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Unternehmensstrategie Erfolgreicher mit Ausländern: Dax-Unternehmen setzen auf internationale CEOs

Geht es um die Führung, bleiben deutsche Vorstände und Aufsichtsräte oft unter sich. Doch nun kommen bei Neubesetzungen vermehrt Ausländer zum Zug – und die bringen Resultate.
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Das Top-Management der Dax-Konzerne wird immer internationaler. Quelle: Lemrich für Handelsblatt, dpa (2)
Rice Powell, Jennifer Morgan und Kasper Rorsted

Das Top-Management der Dax-Konzerne wird immer internationaler.

(Foto: Lemrich für Handelsblatt, dpa (2) )

Düsseldorf „Deutschland lieferte Porsche und bekam Lehman-Zertifikate.“ So beschrieb der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn schon vor zehn Jahren die Diskrepanz der Deutschen zwischen ihren hohen Leistungsbilanzüberschüssen und ihren Verlusten mit Finanzanlagen.

US-Amerikaner sprechen vom „dumb german money“, dem dummen deutschen Geld. Damit ist auch gemeint, dass hierzulande zwar fast jeder Drei-Streifen-Turnschuhe, solide Versicherungspolicen und hochwertige Halbleiter in seinem Autobordcomputer nutzt – aber nicht in diese Unternehmen investiert, um am Gewinn teilzuhaben.

Ausländer dagegen mögen diese seit Jahren exzellent geführten Konzerne so gerne, dass sie die Mehrheit an ihnen halten: Beim Sportartikelhersteller Adidas sind es 83 Prozent der Aktien, bei der Versicherungsgesellschaft Allianz 68 Prozent und beim Technologiekonzern Infineon 72 Prozent.

Der Einsatz ausländischer Aktionäre hat sich gelohnt. Wer die Aktien dieser Unternehmen seit fünf Jahren hält, hat mit ihnen satte Gewinne erwirtschaftet. Aus 5000 Euro sind bei der Allianz bis heute 8650 Euro geworden, bei Infineon 10.250 Euro und bei Adidas sogar 25.200 Euro. Diese Unternehmen bieten zudem Jahr für Jahr steigende Dividenden, die hier nicht eingerechnet sind, aber vor allem bei der Allianz noch starke Zugewinne brachten.

Ebenso global wie die Herkunft ihrer Anteilseigner sind die Geschäfte von Adidas & Co.: Mehr als drei Viertel ihrer Umsätze (77 Prozent) erzielen die Dax-Konzerne nach Handelsblatt-Berechnungen im Ausland. Wichtigste Einzelmärkte sind neben dem deutschen Heimatmarkt die USA und China. Fresenius Medical Care (FMC), Heidelberg Cement, Adidas, Linde und Merck erwirtschaften sogar mehr als 90 Prozent ihrer Geschäfte im Ausland.

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Ohne den seit Jahrzehnten weitgehend stagnierenden Heimatmarkt könnten die Aufträge schon lange nicht mehr zulegen und die Gewinne steigen. Folgerichtig beschäftigen die Unternehmen auch ihre meisten Mitarbeiter im Ausland. Mitte der 1990er Jahre arbeiteten 60 Prozent der Angestellten in Deutschland, inzwischen sind 2,5 der vier Millionen Dax-Beschäftigten – also über 60 Prozent – in Auslandsmärkten auf allen fünf Kontinenten tätig. Bei Adidas, Heidelberg Cement, Linde, Fresenius Medical und Henkel arbeiten über 80 Prozent der Angestellten außerhalb Deutschlands.

Das Sagen haben die Deutschen

Das sieht nach purer Globalisierung aus. Nur wenn es darum geht, wer das Sagen hat, geht es immer noch recht Deutsch zu. Doch der Trend zeigt aktuell auch hier in Richtung Internationalisierung. Von den 30 Vorstandsposten, die die Unternehmen zwischen Mitte 2018 und 2019 neu beriefen, haben 16 einen deutschen und 14 einen ausländischen Pass.

Mit der US-Amerikanerin Jennifer Morgan wird erstmals eine Frau Co-Chefin eines Dax-Konzerns: Die 48-jährige Cloud- und Vertriebsspezialistin hat beim Softwarehersteller SAP in der vergangenen Woche zusammen mit dem 39-jährigen Deutschen, Christian Klein, den US-Amerikaner Bill McDermott abgelöst und ist damit an die Spitze des wertvollsten deutschen Unternehmens gerückt.

Binnen eines Jahres stieg nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY die Zahl der Dax-Vorstandsmitglieder, die einen ausländischen Pass haben, von 72 auf 76 – der Anteil ausländischer Vorstände wuchs damit von 37,5 auf 38,5 Prozent – das ist so viel wie noch nie. Insgesamt gibt es 23 Nationalitäten in den Vorständen. Die mit Abstand meisten ausländischen Top-Manager stammen aus den USA: 16 Vorstände haben einen US-Pass. Dahinter folgen Großbritannien mit zwölf Vorstandsposten vor Österreich mit acht.

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Auch in den Kontrollgremien wurden mehr Ausländer berufen. Der Anteil der Aufsichtsratsmitglieder auf der Kapitalseite mit ausländischem Pass stieg binnen eines Jahres von 29 auf 32 Prozent. Aufgrund der deutschen Mitbestimmungsgesetzgebung sind nur im Inland Beschäftigte in den Aufsichtsrat wählbar, so dass der Ausländeranteil bei den Arbeitnehmervertretern deshalb gering bleibt.

Das politische Umfeld wird schwieriger

Dieser Globalisierungstrend im Top-Management ist längst überfällig. Mit der wachsenden Bedeutung ausländischer Märkte steigen auch die Risiken und zugleich die Pflicht, sich mit den nationalen Gegebenheiten auszukennen. „Wenn es um Akquisitionen im Ausland, Standortverlagerungen oder größere Neuinvestitionen geht, kann es sehr hilfreich sein, wenn auch die Sicht ausländischer Manager in die Entscheidung einfließt“, empfiehlt Mathieu Meyer von der EY-Geschäftsführung.

Angesichts von steigendem Nationalismus und Protektionismus in den USA und weiten Teilen Europas ist das weltweite wirtschaftliche und politische Umfeld schwieriger geworden. „Damit steigt gerade für die stark internationalisierten deutschen Konzerne die Notwendigkeit, sich sehr gut auf wichtigen ausländischen Märkten auszukennen“, findet Meyer. Auch sei es wichtig, im Umgang mit lokalen Stakeholdern immer den richtigen Ton zu treffen.

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Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass sich die Unternehmen beim Spitzenpersonal internationalisieren. Neun der 30 Dax-Konzerne haben einen Vorstandsvorsitzenden mit ausländischem Pass. Im vergangenen Geschäftsjahr waren es noch sieben. Adidas, Beiersdorf, Daimler, Fresenius Medical Care, Henkel, Linde, SAP, Volkswagen und Wirecard werden von ausländischen CEOs geführt.

Dabei ist bemerkenswert, dass bei den vier neuen weiblichen Vorstandsmitgliedern alle Ausländerinnen sind: Beim Spezialchemiekonzern Covestro hat die gebürtige Inderin Sucheta Govil als Chief Commercial Officer die Verantwortung über das laufende Geschäft aller drei großen Unternehmensbereiche übernommen und kümmert sich um die Produktvermarktung, dem Innovationsmanagement und reibungslosen Lieferketten.

FMC hat die in Warschau und Minnesota promovierte Ärztin Katarzyna Mazur-Hofsäß als Verantwortliche für Europa, den Nahen Osten und Afrika in den Vorstand bestellt. Die Französin Sylvie Nicol verantwortet bei Henkel die Ressorts Personal und Infrastruktur Services. Bei Linde zog nach der deutsch-amerikanischen Fusion Anne Roby von Praxair als Executive Vice President in den neu formierten Vorstand ein, wo die US-Amerikanerin „globale Funktionen“ leitet.

Weder die Fusion mit dem US-Wettbewerber, noch der globalisierte Vorstand haben Linde und der Aktie geschadet. Im Gegenteil: Sie erklimmt ein Rekordhoch nach dem nächsten und verteuerte sich allein in diesem Jahr um weitere 30 Prozent.

Mehr: Nur wenige Konzerne in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern Aktien an – auch das Interesse seitens der Beschäftigten ist mäßig. Dabei lohnen sich die Programme fast immer.

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