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UnternehmensberatungRoland Berger stellt sich in Restrukturierung neu auf

Die größte deutsche Beratung geht in die Umsetzung. Künftig sollen die Berater auch als Vorstände verpflichtet werden können.Tanja Kewes 01.02.2023 - 06:03 Uhr Artikel anhören

Der Roland Berger-Manager sagt: „Die Kunden erwarten, dass wir mithelfen, neue Konzepte in verantwortlicher Position umzusetzen“.

Foto: Handelsblatt

Düsseldorf. Künftig sollen Roland-Berger-Berater in besonders anspruchsvollen Sanierungsfällen auch übergangsweise Managementpositionen übernehmen können. Dazu gehört etwa das Amt des Chief Restructuring Officer (CRO).

Roland Berger steigt damit in eine in der Restrukturierung übliche Vorgehensweise ein: das Interimsmanagement. Strategisch dazu passt, dass die Beraterfirma nach Informationen des Handelsblatts das Team der Münchener Managementberatung Candidus übernimmt und so ihre traditionell starke Position in der Restrukturierung ausbaut und in der Ergebnisverbesserung stärkt.

Das Interimsmanagement ist eine Leistung, die auf Sanierung und Insolvenzvermeidung spezialisierte Beratungen wie Alvarez & Marsal, Alix Partners und FTI/Andersch sowie Boutiqueberatungen wie die von Hans-Joachim Ziems, Ralf Schmitz und Rüdiger Tibbe schon lange anbieten.

Sascha Haghani, Geschäftsführer Deutschland, Österreich und Schweiz bei Roland Berger, sagt: „Unsere Berater und Beraterinnen gehen künftig in Sonder- und Krisensituationen verstärkt in die unternehmerische Verantwortung und übernehmen Vorstandspositionen.“

Restrukturierung bei Roland Berger: Einstieg ins Interimsmanagement

Das sei ein am Markt sehr nachgefragtes Engagement, insbesondere von Geldgebern. „Sie erwarten, dass wir nicht nur neue Konzepte entwickeln, sondern auch mithelfen, diese in verantwortlicher Position umzusetzen“, fügt Haghani hinzu, der auch Chef des globalen Restrukturierungsbereichs ist.

Die Integration des Teams von Candidus um Gründer und Geschäftsführer Stefan Treiber mit zwölf weiteren Beratern soll zum 1. Februar 2023 erfolgen. Der 52-jährige Treiber soll als Partner bei Roland Berger unter anderem das Interimsmanagement-Angebot, insbesondere von CROs, verantworten und weiterentwickeln.

117
Millionen Euro
betrug 2021 das operative Ergebnis (Ebitda) von Roland Berger. Es war das beste Geschäftsjahr seit Firmengründung.

Jeder dritte der rund 800 Berater von Roland Berger in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat eigenen Angaben zufolge Erfahrung in der Restrukturierung. Nach einer aktuellen Studie der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Managementberatung (WGMB) von Dietmar Fink genießen die Berater von Roland Berger in Deutschland unter den großen Strategieberatern in diesem Bereich den besten Ruf.

Die 704 im vergangenen Jahr für die Analyse befragten Konzerne, Banken und Insolvenzverwalter bescheinigen den „Bergers“ die höchste Kompetenz in puncto Sanierung und Restrukturierung, die damit das Ranking vor den spezialisierten Restrukturierungsberatern von Alix Partners und Alvarez & Marsal anführen. Auf den Plätzen vier, fünf und sechs folgen McKinsey, BCG und Bain. Dietmar Fink analysiert: „Der Konkurrenzkampf der Berater spitzt sich in diesem Bereich zu. Das ist eine ganz neue Konkurrenzsituation.“

Künftig Management-Einsatz bei Firmen bis eine Milliarde Euro Umsatz

Wie groß der Markt für Interimsmanagement in Krisensituationen ist, beziffert Manager Haghani selbst: Bei nahezu allen von Roland Berger betreuten Restrukturierungen im deutschsprachigen Raum seien CROs gefragt. Bisher setze man in solchen Situationen auf externe Experten aus dem eigenen Netzwerk. Gerade bei Firmen mit einem Umsatz von bis zu einer Milliarde Euro wolle man diese Posten nun künftig selbst übernehmen.

Mit der Expansion in der Restrukturierung tritt Roland Berger die Flucht nach vorn an. Die Beratung hat einige schwierige Krisenjahre hinter sich, ist seit 2020 aber wieder auf Wachstumskurs.

2021 war mit einem Umsatz-Plus von 27 Prozent auf 745 Millionen Euro und einem operativen Ergebnis von 117 Millionen Euro (Ebitda) das beste Geschäftsjahr seit Firmengründung.

Und das soll laut Roland-Berger-CEO Stefan Schaible erst der Anfang gewesen sein. 2022 soll das Geschäft der 1967 in München gegründeten Beratung eigenen Angaben zufolge um rund 15 Prozent auf 850 Millionen Euro gewachsen sein.

Unternehmensberatung Roland Berger setzt auf Wachstum

Das reicht Schaible und den anderen rund 320 Partnern der Beratungsgesellschaft nicht: „Wir wollen global noch mehr mitspielen. Dafür brauchen wir einen Jahresumsatz von ein bis zwei Milliarden Euro.“ Je zügiger man zulege, desto besser, erklärte Schaible im September 2022 im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Neben organischem Wachstum sollen Übernahmen die Expansion vorantreiben. Candidus ist die zweite Übernahme seit längerer Zeit in Deutschland. Im August 2022 verstärkten sich die „Bergers“ schon mit dem 30-köpfigen Team von Polarix, einer auf Kostenoptimierung spezialisierten Beratung.

Im September 2019 war das Team von Enovation Partners in den USA dazugekommen, spezialisiert auf die Energiebranche sowie auf energieintensive Industriesektoren.

McKinsey, BCG und Bain wollen sich treu bleiben, und weiter nur beraten

Mit dem Einstieg ins Interimsmanagement stellt sich Roland Berger nun auch strukturell breiter auf und folgt damit einem Trend der Branche. Während sich die früher fokussierten Beratungshäuser wie Accenture (IT) in der Strategie und in Topthemen wie Nachhaltigkeit versuchen zu etablieren. bewegen sich die Strategieberater zunehmend mehr aus der Theorie in die Praxis und damit in die Umsetzung.

So weit wie jetzt Roland Berger mit dem Schritt ins Interimsmanagement gehen die drei international führenden Strategieberatungen McKinsey, Boston Consulting und Bain hierzulande bisher aber nicht. Von ihren Beratern werden offiziell keine CRO-Positionen übernommen.

Bei Bain soll das auch in absehbarer Zukunft so bleiben. Klaus Kremers, Chef des Restrukturierungsgeschäfts in Deutschland, will weiter „ganzheitlich beraten, transformieren und auch implementieren“, sagt er. Wenn es dann aber um CRO-Einsätze und das Interimsmanagement gehe, werde man „auf unser Spezialistennetzwerk“ setzen.

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Ähnlich sieht es Jochen Schönfelder. Der Leiter der Restrukturierungseinheit von BCG in Zentraleuropa erklärt auf Anfrage: „Unsere Stärke liegt in der Beratung.“ Bei Bedarf arbeite man „Hand in Hand mit den besten und erfahrensten CROs“.

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