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Studie 61 Frauen, 650 Männer: Weibliche Vorstände sind immer noch eine Seltenheit

Neue Daten zeigen, dass mehr Frauen ins Top-Management aufsteigen. Doch die meisten Befunde sind wenig schmeichelhaft für die deutsche Wirtschaft.
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Gleichstellung: Weibliche Vorstände immer noch eine Seltenheit Quelle: DIC Asset AG
Top-Managerin

Sonja Wärntges ist Vorstandschefin des SDax-Unternehmens DIC Asset.

(Foto: DIC Asset AG)

BerlinZunächst klingt es wie eine gute Nachricht: Deutschlands börsennotierte Unternehmen berufen immer mehr Frauen ins Top-Management. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Auswertung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY hervor. Demnach stieg der Anteil von Frauen in den Vorstandsetagen der Dax-, MDax- und SDax-Unternehmen im vergangenen Jahr und liegt jetzt bei 8,6 Prozent.

In absoluten Zahlen heißt das: Zum Stichtag 1. Januar 2019 arbeiteten insgesamt 61 Frauen in den Vorstandsgremien – das sind elf Frauen mehr als noch vor einem Jahr. Doch im „Mixed Leadership-Barometer“, das EY zweimal jährlich durchführt, finden sich auch wenig schmeichelhafte Daten für die deutsche Wirtschaft.

Nur vier börsennotierte Unternehmen werden von einer Frau als CEO geführt. Alle vier Ausnahmen sind im SDax notiert: DIC Asset, Hamburger Hafen und Logistik, Medigene und Grenke Leasing. Nur acht Unternehmen der Republik haben mehr als ein weibliches Vorstandsmitglied.

Auch eine andere Zahl macht deutlich, dass es noch ein langer Weg zur Gleichstellung von Mann und Frau in den Führungsetagen ist: Laut EY stieg im vergangenen Jahr auch die Zahl der männlichen Vorstände: um zwölf auf 650. In absoluten Zahlen wuchs die Zahl der männlichen also stärker als die Zahl der weiblichen Vorstände.

Die Vorstände der meisten Unternehmen aus den drei Börsenindices sind nach wie vor eine reine Männerdomäne: 67 Prozent der Chefetagen sind ausschließlich mit Managern besetzt. „Frauen sind in deutschen Vorständen immer noch eine Seltenheit“, sagte Ulrike Hasbargen, Leiterin des Bereichs People Advisory Services bei EY. „Die Top-Etagen der meisten deutschen Konzerne bleiben bis auf weiteres in Männerhand.“ Es gebe zwar Fortschritte, aber der Wandel vollziehe sich sehr langsam. Jüngstes Beispiel, das allerdings nicht in die EY-Auswertung eingeflossen ist: BMW-Managerin Hildegard Wortmann wird im Juli erste Vorständin bei Audi.

Wenn die Zahl der Frauen in den Vorstandsgremien weiter so langsam steigt wie im letzten Jahr, wird es nach Berechnungen von EY bis zum Jahr 2034 dauern, bis zumindest ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt ist. Am höchsten ist der Frauenanteil der Studie zufolge in den Dax-30-Unternehmen. Dort stieg er innerhalb eines Jahres um 2,1 Prozentpunkte auf 14,5 Prozent.

Inzwischen haben 23 Unternehmen mindestens ein weibliches Vorstandsmitglied, vor einem Jahr waren es 21, vor zwei Jahren 17 Firmen. Diese Unternehmen gehen EY zufolge mit gutem Beispiel voran, weil sie „besonders stark im Fokus der Öffentlichkeit“ stehen.

In den MDax-Konzernen stieg die Zahl der Frauen im Top-Management binnen Jahresfrist von 13 auf 19. In den SDax-Firmen erhöhte sich die Zahl der weiblichen Vorstände lediglich von 13 auf 14. Besonders häufig sind Managerinnen laut Barometer in den Chefetagen von Telekommunikationsunternehmen anzutreffen (16 Prozent), gefolgt von der Finanzbranche (13 Prozent) und Logistikunternehmen (12 Prozent).

Besonders wenig weibliche Vorstandsmitglieder finden sich in der Energiebranche, in IT- sowie Rohstoffunternehmen mit jeweils sechs Prozent. Im Handel beträgt der Anteil sogar nur drei Prozent.

Aufseherinnen sind immer noch in der Minderheit

Auch mit Blick auf die Aufsichtsräte belegen aktuelle Daten nur einen zögerlichen Wandel: Drei Jahre nach Inkrafttreten der Frauenquote nimmt der Anteil von Frauen in Führungspositionen laut Women-on-Board-Index der Organisation FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte e.V.) nur langsam zu.

Bei den 187 untersuchten Unternehmen sprang nach vorläufigen Zahlen vom Jahreswechsel der Anteil zwar erstmals über die 30-Prozent-Marke auf 30,3 Prozent. Bei den nicht der Quote unterliegenden 84 Unternehmen liegt der Frauenanteil im Aufsichtsrat allerdings nur bei 23 Prozent. „Der Druck der Quote wirkt. Wo die Quote nicht gilt, fällt die Entwicklung ernüchternd aus“, sagte FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. „Eine Ausweitung der festen Quote wäre ein wichtiger Schritt, um die Stärkung der gleichberechtigen Teilhabe in der Wirtschaft weiter zu beschleunigen.“

In Deutschland gilt seit 2016 für die Aufsichtsräte von börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen eine verbindliche Geschlechterquote in Höhe von 30 Prozent. Sie betrifft derzeit rund 100 Unternehmen und muss im Zuge der Neubesetzung von Aufsichtsratsposten umgesetzt werden. Frei werdende Posten müssen so lange an Frauen vergeben werden, bis die Quote erreicht ist.

Auch Bundesfrauenministerin Franziska Giffey hatte zuletzt beklagt, dass die Quote nur in ihrem unmittelbaren Geltungsbereich wirke. Die SPD-Politikerin sagt, dass Gleichstellung nicht von alleine funktioniere.

Giffey plant derzeit aber nicht, die Quote auszuweiten, sondern – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – Sanktionen zu schaffen, sollten bestimmte Unternehmen ihre Melde- und Begründungspflichten für die Zielgrößen bei Vorständen und Führungsebenen nicht einhalten. „Reine Männerclubs“ seien nicht mehr zeitgemäß, lässt die Ministerin bei jeder Gelegenheit wissen. Sie hält sogar eine gesetzliche Quote für die Vorstände für „wünschenswert“, dies sieht allerdings der Koalitionsvertrag nicht vor.

Ob die geplanten Verschärfungen bei den Zielgrößen mehr Druck erzeugten, bleibe abzuwarten, sagte FidAR-Präsidentin Schulz-Strelow dem Handelsblatt. „Ich sehe aktive Mitwettbewerber als größeren Ansporn, um die Konzerne, die immer noch mit Frauenanteil Null im Vorstand planen, wachzurütteln.“ Da könnten etwa bei der Energiebranche mit einem niedrigen Frauenanteil von sechs Prozent und null Prozent Veränderung zum vergangenen Jahr „ungeahnte Energien“ freigesetzt werden.

Es sei wichtig, in Deutschland bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen, denn für viele Frauen ende die Karriere, wenn sie Kinder bekämen, betonte Hasbargen von EY. „Aber ebenso wichtig ist ein Umdenken in den Unternehmen und im meist männlich besetzten Top-Management.“

Ohnehin habe Deutschland gar keine andere Wahl, als verstärkt auf Frauen auch in Führungspositionen zu setzen. „Dafür sorgt schon der demografische Wandel, der das Reservoir an Arbeitskräften in den kommenden Jahren deutlich schrumpfen lässt“, sagte Hasbargen.

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