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Unternehmensfinanzierung „Wir haben in Deutschland viel kreatives Potenzial abseits der Börse“

Kleinere Firmen haben es schwer, an Kapital zu kommen. Doch auch für sie gibt es gute Möglichkeiten, meint Frank Otto vom Verband der Kreditversicherungsmakler.
25.08.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Gründer der Firma VIA sitzt im Vorstand des Internationalen Verbands der Kreditversicherungsmakler (Bardo). Quelle: VIA
Frank Otto

Der Gründer der Firma VIA sitzt im Vorstand des Internationalen Verbands der Kreditversicherungsmakler (Bardo).

(Foto: VIA)

Herr Otto, die Dax-Konzerne saugen sich mit Liquidität voll. Zeigen sie damit, wie man sich vor einer Krise schützt?
Große Konzerne haben viel mehr Möglichkeiten. Sie kommen leichter an Geld und werden obendrein schnell vom Staat gerettet, wie wir beim Reiseveranstalter Tui gerade erleben. Das sieht bei den vielen kleineren, nicht börsennotierten Unternehmen ganz anders aus. Sie können nicht mal eben eine Anleihe zu einem Prozent platzieren, wie es den großen gelingt. Das kauft den kleinen keiner ab.

Droht die Coronakrise Deutschlands Wirtschaft zweizuteilen in Großkonzerne, die vom billigen Geld profitieren, und viele von der Pleite bedrohte kleinere Firmen?
Ganz so schwarz-weiß sehe ich es nicht. Für die Kleinen ist es der Fluch der Größe. Wenn sie Geld brauchen, ist es teuer. Anleger leihen lieber Großkonzernen Geld, erst recht in der Krise. Das sorgt für eine gefährliche Zweiteilung. Aber wir haben in Deutschland viel kreatives Potenzial abseits der Börse. Viele Firmen werden aus der Krise gestärkt hervorgehen und kommen mit neuen Ideen und Produkten hoch. Das war in jeder Krise so und wird wieder so sein.

Welche Möglichkeiten haben von der Insolvenz bedrohte Firmen, um an Liquidität zu kommen?
In immer mehr Branchen setzt sich Factoring durch: das Verkaufen von offenen Rechnungen, die Kunden nicht bezahlt haben, an andere Unternehmen. Darüber hinaus können Firmen längere Zahlungsziele mit ihren Lieferanten aushandeln. Dafür brauchen sie aber Vertrauen und müssen potenziellen Käufern gute Zahlen ihres Kreditversicherers vorlegen. Das ist in der Krise nicht leicht.

Spiegelt sich die Krise bei den Kreditversicherungen, bei denen sich Firmen vor Zahlungsausfällen ihrer Kunden versichern, wider?
Ja, die Preise steigen schon jetzt, nachdem sie in der gut laufenden Konjunktur zehn Jahre lang gesunken waren. Wer jetzt seine auslaufenden Kreditversicherungen verlängern will, zahlt dafür je nach Vertrag, Firmenkennzahlen und Branche zwischen zehn und hundert Prozent mehr als für seinen Altvertrag. Dennoch will jeder eine Verlängerung seines Vertrags.

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    Wie sieht es im Vergleich zur Finanz -und Wirtschaftskrise 2008/09 aus?
    Die Preise steigen jetzt schneller und stärker. Damals ging die Krise von einer Branche, den Banken, aus. Diesmal sind alle Branchen mehr oder weniger stark betroffen.

    Aber die Kurzarbeit hilft doch.
    Zweifellos. Doch je länger Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit sind und dadurch weniger Geld verdienen, desto größer ist die Gefahr, dass die Nachfrage auch in den Branchen sinkt, wo bislang keine Krise erkennbar ist. Auch im Konsum und der Nahrungsmittelbranche.

    Aber die Wirtschaft und die Börse als ihr Vorläufer erholen sich doch schon wieder.
    Das für die Realwirtschaft erhoffte „V“ mit einer raschen Erholung nach dem Einbruch sehen wir nur an der Börse, weil hier viel billiges Geld in Aktien fließt. Für die Konjunktur hoffe ich bestenfalls auf ein „U“: eine Erholung nach längerer Krise. Ich hoffe, dass es kein „L“ wird: ein Abschwung mit anschließender Stagnation von unbekannter Dauer.

    Herr Otto, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: (Link zum Titel)

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