Tesla-Delisting Heinz, Hilton, Burger King – diese Unternehmen haben sich von der Börse verabschiedet

Elon Musk erwägt, Tesla von der Börse zu nehmen. Schon andere prominente Konzerne haben einen solchen Schritt getan. Ein Überblick.
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Diese zehn Unternehmen haben sich von der Börse verabschiedet Quelle: Bloomberg
Börse New York

Für viele Unternehmen bleibt der Ausflug aufs Parkett kurz.

(Foto: Bloomberg)

DüsseldorfEin Börsengang gilt als Zeichen für den Erfolg eines Unternehmens – und steht in der Regel am Anfang einer Wachstumsgeschichte. Doch nicht jeder Konzern wird auch zum Börsenhit.

Neben möglichen Kapitalzuwächsen gehen mit der Notierung auch Pflichten einher. Immer wieder entscheiden sich Unternehmen daher, lieber auf die Regulierung durch Aufsichtsbehörden und die Auskunftspflichten gegenüber den Aktionären zu verzichten und sich vom Parkett zu verabschieden.

Auch Tesla-Chef Elon Musk scheint diese Vorstellung zu reizen. Via Twitter denkt er öffentlich über einen Rückzug von der Börse nach.

2010 hatte sich Tesla an die Wall Street gewagt. Die Titel waren bei ihrer Platzierung so begehrt, dass der Ausgabewert kurzerhand erhöht wurde und Aktien für 17 US-Dollar pro Stück an die Aktionäre gingen. Der Erfolg der Aktie hielt an: 2017 übertraf der Autobauer erstmals den Börsenwert von BMW und war zeitweise der wertvollste US-Autobauer.

Zumindest an der Börse lief es also gut für Tesla. Trotzdem bringt Musk nun ein Delisting ins Spiel. Kleinaktionäre sollen laut den Plänen die Möglichkeit bekommen, die Aktien für 420 Dollar pro Stück abzugeben oder weiter in Tesla investiert zu bleiben. Nach der Mitteilung schoss der Kurs um rund elf Prozent auf knapp 380 Dollar.

Tesla wäre bei beim Rückzug kein Präzedenzfall. Diese zehn Konzerne haben dem Aktienmarkt aus unterschiedlichen Gründen den Rücken zugewandt. Bei einigen währte die Abstinenz jedoch nicht lange.

Alliance Boots

Quelle: dapd
Boots Alliance
(Foto: dapd)

2007 wurde die Drogeriekette von KKR und einem italienischen Investor gekauft und von der Londoner Börse LSE genommen. Sieben Jahre später übernahm der US-Pharmariese Walgreens den Gesundheitskonzern. Das brachte Boots zurück aufs Parkett. Aktuell kämpft die größte Drogeriekette der USA gegen sinkende Umsätze. Der Aktienkurs entwickelt sich seit dem vergangenem Jahr stetig negativ. Im Drei-Jahres-Rückblick hat das Papier fast 33 Prozent verloren.

Burger King

Quelle: AP
Burger King
(Foto: AP)

2006 ging die Fastfoodkette Burger King erstmals an die Börse. Bereits vier Jahre später übernahm ein brasilianischer Großinvestor die Kette für rund vier Milliarden Dollar und nahm das Unternehmen von der Börse. Die Aktionäre erhielten 24 US-Dollar je Aktie in bar.

2010 wollte es Burger King offenbar noch einmal wissen und schlich sich über Umwege erneut zurück aufs Parkett: Burger King ging mit einer in London notierten Investmentfirma zusammen und wechselte dann an den Börsenplatz New York. Nach einer Fusion mit dem kanadischen Kaffeehausbetreiber Tim Hortons platzierten beide Unternehmen 2012 ein gemeinsames Papier, dessen Kurs sich seither verdoppelt hat.

H.J. Heinz

Quelle: AP
Heinz-Ketchup
(Foto: AP)

Hinter dem Börsenabgang des Lebensmittelherstellers Heinz im Jahr 2013 steckt kein Unbekannter: Für 28 Milliarden Dollar kaufte Großinvestor Warren Buffet gemeinsam mit 3G Capital das 146 Jahre alte Traditionsunternehmen.

Nach der Fusion mit Kraft Foods performt der Ketchup-Hersteller erneut an der Börse. Anfang August trieben Gerüchte um Übernahmegespräche mit Campbell Soup die Aktie um neun Prozent in die Höhe.

Hilton

Mit der Übernahme von Hilton Worldwide stieg der Private-Equity-Riese Blackstone 2007 zum weltgrößten Hotelier auf. Nach dem 26 Milliarden-Dollar-Investment wurde die Hotelkette von der NYSE genommen. 2013 dann die Rückkehr: Blackstone witterte eine Chance, nach der Finanzkrise die Erholung des Immobilienmarktes nutzen zu können.

Schon vor dem Listing überstieg die Nachfrage das vorhandene Angebot. 2,34 Milliarden US-Dollar sammelte das Traditionsunternehmen bei Investoren ein.

Reader's Digest

Bis 2007 war der Mutterverlag der international erscheinenden Zeitung „Reader's Digest“ an der NYSE notiert. Eine Auflage von mehr als 16 Millionen Exemplaren schützten die Zeitschrift ihn nicht vor Finanzproblemen: Zweimal meldete der Verlag bereits Insolvenz an (2009 und 2013) und bat um Gläubigerschutz. 2017 kaufte die Madrider CIL-Gruppe den Verlag auf.

Douglas

Nach einem halben Jahrhundert verabschiedete sich die Parfümerie-Kette 2013 von der Börse. Mit einer Barabfindung von 38 Euro für die Aktionäre verschwand der Titel endgültig vom Kurszettel. Dadurch wollte die Gründerfamilie mit Hilfe eines Investors den Ausbau der europaweiten Kosmetik- und Juweliergeschäfte vorantreiben. „Schneller und flexibler“ wollte man werden.

Bei der letzten Hauptversammlung war Aufsichtsratschef Henning Kreke zu den wenigen erschienenen Aktionären überraschend ehrlich: Der Schritt ermögliche es dem Unternehmen, langfristig zu arbeiten und Entscheidungen nicht mehr „quartalsweise zu veröffentlichen und zu kommentieren“ zu müssen.

Nach mehrfachen Gerüchte über ein neues IPO gilt Douglas seit dem 2018 erneut als heißer Börsenkandidat. Offizielle Stellungnahmen gab es dazu bislang nicht.

KD

Seit 185 Jahren wurden die Aktien der Rhein-Schifffahrtsgesellschaft Köln-Düsseldorf an der Börse gehandelt – solange wie kein anderes deutsches Unternehmen. Nach dem Einstieg eines Investors 2017 war es damit vorbei; KD zog sich von den Börsen Frankfurt, Hamburg und Berlin zurück, um sich nach mehreren erfolglosen Jahren auf die Steigerung des Umsatzes zu konzentrieren.

Die Marke soll nun aufpoliert werden. Dafür setzt das Unternehmen auf höherwertige Angebote und neue Linienfahrten, um das alte Image als Senioren-Ausflugsschiff loszuwerden.

Rolf Benz

Trotz guter Gewinne dümpelte die Aktie des Möbelbauers Rolf Benz jahrelang im niedrigen Bereich. Der Möbelbauer kaufte massenhaft eigene Papiere zurück, um den Kurs zu stützen, bis der Streubesitz im Jahr 2000 von einst 25 Prozent auf drei Prozent gesunken war. Die Maßnahmen halfen nicht – der Finanzvorstand zog die Reißleine. Seit Anfang 2018 ist eine Rückkehr möglich: Im Mai wurde Rolf Benz von einem chinesischen Investor gekauft, der ein Comeback in Aussicht stellt.

GfK

Auch für ein weiteres deutsches Unternehmen bedeutete 2017 den Abschied vom Parkett. Weil dem Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK die Konkurrenz von Billiganbietern zu schaffen machte, holte es sich 2016 Hilfe beim Investor KKR. Der drängte auf den Rückzug von der Börse, um die Planungssicherheit und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Dell Computers

Quelle: AP
Michael Dell
(Foto: AP)

Ein aufsehenerregendes Delisting legte der Computerhersteller Dell im Jahr 2013 hin. Nach einer monatelangen Übernahmeschlacht gelang es Gründer und CEO Michael Dell, das Unternehmen mit Hilfe des Finanzinvestors Silver Lake Partners zurückzukaufen. Das kostete ihn rund 25 Milliarden Dollar.

Kurz darauf erklärte der Neu-Eigentümer, für Dell beginne „ein neues Kapitel als privat gehaltenes Unternehmen“. Dieses Kapitel hinterließ nicht nur einen großen Schuldenberg – es war auch nicht besonders lang. Über ein komplexes Manöver erfolgte 2018 das Börsen-Comeback Michael Dell hält auch weiter 72 Prozent der Anteile.

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