Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

U-Haft angeordnet Vorwurf Mordauftrag – der tiefe Fall des Stadtplan-Erben Alexander Falk

Dem einstigen Börsenstar und Ex-Häftling wird vorgeworfen, einen versuchten Mord beauftragt zu haben. Jetzt muss Alexander Falk in Untersuchungshaft.
Der Internet-Unternehmer nach der Verhandlung im Landgericht in Hamburg. Quelle: dpa
Alexander Falk

Der Internet-Unternehmer nach der Verhandlung im Landgericht in Hamburg.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Nach außen schien im Leben des Hamburger Unternehmers Alexander Falk alles so wie in guten alten Zeiten. Die Firmenadresse standesgemäß wie eh und je. Eine Villa, die einst der Architekt des dänischen Hofes entwarf, auf einer der ältesten und edelsten Straßen Hamburgs, unweit der Elbe. Palmaille 116. Hier sitzt die Alexander Falk Holding GmbH Verwaltungsgesellschaft. Der Unternehmenschef selbst aber wird auf dem schmucken Anwesen zumindest vorerst nicht mehr anzutreffen sein.

Denn Falk, Erbe des Kartografie-Verlags mit den berühmten ausklappbaren Stadtplänen und einst gefeierter Börsenstar, wurde am Dienstagmorgen in den Firmenräumen verhaftet, der Haftrichter hat inzwischen Untersuchungshaft für den 49-Jährigen verhängt.

Falk soll 2009 den Mord an einem Frankfurter Anwalt in Auftrag gegeben haben, dem ein bis heute unbekannter Schütze dann „nur“ ins Bein geschossen hatte.

Das mögliche Motiv der Tat: Der Anwalt arbeitete seinerzeit an einer millionenschweren Zivilklage gegen Falk. Treffen die Vorwürfe der Frankfurter Staatsanwaltschaft zu, wäre es der endgültige Absturz des Unternehmers und Millionärssohns, der schon einmal tief gefallen war, als ihn das Landgericht Hamburg wegen versuchten Betrugs zu vier Jahren Haft verurteilt hatte.

Jetzt würde Falk im schlimmsten Fall sogar eine lebenslange Haftstrafe drohen. Einer seiner beiden Anwälte, Thomas Bliwier, äußerte sich auf Nachfrage des Handelsblattes: „Wir treten mit unserem Mandanten entschieden den Vorwürfen entgegen.“ Falk werde sich zur Sache umfassend einlassen, sobald er vollständige Akteneinsicht habe.

Auf Rang 86 der 100 reichsten Deutschen

Das Leben des im noblen Blankenese aufgewachsenen Verlagssprösslings war lange eines, das sich unter dem Begriff „sorgenfrei“ einordnen lässt. Und vieles im Werdegang deutete darauf hin, dass dies auch so hätte bleiben können. Nach seinem BWL- und Politik-Studium kümmert sich Falk im familieneigenen Verlag frühzeitig um die Digitalisierung der Angebote.

1996 verkauft Falk zusammen mit seiner Schwester den ihnen vom verstorbenen Vater vererbten Verlag für umgerechnet 25 Millionen Euro an den Bertelsmann-Konzern.

Falk steigt ins Internetgeschäft ein, kauft die Mehrheit an der Schweizer Holding Distefora, später dann auch die Hamburger Firma Ision, einen Anbieter von Internetzugängen, den er in die Distefora integriert. Im März 2000 bringt Falk Ision an den boomenden Neuen Markt, wenige Monate später verkauft er das Unternehmen für mehr als 760 Millionen Euro an den britischen Telekommunikationsanbieter Energis.

Das „Manager Magazin“ führt ihn zu dem Zeitpunkt auf Rang 86 der 100 reichsten Deutschen, die „Bunte“ feiert ihn als „Mann, dem einfach alles gelingt“. Auch im Privatleben läuft es rund, auf Falks Hochzeit mit Nadia Schroeder, Tochter des Kaufmanns Axel Schroeder, bekannt als Chef des Finanzdienstleisters MPC, tummelt sich nicht nur das Who’s who der Hamburger Gesellschaft.

Doch dann kommen Zweifel auf, ob beim Verkauf von Ision alles mit rechten Dingen zugegangen sei, denn keine zwei Jahre nach der Veräußerung müssen sowohl Ision als auch in dessen Muttergesellschaft Energis Insolvenz anmelden. Die Staatsanwaltschaft Hamburg prüft, ob Falk den Ision-Aktienkurs rechtswidrig hochgetrieben hatte, bevor er die Firma verkaufte.

Im Juni 2003 wird Falk schließlich verhaftet, ihm werden unter anderem Kursmanipulation, Betrug in einem besonders schweren Fall und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Ende 2004 beginnt vor dem Hamburger Landgericht der Prozess, der als eines der größten Wirtschaftsstrafverfahren in der Geschichte der Stadt gilt.

In der Zwischenzeit ist auch die Bank Hornblower Fischer im Zuge des Skandals in die Pleite gerutscht, weil Gelder, die an sie hätten fließen sollen, eingefroren wurden.

Im April 2005 darf Falk dann nach zwei Jahren Untersuchungshaft das Gefängnis verlassen – gegen 1,5 Millionen Euro Kaution, strenge Meldeauflagen und Abgabe seines Passes.

Langer Prozessreigen

Der Prozess geht weiter, im Mai 2008 wird Falk schließlich zu vier Jahren Haft wegen gemeinschaftlichen versuchten Betrugs und Bilanzfälschung verurteilt. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Falk zusammen mit anderen Angeklagten mit Scheingeschäften den Wert von Ision geschönt hatte, bevor er die Firma an Energis verkaufte.

Damit ist die Sache für den Unternehmer nicht ausgestanden, der nun mit umfangreichen zivilrechtlichen Ansprüchen konfrontiert ist.

Einer der Anwälte, der an der Schadensersatzklage gegen Falk arbeitet, ist Wolfgang J., Partner der international renommierten Kanzlei DLA. Anfang 2010 wird dann auf J., bei dem zuvor schon eingebrochen wurde, geschossen. Mit einem Oberschenkeldurchschuss kommt der Staranwalt schwer verletzt ins Krankenhaus.

Schnell kommt der Verdacht auf, dass der Anschlag mit seiner Anwaltstätigkeit zu tun haben könnte. Auch Falk, der zu dieser Zeit noch in Haft sitzt, gerät in Verdacht, schließlich ist die Auseinandersetzung mit ihm einer von Js. größten Fällen.

Beweise finden sich aber zu dieser Zeit keine. 2011 wird Falk schließlich aus der Haft entlassen, wenig später entscheidet das Landgericht Hamburg, dass er 208 Millionen Euro Schadensersatz an die insolvente Energis zahlen muss.

Der Prozessreigen ist damit noch nicht beendet, in der Folge streitet Falk weiter um Gelder, die Vermögen, das die Staatsanwaltschaft eingefroren hatte, und erringt einen Etappensieg. Die Staatsanwaltschaft muss gesperrte Gelder in Millionenhöhe freigeben. Inzwischen sieht in Falks Leben alles wieder aus wie früher. Er geht seinen Geschäften in der Holding nach und kann nun wieder mit seiner Jacht Flica II. segeln, die er zurückerhalten hat.

Welche Hinweise die Staatsanwälte ausgerechnet jetzt gefunden haben, dass Falk etwas mit dem Mordversuch zu tun hat, ist bislang nicht bekannt. Auf Anfrage äußerte sich die Behörde nicht.

Startseite

Mehr zu: U-Haft angeordnet - Vorwurf Mordauftrag – der tiefe Fall des Stadtplan-Erben Alexander Falk

Serviceangebote