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Tod des VW-Patriarchen Ferdinand Piëchs Rolle im Dieselskandal wirft noch immer Fragen auf

Der Patriarch hatte erklärt, die wichtigsten VW-Aufsichtsräte frühzeitig über den Dieselskandal informiert zu haben. Die Aussage hat er nie zurückgenommen.
27.08.2019 - 17:45 Uhr Kommentieren
Zum früheren Zögling auf Distanz gegangen. Quelle: dpa
Ferdinand Piëch (rechts) und Martin Winterkorn im Jahr 2014

Zum früheren Zögling auf Distanz gegangen.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Düsseldorf Der Auftritt von Ferdinand Piëch dürfte den Staatsanwälten in Braunschweig unvergessen sein. Denn der ehemalige Aufsichtsratschef des Volkswagen-Konzerns belastete sich dabei vor allem selbst. In seiner Befragung vor etwa drei Jahren berichtete Piëch als Zeuge von einem Treffen mit dem früheren israelischen Botschafter Avi Primor und Sicherheitsberatern im Februar des Jahres 2015, in dem diese ihm von den Ermittlungen der US-Umweltbehörden gegen Volkswagen berichtet hätten.

Der Autobauer hatte in Dieselfahrzeugen eine illegale Software installiert, mit der die Emissionswerte auf das gesetzlich zulässige US-Niveau gedrückt wurden.

Das gesetzeswidrige Treiben der VW-Entwickler hatte die US-Behörden zu dieser Zeit zwar schon anderthalb Jahre beschäftigt, publik machten sie den Fall aber erst im September 2015. Piëch hatte also nach eigenen Angaben schon lange vor dieser Mitteilung von dem Skandal erfahren, der später als „Dieselgate“ in die Geschichte des Volkswagen-Konzerns eingehen wird.

Bereits im März 2015 am Rande des Automobilsalons in Genf will der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Piëch mit VW-Chef Martin Winterkorn über die Diesel-Manipulationen gesprochen haben. Winterkorn habe abwiegelnd reagiert, erklärte Piëch ein gutes Jahr später den Staatsanwälten. Piëchs Zögling Winterkorn habe keinen Grund gesehen, dem möglichen Verdacht mit größerem Elan nachzugehen.

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    Der oberste Kontrolleur will es dabei nicht belassen haben, so seine Aussage vor der Braunschweiger Staatsanwaltschaft. Im Nachgang des Gesprächs mit Winterkorn hat er nach eigener Aussage die wichtigsten Aufsichtsräte über den Dieselverdacht informiert.

    Dazu zählten außer Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) auch Betriebsratschef Bernd Osterloh, der frühere IG Metall-Chef Berthold Huber und sein Cousin Wolfgang Porsche, die damals allesamt im Präsidium des Volkswagen-Aufsichtsrats vertreten waren.

    Präsidium weist Vorwürfe zurück

    Sie alle erklärte Piëch damit zu Mitwissern einer Affäre, deren Aufarbeitung den Autokonzern bislang rund 30 Milliarden Euro gekostet hat. Hätte sich Piëchs Behauptung bestätigt, es hätte die Karrieren der Aufsichtsräte sofort beendet und „Dieselgate“ auf eine neue Ebene gehoben.

    Doch die obersten Volkswagen-Kontrolleure wiesen die Anschuldigungen des Konzernpatriarchen mit aller Schärfe zurück. Zu keiner Zeit habe Ferdinand Piëch sie in seiner Zeit als Aufsichtsratschef über die Vorgänge oder die Ermittlungen der US-Behörden informiert, erklärten sie, nachdem der Inhalt der Piëch-Aussage bekannt geworden war.

    Unterstützung erhielten die Aufsichtsräte auch von Avi Primor. Piëch kenne er zwar, aber es habe kein Gespräch mit ihm über ein solches Thema gegeben, erklärte der frühere Botschafter schon vor geraumer Zeit auf Anfrage.

    Seine Aussage hat Piëch bis zu seinem Tod am vergangenen Sonntag nicht zurückgenommen. Sie steht im Raum, auch wenn die Ermittler ihr zumindest in diesem Punkt keine größere Bedeutung beigemessen haben. Andernfalls hätten sie aus dem Zeugen Piëch wahrscheinlich einen Beschuldigten Piëch machen und wohl auch ein Verfahren gegen Osterloh, Weil, Porsche und Huber einleiten müssen.

    Denn wenn es tatsächlich so gewesen wäre, wie Piëch es selbst ausgesagt hat, dann hätte er sich aus Sicht der Ermittler wahrscheinlich selbst viel stärker und früher um die Aufklärung der Dieselmanipulationen kümmern müssen.

    Für die vier Aufsichtsräte ist es bis heute nicht nachvollziehbar, warum Piëch sie einer Mitwisserschaft beschuldigt hat. Aus den Kreisen der vier kommt der Verdacht, dass er sich womöglich habe rächen wollen. Immerhin waren sie es, die ihn im Frühjahr 2015 aus dem Amt gedrängt hatten.

    Piëch hatte zuvor die spätere Ablösung von VW-Chef Winterkorn mit der Äußerung befeuert, er sei „auf Distanz zu ihm“ gegangen. Mit diesen Halbsätzen hatte er schon in früheren Jahren Karrieren von Managern beendet. Bei Winterkorn konnte er sich erstmals nicht durchsetzen, weil sich die vier einflussreichen Aufsichtsräte dagegenstellten.

    Sie wollten damals auf jeden Fall an Winterkorn als Vorstandsvorsitzenden festhalten. Dass er einige Monate später das Feld wegen der Dieselaffäre räumen musste, konnten die Aufsichtsräte zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen.

    Nach einigen Krisengesprächen musste der „Alte aus Salzburg“ – wie Piëch konzernintern häufig genannt wurde – selbst seinen Posten räumen. Diese Gespräche markierten seinen Abschied aus der Welt von VW.

    Zwei Jahre nach seinem Rückzug von der Aufsichtsratsspitze veräußerte er dann auch seine Beteiligung an der Porsche SE. Über diese Holding hält die Familie Porsche/Piëch die Mehrheit am weltgrößten Automobilhersteller Volkswagen.

    Mehr: Nach dem Tod des Auto-Managers sind die Fahnen der VW-Werke auf Halbmast gesetzt worden. Wirtschaft und Politik würdigen die Leistung von Piëch. Die Reaktionen im Überblick.

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