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US-Autobauer Ford setzt in Europa erstmals auf eine Doppelspitze – und bekommt einen neuen Finanzchef

Europachef Steven Armstrong gibt das operative Geschäft ab und kümmert sich künftig um Strategiefragen. Finanzchef wird der frühere Snap-Manager Tim Stone.
Update: 21.03.2019 - 17:50 Uhr Kommentieren
Ford: Früherer Snap-Manager Tim Stone wird neuer Finanzchef Quelle: Bloomberg
Steven Armstrong

Der bisherige Ford-Europachef gibt das operative Geschäft an Stuart Rowley ab und wird sich in der neu geschaffenen Funktion des Chairman von Ford Europa künftig um strategische Fragen kümmern.

(Foto: Bloomberg)

DüsseldorfFord Europa bekommt erstmals eine Doppelspitze. Steven Armstrong, seit knapp zwei Jahren an der Spitze des europäischen Teils des US-Autokonzerns, wird Stuart Rowley zur Seite gestellt. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag in Köln am Sitz der Europazentrale mit.

Rowley soll sich im Tagesgeschäft vor allem um die Umsetzung des Spar- und Sanierungsprogramms kümmern. Wegen der anhaltenden Verluste wird Ford Europa komplett umgebaut. Allein in Deutschland sollen 5000 Beschäftigte gehen.

Der 54-jährige Armstrong soll das operative Geschäft zum 1. April an Rowley, 51, abgeben. Der bisherige alleinige Europachef soll sich dann auf der neu geschaffenen Position des „Chairman“ vor allem um strategische Fragen kümmern.

Dazu gehört auch die konkrete Ausgestaltung der Kooperation bei leichten Nutzfahrzeugen und Transportern, die Ford und Volkswagen zu Jahresbeginn bekanntgegeben hatten. Birgit Behrendt, 59, die im Vorstand von Ford Europa bislang für Kooperationsvorhaben wie etwa mit VW verantwortlich war, geht in den Ruhestand.

Auf Stuart Rowley lastet künftig die Aufgabe, das Spar- und Sanierungsprogramm – Ford-intern „Reset“ genannt – tatsächlich voranzubringen. Rowley stammt wie Armstrong aus Großbritannien und hat bei der Europatochter schon einmal als Finanzvorstand gearbeitet.

Bis vor einem halben Jahr war er bei Ford Nordamerika für das Tagesgeschäft verantwortlich. Schon im Herbst war er nach Europa zurückgekehrt, um mit Armstrong das Sanierungsprogramm für den europäischen Konzernteil aufzustellen.

Die offizielle Berufung von Rowley in die Europa-Führung holt nur nominell nach, was in den vergangenen Monaten in Köln sowieso schon Realität war, hieß es dazu in Unternehmenskreisen. Am Ende seien Armstrong und Rowley gemeinsam dafür verantwortlich, dass die Sanierung zu einem Erfolg wird. Die beiden Briten sind in der Ford-Hierarchie absolut gleichberechtigt. Ihr unmittelbarer Vorgesetzter ist Jim Farley, verantwortlich in der Konzernzentrale in den USA für „Global Markets“ und früher selbst einmal Europachef.

Mit seiner Berufung an die Unternehmensspitze von Ford Europa erkennt der Konzern die von Rowley in den vergangenen Monaten in Köln geleistete Arbeit ausdrücklich an. „Unter der Führung und Armstrong und Rowley hat unser europäisches Team einen umfassenden Plan ausgearbeitet, der unser Geschäft einem grundlegenden Transformationsprozess unterziehen wird“, kommentierte US-Konzernchef Jim Hackett den Umbau des Europa-Vorstandes. Damit werde der europäische Teil von Ford in die Gewinnzone zurückkehren. Die Arbeit am Sanierungsprogramm werde in den kommenden Monaten eher noch zunehmen.

Tim Stone wird neuer Finanzchef

Auch auf dem Posten des Finanzchefs gibt es einen Neuen: Der frühere Finanzchef des Facebook-Rivalen Snap heuert beim US-Autobauer an. Tim Stone, der davor lange beim Online-Händler Amazon gearbeitet hat, werde Mitte April bei Ford anfangen und solle Anfang Juni den Posten als Finanzvorstand übernehmen, teilte der zweitgrößte US-Autobauer am Donnerstag mit.

Der bisherige Finanzchef Bob Shanks (66) habe die Absicht erklärt, Ende des Jahres – nach 41 Jahren bei Ford – in den Ruhestand zu gehen. Stone (52), der als Finanzmanager hohes Ansehen genießt, hatte beim Snapchat-Betreiber Snap kürzlich seinen Hut genommen.

Schon Mitte Januar hatte Europa-Chef Steven Armstrong den umfassenden Umbau angekündigt. Ford könne sich die anhaltenden Verluste in Europa nicht mehr erlauben und müsse gegensteuern. Nicht nur mit dem europäischen Geschäft schreibt der US-Konzern rote Zahlen.

Auch in Asien und in Südamerika verbucht Ford Verluste, vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen deshalb auch einen Stellenabbau in Brasilien angekündigt. Geld verdient Ford nur in Nordamerika mit seinem klassischen Geschäft: mit dem Verkauf von SUVs und Pick-ups. In Europa will Ford eine dauerhafte operative Rendite von sechs Prozent erreichen.

Deshalb sollen künftig nur noch Fahrzeuge gefertigt werden, die wirtschaftlich lukrativ sind. Dazu gehören in erster Linie die SUVs, die heute in Spanien und in Rumänien von den Bändern laufen. Lukrativ ist zudem die Produktion von leichten Nutzfahrzeugen (Transporter, Kleinbusse), die Ford zusammen mit einem Joint-Venture-Partner zu kostengünstigen Bedingungen in der Türkei fertigt. Auch die Aufgabe ganzer Werke ist bei Ford nicht mehr ausgeschlossen. Ende 2014 hatte der Konzern bereits seine Fabrik im belgischen Genk geschlossen.

In Bordeaux in Frankreich wird in diesem Jahr ein kleineres Getriebewerk geschlossen. In Saarlouis will der Konzern die Fertigung des Minivans C-Max komplett einstellen, einen entsprechenden Beschluss dürfte der Aufsichtsrat des deutschen Ford-Teils in der kommenden Woche beschließen. Damit gehen etwa 700 Arbeitsplätze in der Stammbelegschaft verloren. Rund 1000 Leiharbeiter müssen ebenfalls gehen.

Im vergangenen Jahr verbuchte Ford Europa einen Verlust von knapp 400 Millionen US-Dollar. Aber auch in den Jahren zuvor war die Rendite meistens niedrig, zwischendurch gab es immer wieder Verlustjahre. Ford kommt in Europa aktuell auf gut 50.000 Mitarbeiter, in Deutschland sind es etwa 24.000. Offizielle Zahlen hat der Konzern noch nicht genannt, aber in Europa dürften insgesamt rund 10.000 Stellen zur Disposition stehen. Ford will die Kosten um etwa eine Milliarde Dollar pro Jahr drücken. In diesem Jahr soll der europäische Teil operativ wieder die Gewinnzone erreichen. Danach soll die Rendite nach und nach auf den Zielwert von sechs Prozent angehoben werden.

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