Töchter in Familienunternehmen „Nicht so viel Testosteron im Spiel“

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Dieses „Nicht-Müssen“ stärkt die Frauen für die spätere Führungsposition: Sie haben Alternativen ausprobiert und ihren Horizont erweitert. Männliche Nachkom- men dagegen stehen traditionell unter höherem Druck, die Nachfolge anzutreten – oder die Eltern mit einem „Nein“ zu enttäuschen. Die freie Wahl müssen sie sich entsprechend aufreibend erkämpfen. Töchtern gestehe man „Zickzackkurse eher zu“, sagt Bettina Daser vom Sigmund-Freud-Institut an der Uni Frankfurt. Die Sozio-Ökonomin hat mit ihrem Kollegen Rolf Haubl eine Studie zu den Erfolgsfaktoren von Töchtern als Unternehmensnachfolgerinnen verfasst.

Das spezielle Vertrauensverhältnis zum Papa ist dabei entscheidend. „Vater-Töchter“ nennen Psychologen diesen Typus: Als Vierjährige spielen sie unter seinem Bürotisch, als 16-Jährige lassen sie sich von ihm die Bilanz erklären. Sie freuen sich mit ihm über Geschäftserfolge und trauern mit ihm über Rückschläge. Die Tochter bewundert, was der Vater aufgebaut hat. Und der Vater weiß später, dass sie sein Lebenswerk in seinem Sinne fortführen wird.

Antje von Dewitz ist so ein Papa-Kind. Seit gut zwei Jahren mischt die 35-Jährige in der Geschäftsführung des Bergsportausrüsters Vaude am Bodensee mit. Nächstes Jahr zieht sich Vater Albrecht, 65, in den Aufsichtsrat zurück, und die Tochter wird Chefin. Die Juniorin denkt, spricht und entscheidet genauso schnell wie der Senior. „Oft sagt einer von uns zwei Worte, und der andere sagt: Sehe ich genauso“, sagt sie.

So wird Antje, die Mittlere von drei Geschwistern, schon als Kind allseits gefragt, ob sie das Unternehmen übernimmt. Nur einer schweigt „ganz bewusst“: Der Vater möchte, dass die Tochter „ihr Glück selbst findet“. Antje von Dewitz studiert Kulturwirtschaft, schnuppert in Medien und Politik herein, macht schließlich ein Praktikum im väterlichen Betrieb. Daraus werden vier Jahre. „Meine Welt“, stellt Antje fest, und bewirbt sich beim Vater um die Nachfolge.

Ihr Abkommen: Der Vater kümmert sich um Technik und Produktentwicklung; die Tochter baut Marketing und Kommunikation auf. Als „wahnsinnig innovativ“ lobt Antje von Dewitz den Vater. Doch nach außen seien Neuerungen nicht klar geworden.

Töchter verstehen es, diplomatisch neue Elemente ins Unternehmen zu bringen. Während der Gründervater oft in einer bestimmten Technologie zu Hause ist, konzentriert sich die gut ausgebildete Nachfolgerin auf Marketing oder Personal. Folglich haben Vater-Tochter-Duos keine Probleme damit, das Unternehmen jahrelang gemeinsam zu führen; die Ablösung vollzieht sich reibungslos. Das klassische Nachfolge-Dilemma, bei dem der Senior sich nicht genügend wertgeschätzt fühlt, bleibt aus. Söhne dagegen beharren meist auf einem festen Ausstiegspunkt: Du oder ich! Das fordern sie nicht aus Respektlosigkeit, klar, sondern um sich aus der Dominanz des Seniors zu befreien. Aber das birgt Sprengstoff genug.

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