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Thomas Röttgermann Wie der Fortuna-Chef mit Ligakonkurrenten an einer geheimen Fußball-App arbeitet

Der Chef des Fußball-Bundesligisten Fortuna Düsseldorf ist insgeheim als Unternehmer unterwegs. Mit Vertretern von zwei anderen Bundesligaklubs treibt er eine Fußball-App voran.
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Der Fußballfunktionär ist auch außerhalb von Fortuna Düsseldorf umtriebig. Quelle: Imago Images
Thomas Röttgermann

Der Fußballfunktionär ist auch außerhalb von Fortuna Düsseldorf umtriebig.

(Foto: Imago Images)

Düsseldorf Wenn seine Fortuna am 5. Oktober in Berlin spielt, wird Thomas Röttgermann, 58, womöglich für einen Moment besondere Gefühle haben. Das liegt daran, dass der Vorstandschef des Fußball-Bundesligisten Fortuna Düsseldorf ungewöhnlich enge Beziehungen zu Ingo Schiller, dem Finanzchef des Gegners, unterhält.

Der gute Freund von Hertha BSC ist Teil einer Geschäftswelt, die sich Röttgermann neben seiner Managertätigkeit offenbar systematisch erschließt – und in der er privat und geheim eine neue Fußball-App gefördert hat, die eigentlich Sache der gesamten Branche sein müsste. Der Mittelstand ist in Röttgermanns Parallelwelt genauso einbezogen wie Medienkonzerne. Für Fortuna Düsseldorf aber, wo der Manager Mitte April nach langen Jahren beim Volkswagen-Ableger VfL Wolfsburg anheuerte, ist das alles eine neue Erfahrung – und eine Herausforderung.

Fortuna-CEO Röttgermann, der Publizistik, Politik und Soziologie in Münster studiert hat und zwölf Jahre beim Rechtehändler Sportfive war, glaubte offenbar, eine Königsidee gefunden zu haben: eine Fußball-App, die den Fans aufzeigt, welche Spiele gerade bei welchen Anbietern im Fernsehen oder Internet zu sehen sind. Das Projekt firmiert als „MySport“.

„Der Fan verliert die Übersicht“, heißt es in einer internen Präsentation. „MySport verbindet Fans und Anbieter“ – zu denen in dem Papier ARD/ZDF, Sky, Dazn, Amazon und Eurosport gehören. Die sollen Provisionen von jeweils 100 bis 160 Euro pro Kunde zahlen. Geboten werden sollen dafür etwa „Handling aus einer Hand“ und „Tiefstpreisgarantie“. Neben Hertha-Mann Schiller hat auch Felix Welling diese App vorangetrieben, als Leiter Corporate Development bei Röttgermanns Ex-Arbeitgeber VfL Wolfsburg bekannt.

Top-Vertreter dreier Klubs bei einem solchen Geheim-Projekt, das ist schon auffällig. Was entsteht da? Röttgermann schrieb am 2. Juni – da war er schon wochenlang CEO von Düsseldorf – an die Leitenden von Pro Sieben Sat 1 Sport (P7S1). „Ingo, Felix und ich freuen uns nach wie vor, dass P7S1 sich für die Partnerschaft mit uns interessiert. Wir würden sehr gern rasch den nächsten Schritt gehen...Das Momentum ist in der Tat auf unserer Seite“, formulierte er da, eingeführt als Vorstandschef.

Die Münchener Pro-Sieben-Gruppe ist in der Korrespondenz ausdrücklich als „strategischer Partner“ eingeplant. Monate zuvor hatte Röttgermann dafür offenbar den Bertelsmann-Konzern (RTL) im Sinn gehabt. Der Spiritus Rector bedankte sich am 14. März bei CEO Thomas Rabe – auch im Namen von Schiller und Welling – „für das angenehme Gespräch heute und die Zeit, die Sie sich für unser Projekt genommen haben.“

In einer Mail vom 27. Juli fehlt dann der Fortuna-Bezug. Es geht jetzt („Termin zum Audi-Cup“) um einen Businessplan und um ein Gespräch mit Carsten Schmidt, dem Chef des Pay-Betriebs Sky Deutschland, der die meisten Bundesliga-Live-Spiele zeigt. „Von unserer Seite wäre Ingo Schiller federführend“, kündigt Röttgermann nun an. Und teilt mit: „Das Vorgespräch mit Dazn war sehr ermutigend. Die Schlüssigkeit und Marktrelevanz des Ansatzes werden komplett geteilt.“ Später kam es zu weiteren Verabredungen mit Dazn und Sky.

Intensive Nebenbeschäftigung

Die ominöse Fußball-App ist eine potenzielle Millionen-Idee. Warum aber wird sie privat von angestellten Mitarbeitern einiger Bundesligisten verfolgt? Für Fragen der Rechteverwertung und für übergeordnete Projekte ist eigentlich die Deutsche Fußballliga (DFL) in Frankfurt zuständig, die Vereinigung der 36 besten Profiklubs. Und in der Tat arbeitet die DFL sogar an einem ähnlichen Projekt für Liga-Fans im Ausland. Von „MySport“ hat man in Frankfurt noch nie gehört. 

Für App-Mitstreiter Welling, bisher Wolfsburg, war die Untergrund-Arbeit durchaus karrierefördernd. Er schloss mit Röttgermann und Fortuna einen Vertrag, wonach er ab dem 1. Januar 2020, „spätestens ab dem 1. Februar 2020“, Direktor Strategie, Marke, Geschäftsentwicklung (inkl. Internationalisierung) und Digitalisierung wird. Gehalt und Boni für Tätigkeiten in der ersten Liga, zweiten Liga und dritten Liga sind aufgeführt.

Zum intensiv betriebenen Projekt „MySport“ erklärt Fortuna-CEO Röttgermann auf Anfrage: „Grundsätzliche Überlegungen, einen solchen eigenunternehmerischen Ansatz zu verfolgen, gab es in der Tat vor meiner Tätigkeit bei Fortuna Düsseldorf. Solange ich eine entsprechende Funktion bei Fortuna bekleide, werde ich mich nicht an einer solchen unternehmerischen Aktivität – auch nicht beratend – beteiligen.“ Was offenbar noch zu beweisen wäre.

Genehmigen ließ sich Röttgermann von Aufsichtsratschef Reinhold Ernst eine Beteiligung an der 2018 gegründeten Berliner Firma Quint, einer „Gesellschaft für partnerschaftliche Beteiligung“. Auch hier ist Manager Schiller vom Konkurrenten Hertha BSC neben einem Dritten im Teilhaberkreis dabei. Quint will Mittelständlern beim Sprung in die digitale Zeit helfen oder einfach nur bei der Nachfolgeregelung.

Als „erfahrene Unternehmer, Manager und Berater“ würden sie viel mehr als nur Kapital in die Partner-Unternehmen einbringen, verkündet das Trio um Röttgermann: zum Beispiel Verantwortungsbewusstsein, Management-Handwerk, „hohe soziale Kompetenz“, Blick für Talente oder Kompetenz von Mitarbeitern. Im einzelnen werden neun Leistungen der Quint GmbH aufgeführt, die im April die Mehrheit am Hamburger Metallverarbeiter Quast (Präzisionstechnik) übernommen hat.

Das klingt nach recht intensiver Nebenbeschäftigung. Es handele sich bei Quint jedoch um keine Beratungsfirma, sondern um eine Beteiligungsgesellschaft, sagt Röttgermann. Quast sei als „Finanzbeteiligung“ angelegt. Es gäbe „keine operative Tätigkeit von mir oder Herrn Schiller“. Da Beratung oder Beteiligung im Fußball oder in fußballnahen Geschäftsfeldern fehlten, gäbe es „auch keinerlei potenziellen Interessenkonflikt“.

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