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US-Firmen beauftragen Informationsbroker mit Bewerber-Checks – um später keine Reinfälle zu erleben Geschieden? Drogen? Verschuldet?

Elizabeth Rosen war entsetzt: Ein Unternehmen namens Choice-Point schrieb ihr, dass die persönlichen Daten der Krankenschwester aus Südkalifornien „leider aufgedeckt worden seien“. Und dass der Informationsbroker Choice-Point laut kalifornischem Gesetz verpflichtet ist, den Einbruch in die persönliche Datenbank bekannt zu geben.
  • Frank Siering (Handelsblatt)

HB LOS ANGELES. Persönliche Datenbank? Einbruch? Elizabeth Rosen verstand nur Bahnhof. Hatte die 37-Jährige doch bis dato von der Firma Choice-Point aus Atlanta im US-Bundesstaat Georgia noch nie etwas gehört. Als sie zum Telefon griff, um genauere Informationen über den Briefes zu erfahren, wurde sie ganz schnell abgewimmelt. „Darüber können wir nicht reden“, hieß es.

Der Hintergrund: Seit acht Jahren verkauft das Unternehmen Choice-Point Informationen von mittlerweile mehr als 100 Millionen Amerikanern an Firmen, die nach neuen, sauberen Mitarbeitern suchen. Sauber heißt: Angestellte ohne kriminelle Vergangenheit, ohne unbezahlte Autoversicherungen oder hohe Schulden. Auch über Verkehrssünden wollen künftige Arbeitgeber Bescheid wissen.

In den USA floriert das Geschäft mit dem Datenverkauf an Arbeitgeber. Choice-Point – das Unternehmen ist der Marktführer – ist mit Lexis Nexis ein Info-Gigant. Aber auch kleinere Firmen wie zum Beispiel Trans Union aus Chicago – sie ist spezialisiert auf Kreditkarteninformationen – oder das Insurance Services Office aus Jersey City in New Jersey beteiligen sich am Wettlauf um private Informationen. Selbst in Europa scheint sich der Verkauf von privaten Daten anzubahnen. Die Reed Elsevier Group – ein Subunternehmer von Lexis Nexis – aus Großbritannien bietet ihren Service an.

Choice-Point allerdings ist der Gigant unter den Mächtigen. Das Bündeln und Weiterverkaufen von persönlichen Daten ist gesetzlich noch immer eine Grauzone, aber bisher vom US-Justizministerium geduldet. Choice-Point-Vize James Zimbardi: „Wir sind eine Firma, die Dateien erstellt, um dann Berichte und Analysen an potenzielle Arbeitgeber zu senden.“ Ein heikles Unterfangen, wie neben Krankenschwester Rosen 145 000 weitere ahnungslose US-Bürger feststellen mussten.

Waren doch vor kurzem Hacker in das Datennetz von Choice-Point eingedrungen und hatten sich geheime Personalakten heruntergeladen. Daten, die nicht nur die Sozialversicherungsnummer der Opfer preis gaben, sondern auch Kontonummern, Kreditkarten-Informationen und weitere persönliche Fakten. „Das hat mich geschockt“, erzählt Rosen, die keine Ahnung hatte, dass ihr neuer Arbeitgeber vor ihrer Einstellung Informationen über ihre Vergangenheit eingeholt hatte.

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