baut in seiner angeschlagenen Kraftwerkssparte in Deutschland 2900 Arbeitsplätze ab, um so 270 Millionen Euro zu sparen. Betroffen sind unter anderem 430 der gut 800 Stellen in den Berliner Stadtteilen Moabit und Siemensstadt. Der Trend zu erneuerbaren Energien hat den Preisdruck in der konventionellen Energiegewinnung „drastisch verschärft, so dass erhebliche Überkapazitäten und hohe Fixkosten bestehen“, teilte ein Konzernsprecher mit

Thyssen-Krupp

Aufspaltung des Konzerns dürfte zahlreiche Arbeitsplätze kosten. Quelle: dpa
Stahlarbeiter bei Thyssen-Krupp

Aufspaltung des Konzerns dürfte zahlreiche Arbeitsplätze kosten.

(Foto: dpa)

Nach milliardenschweren Fehlinvestitionen in Amerika und Überkapazitäten in der Stahlproduktion ist bei dem Mischkonzern das Eigenkapital auf drei Milliarden Euro zusammengeschmolzen. Angesichts Nettofinanzschulden von 2,4 Milliarden Euro und einem Jahresüberschuss von gerade mal 60 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr fehlt ein Polster für schlechtere Zeiten.

Bis 2020 will sich Thyssen-Krupp in zwei eigenständige Firmen aufteilen. Bei dieser Neuorganisation könnten mehr als die bereits angekündigten 2000 Stellen wegfallen. Angesichts der aktuellen konjunkturellen Talfahrt prüft das Unternehmen derzeit, ob der „angekündigte Personalabbau angesichts der veränderten Marktperspektiven ausreichend ist“.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

0 Kommentare zu "Sparprogramme: So sparen die Dax-Konzerne für die Zukunft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.