Unternehmensführung Der Chefsessel als Schleudersitz

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"Auswechseln ist die allerletzte Möglichkeit"

Johannes Graf von Schmettow ist Deutschland-Chef der Personalberatung Egon Zehnder Int.

Als Personalberater leben Sie von der Suche und Auswahl von Top-Managern. Müsste es nicht in Ihrem Interesse sein, wenn sich das Vorstandskarussell schnell dreht?

Keineswegs. Firmen, die in Schwierigkeiten sind, sollten die Konzernspitze nicht übereilt austauschen. Das Geschäft läuft ja nicht automatisch besser. Im Gegenteil. Häufige Wechsel führen zu tiefer Verunsicherung und Lähmung in der Organisation. Maximal sollten 20 bis 30 Prozent der offenen Führungspositionen von außen besetzt werden. Letztlich zählt die richtige Balance zwischen gewachsener Kultur und neuen Anstößen.

Wie lange braucht ein neuer Firmenchef, um sich einzufinden?

Ein bis zwei anstrengende Jahre dauert es schon, bis sich der Neue und das Unternehmen aufeinander eingeschwungen haben - ganz gleich, ob er von innen oder außen kommt. Die Rolle des CEOs ist deutlich anspruchsvoller geworden. Ihm werden Dinge abverlangt, die in Perfektion nur selten zu erfüllen sind.

Welchen Typus CEO fragen die Unternehmen in der Krise nach?

Die berühmten Schönwetterkapitäne sind auch in guten Zeiten nicht brauchbar - Böen und Untiefen gibt es immer. Gute Kandidaten haben die Fähigkeit, langfristig Werte aufzubauen und das Führungsteam stabil aufzustellen - und zwar so, dass die Stabilität nicht mit dem eigenen Weggang wieder zusammenbricht.

Wann ist Zeit für eine Ablösung?

Der Aufsichtsrat hat eine große Verantwortung, ob er den Kapitän mitten im Sturm auswechseln oder zunächst ein partnerschaftliches, nachdrückliches Coaching versuchen will. Auswechseln ist immer die allerletzte Möglichkeit.

Die Fragen stellte Katrin Terpitz.

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