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Unternehmenspleiten Diese Branchen sind besonders von Insolvenzen bedroht

Die Digitalisierung und ein verändertes Konsumverhalten werden immer mehr Unternehmen zum Verhängnis. Oftmals vergeht aber viel Zeit, bis Firmen endgültig pleite sind.
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Ende Juni musste das Traditionsunternehmen den Betrieb einstellen. Quelle: AFP
Loewe

Ende Juni musste das Traditionsunternehmen den Betrieb einstellen.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Die meisten Unternehmen rutschen keinesfalls unerwartet in die Insolvenz. Vielmehr kündigt sie sich jahrelang mit finanziellen Schwierigkeiten an. Betroffen sind vor allem Firmen, deren Geschäftsmodell entweder durch die Digitalisierung wegbricht – oder die durch billiges Geld mit rekordtiefen Kreditzinsen jahrelang am Leben gehalten wurden.

So war Maschinenbauer Schiess 2018 nicht zum ersten Mal in Schwierigkeiten. Zwar fühlte sich der Betriebsrat überrumpelt, weil er nach eigenen Angaben ein Jahr lang über die wirtschaftliche Situation nicht informiert wurde. Doch schon 2004 war die chinesische Shenyang Machine Tool Group eingestiegen und hatte seitdem den 150 Jahre alten Werkzeugmaschinenbauer aus Sachsen-Anhalt mit 140 Millionen Euro gestützt.

Weil jetzt weitere Finanzspritzen ausblieben, folgte im Januar der Gang zum Insolvenzrichter. Langes Leiden auch bei Loewe: Der 1923 gegründete Familienbetrieb kämpfte sich in den vergangenen Jahren durch mehrere Insolvenzen. Diesmal scheint es die letzte zu sein.

Weil Kredite nicht zurückgezahlt werden konnten, musste sogar der weltweit bekannte Markenname an die Beteiligungsfirma Riverrock verpfändet werden. Damit fehlt der wichtigste Hebel, um sich als Qualitätsproduzent von preiswerten Massenherstellern abzusetzen.

Dem traditionsreichen Fernsehhersteller wurden die Digitalisierung und veränderte Gewohnheiten vor allem junger Konsumenten zum Verhängnis, bei Gerry Weber ist es der Onlinehandel. Im April bewilligte das Amtsgericht Bielefeld die Sanierung in Eigenverantwortung. Bislang ist Gerry Weber ein Weg aus der Krise nicht gelungen. In der Modebranche wittern Experten viele noch bevorstehende Insolvenzen, weil etliche Hersteller keine Antwort auf Amazon mit seinem Rundum-Service wissen.

Besonders bedroht sind Unternehmen in gesättigten Märkten mit Überangebot, wie in der Luftfahrt. Seit Jahren wächst das Angebot an Flügen schneller als die Nachfrage. Die Folge sind sinkende Preise trotz gestiegener Kerosinkosten. Das schmälert die Gewinne und vergrößert die Verluste. Die Billigflieger Air Berlin und Germania sind pleite. Air Berlin schrieb jahrelang tiefrote Zahlen. Immer neue Kredite und der Einstieg finanzkräftiger Investoren zögerten die Insolvenz lange hinaus.

Auch Europas größte Fluggesellschaft gerät durch die Überangebote in Mitleidenschaft: Die Lufthansa überraschte nach ihren Rekordergebnissen im ersten Quartal mit einem operativen Verlust von 344 Millionen Euro. Konzernchef Carsten Spohr übt sich in Durchhalteparolen: „Wir erleben gerade die finale Phase vor der Konsolidierung. Jeder versucht, sich vorher noch Marktanteile zu sichern. Das hält aber nicht jeder durch.“ Doch diese „finale Phase“ dauert nun schon mehr als ein Jahrzehnt.

Banken haben Probleme

Auch die Versorger leiden unter einem Überangebot und Dumpingpreisen. Nach Teldafax und Flexstrom rutschten die Bayerische Energieversorgungsgesellschaft (BEV), die Deutsche Energie GmbH (DEG) und die Deutsche Erdgas Versorgungs GmbH in die Pleite. Weitere Insolvenzen dürften folgen, weil sich die Billiganbieter, die jahrelang von fallenden Preisen profitiert hatten, den Strom nicht im Voraus zu festen Preisen gesichert haben – und nun von steigenden Preisen überrascht werden.

Auch hier gilt: Je länger niedrige Zinsen die Insolvenzen aufhalten, desto mehr Wettbewerber unterbieten sich gegenseitig – und belasten die gesamte Branche. Gefährdet sind schließlich auch die Banken. Denn anders als die Unternehmen profitieren sie nicht von niedrigen Zinsen.

Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagezins von derzeit minus 0,4 Prozent noch weiter nach unten drücken, drohen deutschen Banken und Sparkassen nach Ansicht von Felix Hufeld, Präsident der Finanzaufsicht Bafin, möglicherweise zusätzliche Probleme. Der Grund: Banken müssen diesen Einlagezins zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken – sie können es nicht im Keller aufbewahren. Bedroht sind vor allem kleinere Häuser.

Für Sparer gibt es einen Trost. Anders als bei Fluggesellschaften, Modeketten und Stromanbietern gilt bei Banken: Das Geld der Kunden ist sicher. Auch bei einer Pleite. Dafür sorgt die Einlagensicherung.

Mehr: Ein Jahrzehnt gingen die Pleiten in Deutschland zurück. Damit ist wohl bald Schluss. Eine große Insolvenzwelle droht aber nicht – aus einem Grund.

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