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Strafprozess Hauptbelastungszeuge verweigert Aussage – Verlagserbe Falk bleibt wohl noch lange in U-Haft

Eigenwilliger Prozessverlauf: Der Hauptbelastungszeuge gerät selbst zunehmend in die Bredouille, und der Strafverteidiger will aus Angst vor Polizeibeamten den Saal verlassen.
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Der Verlagserbe (Mitte) wird der Anstiftung zum Mord bezichtigt. Quelle: dpa
Prozess gegen Unternehmer Alexander Falk (Bild vom Prozessauftakt)

Der Verlagserbe (Mitte) wird der Anstiftung zum Mord bezichtigt.

(Foto: dpa)

Frankfurt Er war gleichermaßen martialisch wie gespenstisch. Der Auftritt des Mannes, der für das weitere Schicksal des der Anstiftung zum Mord bezichtigten Hamburger Verlagserben Alexander Falk die wohl ausschlaggebende Rolle spielen wird. Das lag allerdings weniger am Hauptbelastungszeugen Etem E. selbst als vielmehr an seiner Begleitung.

Als E. gegen 11.15 Uhr den Saal II im Gebäude E des Frankfurter Landgerichts betrat, tat er dies eingerahmt von zwei zu seinem Schutz abgestellten Polizeibeamten, beide mit Sturmhauben maskiert, Maschinenpistolen im Anschlag.

Die Zuschauer schauten verdutzt, und auch die Staatsanwälte und Richter wirkten überrascht. Daniel Wölky, einer der beiden Verteidiger Falks, war vor allem außer sich, als sich die schwer bewaffneten Beamten auf zwei Stühlen niedergelassen und postiert hatten.

„Das ist nicht Ihr Ernst, oder?“, herrschte er den Vorsitzenden Richter Jörn Immerschmitt an. „Ich weigere mich, so zu verhandeln“, machte er lautstark klar, stand auf und machte Anstalten den Saal zu verlassen. Schließlich wisse man nie, was alles passieren könne. „Ich lasse mich doch nicht abknallen.“

Erst als der Richter die Beamten freundlich bat, vor dem Gerichtssaal Platz zu nehmen, beruhigte sich Wölky wieder, und die Verhandlung konnte fortgesetzt werden.

Falk hatte Aussage herbeigesehnt

Es war der Tag, den Alexander Falk und seine Verteidiger seit Beginn des Prozesses herbeigesehnt hatten. Durch die Befragung des Hauptbelastungszeugen E. wollten sie dessen Glaubwürdigkeit erschüttern, deutlich machen, dass dieser ein „infamer Lügner und Betrüger“ sei.

Es sollte der entscheidende Schritt werden, das Gericht davon zu überzeugen, dass Falk die ihm vorgeworfene Tat nicht begangen hat. Und so sollte dem Millionärssohn der Weg aus seiner seit exakt 402 Tagen andauernden Untersuchungshaft geebnet werden. Doch es kam anders.

Die Tat, um die es geht, ist der Schuss auf einen Frankfurter Anwalt im Jahr 2010. Hinter dieser Aktion vermuten die Ermittler Falk als Drahtzieher. Hintergrund soll laut Staatsanwaltschaft eine Schadensersatzklage gewesen sein, die der Anwalt gegen Falk vorbereitet haben soll. Dabei soll es um Forderungen in Millionenhöhe und eine Pfändung in Höhe von 30 Millionen Euro aus Falks Vermögen gegangen sein.

Zwar geriet Falk schon kurz nach dem Anschlag in Verdacht, damit etwas zu tun zu haben. Belastbare Hinweise gab es aber nicht. Das änderte sich erst 2017. Etem E. wandte sich an die Polizei, behauptete, bei einem Treffen in einem Restaurant dabei gewesen zu sein, bei dem der Mord an dem Frankfurter Anwalt verabredet worden sein soll.

Falk habe einen Briefumschlag mit Geld übergeben. Ebenfalls schlecht für Falk: E. brachte den Mitschnitt eines Gesprächs an, in dem Falk seine Freude über den Schuss auf den Anwalt ausdrückt.

Zeuge mit kriminellem Hintergrund

Der Leumund E.s ist allerdings mehr als nur fragwürdig. In den vergangenen zwei Jahrzehnten trat E. immer wieder polizeilich in Erscheinung, ist vorbestraft und soll unter anderem bereits an einem versuchten Tötungsdelikt an einem Boxpromoter beteiligt gewesen sein. Außerdem, so Falks Anwälte Björn Gercke und Daniel Wölky, soll er maßgeblich für Bedrohungen und Erpressungen ihres Mandanten verantwortlich gewesen sein, der über längere Zeit mit dem Gesprächsmitschnitt erfolglos erpresst wurde.

Der kriminelle Hintergrund E.s, dem der Richter gar Nähe zur organisierten Kriminalität unterstellte, machte zumindest aus Sicht der Polizei den besonderen Schutz des Zeugen notwendig, der bei seiner Aussage möglicherweise heute andere Kriminelle aus dem Milieu hätte belasten können.

Doch zu all dem kam es nicht, denn am Ende sagte der stiernackige und mit zahlreichen Narben auf dem kurz geschorenen Schädel versehene E. nicht wirklich viel. Dass er am 1.11.1972 geboren sei und in Hamburg lebe, gab er zu Protokoll. Auf die Frage, was er beruflich mache, gab er in leicht gebrochenem Deutsch immerhin noch an, er sei Fahrer, und ein wenig hörte es sich an wie Pfarrer. Mehr war ihm dann nicht zu entlocken, denn sein Zeugenbeistand teilte anschließend mit, dass E. von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch machen wolle.

Das kommt nicht von ungefähr. Schließlich ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen E. nicht nur wegen der mutmaßlichen Erpressung Falks, sondern auch wegen des „Verdachts der Beihilfe zum versuchten Mord“ gegen ihren eigenen Kronzeugen.

Allerdings ließ sich der Anwalt, den E. erst kürzlich neu mandatiert hatte, noch eine Hintertür offen. Er wolle sich zunächst Einblick in die Akten verschaffen und sich mit dem Mandanten besprechen. Möglicherweise werde E. dann doch noch aussagen.

Es ist offen, wie es weitergeht

So blieb als einziger inhaltlicher Tagesordnungspunkt die Aussage eines von Falks Verteidigern beauftragten Gutachters, der die Angaben E.s aussagepsychologisch untersucht hat. Er kam in seiner vorläufigen Einschätzung zu dem Ergebnis, dass die Aussagen des Zeugen stark inkonsistent und mindestens an einigen Stellen wenig zuverlässig seien.

Wie es nun weitergeht, ist offen. Falks Verteidiger hatten kürzlich einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter gestellt. Wird diesem stattgegeben, müsste der ganze Prozess neu aufgerollt werden. So oder so, Falk wird wohl ziemlich sicher noch einige Zeit in Untersuchungshaft sitzen.

Mehr: Unternehmer Alexander Falk weist Vorwurf des Mordauftrages zurück – der Bericht vom Prozessauftakt.

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