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Tschechiens reichster Mann Petr Kellner: Der Milliardär aus dem Nichts

In seiner Heimat Tschechien ist Petr Kellner eine feste Größe, in Deutschland kennt ihn so gut wie niemand. Allenfalls in Russland ist sein Name noch bekannt, weil er sich dort öfter mit milliardenschweren Oligarchen angelegt hat. Dass er sich solche Attacken erlauben kann, hängt mit seinem großen Vermögen zusammen.
Außerhalb seiner tschechischen Heimat hat sich Milliardär Petr Kellner vor allem Russland als Aktionsfeld auserkoren. Quelle: Pressebild

Außerhalb seiner tschechischen Heimat hat sich Milliardär Petr Kellner vor allem Russland als Aktionsfeld auserkoren.

(Foto: Pressebild)

WIEN. Petr Kellner ist der reichste Mann der Tschechischen Republik. In der neuesten Forbes-Liste der Milliardäre wird er mit einem Vermögen von sechs Milliarden US-Dollar geführt, was ihm im weltweiten Vergleich immerhin Rang 76 beschert. Damit liegt er ungefähr auf einer Stufe mit der deutschen Haub-Familie, den Begründern der Einzelhandelskette Tengelmann. Innerhalb eines Jahres hat sich der Tscheche damit – trotz der Finanzkrise – um gut 20 Plätze nach vorne gearbeitet.

Petr Kellner hat aber vergleichsweise wenig mit dem klassischen Handel zu tun. Sein Aktionsfeld sind vielmehr die Finanzen, mit denen er sein Milliardenvermögen gemacht hat. Dem 44-jährigen Tschechen gehört fast vollständig die in Prag ansässige PPF Gruppe, der größte Finanzdienstleister des Landes. Das große Geld macht die Gruppe mit Klein- und Konsumentenkrediten abseits des klassischen Bankgeschäfts und mit Versicherungen. Kellners Erfolge mit Versicherungen haben vor zwei Jahren auch den italienischen Generali-Konzern angelockt. PPF und Generali gründeten ein Joint Venture, in dem sie ihre gesamten Osteuropa-Aktivitäten eingebracht haben. Kellners PPF-Gruppe hält jetzt 49 Prozent an diesem Gemeinschaftsunternehmen, gleichzeitig zog der Tscheche in den Verwaltungsrat bei Generali in Italien ein.

Petr Kellner lebt eher scheu und zurückhaltend in einem Prager Vorort mit Frau und Familie. Auch in seiner tschechischen Heimat gibt er nur ganz selten Interviews. Er zieht es vor, meist im Hintergrund und im Stillen zu agieren. Wenn er in die Öffentlichkeit muss, zieht er die Unkonventionelle Art und Weise vor: Meist gibt er sich lässig. „Unsere Gruppe will auf den wichtigsten Märkten für Finanzdienstleister expandieren“, war einer der wenigen Worte, die sich Kellner einmal entlocken ließ.

Wo ein Milliardenvermögen entstanden ist, kursieren fast zwangsläufig Gerüchte, wie dieser Reichtum entstanden ist. Fest steht, dass Petr Kellner im Zuge der Privatisierung der früheren Staatsbetriebe reich geworden ist. Als er Ende der 80er-Jahre nach dem Wirtschaftsstudium bei einem Kopiergeräte-Unternehmen begann, da ahnte noch niemand, dass ein kometenhafter Aufstieg folgen würde. Kellner erkannte bei der Privatisierung schnell seine Chancen im Bank- und Versicherungsgeschäft.

„Er ist auf jeden Fall sehr, sehr clever“, sagt Peter Noack, ein deutscher Geschäftsmann, der in der tschechischen Hauptstadt lebt. Kellner habe nichts übertrieben, seine Unternehmensgruppe sei kontinuierlich gewachsen. Noack vermutet, dass Kellner absolut gesetzeskonform vorgegangen sei, „da gibt es keine Leichen im Keller“. Seine letzten Millionen hat der Tscheche erst im Februar gemacht. Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis wollte unbedingt die Mehrheit an seinem tschechischen Konkurrenten Zentiva erwerben. Gut für die PPF-Gruppe, die knapp 25 Prozent an Zentiva gehalten hat. Mehrere 100 Millionen Euro sind dadurch auf den PPF-Konten gelandet.

Außerhalb seiner tschechischen Heimat hat sich Kellner vor allem Russland als Aktionsfeld auserkoren. In Moskau ringt die Investmenttochter der PPF-Gruppe um die Mehrheit am russischen Versicherer Ingosstrach, 38 Prozent halten die Tschechen bereits. Mehrheitsgesellschafter ist der russische Milliardär Oleg Deripaska, der derzeit massive wirtschaftliche Schwierigkeiten hat. Da die PPF-Gruppe um Kellner wesentlich solider finanziert scheint, sollten sich die Tschechen in Russland durchsetzen. Der Erfolge der vergangenen Jahre spricht auf jeden Fall für Petr Kellner und sein Team. Auch in der aktuellen Krise hat die PPF-Gruppe vergleichsweise wenige Federn lassen müssen.

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