Thomas Griesel und Felix Ohswald Wenn das Smartphone Nachhilfestunden gibt

Das Wiener Start-up Gostudent will den Bildungsmarkt aufmischen. Hilfe bekommen die Österreicher dabei von einem prominenten Gründer.
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Auch in der österreichischen Sendung „2 Minuten 2 Millionen“, dem Pendant zur deutschen „Höhle der Löwen“, haben die Gründer ihr Konzept bereits vorgestellt.
Gostudent-Gründer Gerry Frank

Auch in der österreichischen Sendung „2 Minuten 2 Millionen“, dem Pendant zur deutschen „Höhle der Löwen“, haben die Gründer ihr Konzept bereits vorgestellt.

WienDie Bezeichnung Altgründer hört Thomas Griesel nicht so gern: „Das hört sich ziemlich alt an“, lacht der 32-Jährige. Im Gegensatz zu Felix Ohswald, der ihm gegenüber sitzt, wirkt Griesel zwar nicht alt, strahlt aber eine routinierte Ruhe aus. Hätte die Berliner Szene ihre Patriarchen, der gebürtige Düsseldorfer wäre wohl einer von ihnen: Gemeinsam mit Dominik Richter gründete er 2011 den Kochboxenversender Hello Fresh. Das Unternehmen ist mittlerweile börsennotiert und in zwölf Ländern aktiv. Griesel ist CEO International, von seinem Wissen als Gründer und Geschäftsführer soll nun auch sein Gegenüber Ohswald profitieren.

Der ist Mitgründer des Wiener Start-ups Gostudent, das Nachhilfestunden im Netz anbietet – mittels kostenloser Chatlösung können Schüler alle möglichen Fragen stellen – von Goethe bis zur Kurvendiskussion. In einem bezahlten Bereich gibt es Video-Nachhilfestunden und Chats mit Lieblingstutoren.

Das Unternehmen hat zuletzt 1,5 Millionen Euro eingesammelt, nach bereits 2,4 Millionen durch etwa Pioneers Ventures oder Econnext. Monatlich 250 000 Nutzer zählt das Start-up laut eigenen Angaben. Für weiteres Wachstum soll dann auch der Rat von Hello-Fresh-Gründer Griesel sorgen, der seit Juni als Beirat das Unternehmen unterstützt. Für Griesel ist es das erste Engagement dieser Art. Für ihn ist klar: Auch er selbst kann davon profitieren.

Der 23-jährige Ohswald ist ein Mathe-Ass, schon während seiner Schulzeit studierte er nebenbei Mathematik an der Universität Wien. Sein jüngerer Bruder schickte seine Fragen gerne über WhatsApp, erinnert sich Ohswald: „Irgendwann hat er dann meine Handynummer an seine Schulfreunde weitergegeben – da wurde es dann doch ein bisschen viel.“ Daraus erwuchs die Idee zu Gostudent, die er Ende 2016 mit seinem Bruder und Gregor Müller umsetzte. 

Kennen gelernt haben sich Griesel und Ohswald in Wien: „Wir sind ins Gespräch gekommen, und Thomas fand unser Geschäftsmodell spannend und hatte einen Haufen Fragen“, erzählt Ohswald.

Bildungsmarkt noch analog

Griesel glaubt an das Modell: „Der Bildungsmarkt ist oft noch sehr analog – und Gostudent ist nicht nur eine gute Idee, sondern bietet auch Chancengerechtigkeit, denn nicht jeder hat Eltern, die Unterstützung leisten können.“

Zwischen den beiden entstand ein Austausch – der Wiener klingelte immer mal wieder durch, wenn Fragen waren, erinnert sich Hello-Fresh-Chef Griesel. Und dann ist er in den Beirat eingestiegen. Seitdem fragt der Wiener immer mal wieder an, wenn er Ratschläge braucht. Es sei wichtig, als Gründer nie den Austausch zu vernachlässigen, meint Ohswald: „Klar muss man von sich und seinem Geschäftsmodell überzeugt sein, aber das darf nicht dazu führen, dass man sich selbst für unfehlbar hält“, fügt er hinzu.

Griesel grinst bei solchen Sätzen – er kennt das: „Manche Erfahrungen muss man selbst machen, manchmal hilft aber auch Rat.“ Von einer Pflicht zur Weitergabe wie etwa einem unausgesprochenen Generationenvertrag zwischen Alt- und Neugründern hält Griesel hingegen nichts: „Ich mache das, weil es mir Spaß macht“, sagt er. Und weil er auch selbst davon profitiert: „Felix ist eine konstante Erinnerung daran, auch als inzwischen erwachsenes Start-up agil und dynamisch zu bleiben.“ Das sei ein Mittel gegen „Corporate Bräsigkeit“.

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