Thomas Middelhoff Middelhoffs Revision verworfen – was passiert mit „Big T“?

Thomas Middelhoff wurde zu drei Jahren Haft wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt. Seine Revision hat der Bundesgerichtshof jetzt als unbegründet verworfen. Muss der Ex-Manager wieder in Haft?
Update: 22.02.2016 - 14:43 Uhr
Der Ex-Arcandor-Chef wurde wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt. Quelle: dpa
Thomas Middelhoff

Der Ex-Arcandor-Chef wurde wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt.

(Foto: dpa)

KarlsruheDer ehemalige Spitzenmanager Thomas Middelhoff muss sich auf einen baldigen Antritt seiner Haftstrafe einstellen. Der Bundesgerichtshof (BGH) erklärte eine Verurteilung Middelhoffs durch das Landgericht Essen zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren für rechtskräftig. Die gegen das Urteil gerichtete Revision Middelhoffs sei verworfen worden, teilte das Gericht am Montag mit.

Middelhoffs Anwälte nannten die Entscheidung enttäuschend. Ihr Mandant sei an einer Autoimmunkrankheit erkrankt, es müsse „eingehend und sorgfältig geprüft werden“, ob er seine Freiheitsstrafe antreten könne.

Die Staatsanwaltschaft Bochum ist nun für die Vollstreckung des Urteils zuständig. „Wir warten jetzt auf die Akten des BGH“, sagte eine Sprecherin. Wenn diese eingetroffen seien, gehe der Fall Middelhoff an einen Rechtspfleger, der über den Haftantritt entscheide. „Das geht seinen normalen gesetzlichen Verlauf – wie bei jedem anderen auch“, unterstrich die Sprecherin.

Middelhoff war am 14. November 2014 wegen Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung in drei Fällen vom Landgericht Essen zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Er war damals wegen Fluchtgefahr sofort in Untersuchungshaft genommen worden, kam aber im April 2015 nach der Zahlung einer Kaution von 895.000 Euro wieder frei.

Das Essener Gericht hatte es in seinem Urteil als erwiesen angesehen, dass Middelhoff in seiner Zeit als Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor unter anderem Privatflüge mit Charterjets und Hubschraubern über das Unternehmen abgerechnet und seinem ehemaligen Arbeitgeber insgesamt einen Schaden von rund einer halben Million Euro zugefügt hat. Middelhoff hatte die Vorwürfe stets bestritten. Die rund fünfmonatige Untersuchungshaft wird ihm der Staatsanwaltschaft Bochum zufolge nun auf die Haftstrafe angerechnet.

Das sind die höchsten Kautionen für Manager
Thomas Middelhoff: 895.000 Euro
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Der frühere Topmanager Thomas Middelhoff ist nach mehr als fünf Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Wie das Essener Landgericht mitteilte, hatten die Verteidiger des Managers zuvor die Kaution in Höhe von 895.000 Euro auf ein Konto der Gerichtskasse überwiesen. Middelhoff war im November 2014 unter anderem wegen Untreue zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt und wegen Fluchtgefahr noch im Gerichtssaal verhaftet worden. Der Richterspruch ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Middelhoff bestreitet die Vorwürfe.

Wolfgang Kulterer: 500.000 Euro
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Die ehemaligen Vorstände der Hypo Alpe Adria, Gert Xander (l.) und Wolfgang Kulterer, standen 2011 in Österreich vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, Geld des Finanzinstituts veruntreut zu haben. Der ehemalige Chef der Krisenbank musste Mitte 2014 schließlich für fünf Jahre ins Gefängnis umziehen. Den Prozess aber erlebte er auf freiem Fuß – gegen eine Kaution von einer halben Million Euro.

Klaus Zumwinkel: eine Million Euro
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Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Post AG, Klaus Zumwinkel, Mitte, steht mit seinen Rechtsanwälten Rolf Schwedhelm, links, und Hanns W. Feigen im Januar 2009 im Gerichtssaal des Landgerichts Bochum. Zumwinkel wurde wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Die Beweise beruhten auch auf einer Steuersünder-CD, die die Bundesregierung eingekauft hatte. Zumwinkel zahlte im Februar 2008 eine Millionen Euro, um zwischen den Prozesstagen nach Hause zu dürfen. Schließlich wurde er zu einer Geldstrafe von einer Millionen Euro und uwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem musste er 3,9 Millionen Euro an Steuern nachzahlen.

Dominique Strauss-Kahn: 4,2 Millionen Euro
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Der ehemalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn musste sich 2011 Vorwürfen stellen, er habe ein Zimmermädchen zum Oralsex gezwungen zu haben. Polizisten nahmen den Franzosen am New Yorker Flughafen fest. Gegen eine Kaution von 4,2 Millionen Euro kam er wieder frei. Die Anklage wurde wenig später wieder fallengelassen, es bestanden Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Angestellten.

Uli Hoeneß: fünf Millionen Euro
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Am 13. März 2014 entschieden die Richter des Landgerichts München: Drei Jahre. Sechs Monate. Haft. Keine Bewährung. Uli Hoeneß wird wegen Steuerhinterziehung verurteilt, es geht um 28,5 Millionen Euro inklusive Soli. Während der Ermittlungen jedoch war der ehemalige Präsident des FC Bayern München auf freiem Fuß – gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro.

Raoul Weil: 6,5 Millionen Euro
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Raoul Weil musste 6,5 Millionen Euro bezahlen, um wieder auf freien Fuß zu kommen: Der ehemalige UBS-Manager stand in den USA vor Gericht, weil er rund 17.000 Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen haben sollte. Weil wurde 2013 in Bologna verhaftet und verbrachte fast zwei Monate in einem italienischen Gefängnis, bevor er an die USA ausgeliefert wurde. Im November 2014 wurde er freigesprochen.

Raj Rajaratnam: 67 Millionen Euro
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Am Ende musste der Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam wegen Insiderhandel in den USA für elf Jahre hinter Gitter. Seinen Prozess aber erlebte er als freier Mann: Im Oktober 2009 bezahlte der Mitbegründer der Galleon Group eine Kauton in Höhe von 67 Millionen Euro.

Middelhoff war in der Vergangenheit einer der mächtigsten Manager Deutschlands, unter anderem stand er an der Spitze des Medienriesen Bertelsmann. Später amtierte er als Arcandor-Chef. Der Karstadt-Mutterkonzern schlitterte im Jahr 2009 in die Pleite, eine Reihe von Prozessen und juristischen Auseinandersetzungen waren die Folge. Der ehemalige Spitzenmanager hatte sein Kaution nicht selbst stellen können, der ehemals viele Millionen Euro schwere frühere Arcandor-Chef mit Motoryacht und Wohnsitz an der Cote d'Azur hatte Privatinsolvenz anmelden müssen.

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