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US-Geschäft Der Risikofaktor Donald Trump verunsichert deutsche Firmen

Geschäftsberichte und Daten der US-Handelskammer zeigen: Der lukrative amerikanische Markt wird für immer mehr Unternehmen aus Deutschland zur Belastung.
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Risikofaktor Donald Trump verunsichert deutsche Firmen in den USA Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
BASF-Werk in Port Arthur

Eskalation des Handelskonflikts als „bedeutendes makroökonomisches Risiko“.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Düsseldorf Trotz schwächelnder Weltwirtschaft, Brexit-Sorgen und Absatzproblemen in China verdienen Deutschlands Unternehmen gut. Sieben der 30 Dax-Konzerne fuhren 2018 sogar den höchsten Nettogewinn in ihrer Firmengeschichte ein. Doch mit Blick auf das laufende Jahr trüben ausgerechnet die USA, der wichtigste Absatzmarkt, die Zuversicht.

Das Potenzial in der größten Volkswirtschaft bleibt ungebrochen hoch, doch die Sorgen im Management und in den Konzernzentralen wachsen. Das ermittelte jetzt die amerikanische Handelskammer in Deutschland (AmCham) – und die jüngsten Geschäftsberichte der Unternehmen bestätigen es.

Zwar rechnen zwei von drei deutschen Unternehmen mit US-Geschäft (62 Prozent), dass ihre Umsätze in der größten Volkswirtschaft weiter steigen. Aber: Nur knapp jedes zweite Unternehmen (44 Prozent) will seine Investitionen dort steigern – und nur 39 Prozent wollen die Beschäftigtenzahl erhöhen.

Das sind Ergebnisse des Wirtschaftsbarometers 2019 der AmCham Germany in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Roland Berger. Die Daten liegen dem Handelsblatt vor.

Grund für die Skepsis sind wirtschaftspolitische Unsicherheiten: Mehr als jedes dritte Unternehmen (37 Prozent) geht davon aus, dass sich die Standortbedingungen in den USA weiter verschlechtern. Im Vorjahr, als Präsident Donald Trump bereits seine „America first“-Absichten dargelegt und den Handelskonflikt ausgelöst hatte, lag der Anteil bei 21 Prozent.

Größtes Manko ist aus Sicht der Unternehmen die Verlässlichkeit der US-Politik, die nur acht Prozent der Befragten positiv bewerten. „Wir müssen auf Dialog und transatlantische Zusammenarbeit setzen, um protektionistischen Maßnahmen entgegenzuwirken“, fordert AmCham-Präsident Frank Sportolari.

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Bei dem von ihm angeregten Dialog geht es keineswegs um Lippenbekenntnisse oder Sonntagsreden. Sportolari, zugleich Chef des Logistikers UPS Deutschland, reist mit AmCham-Vertretern regelmäßig in die USA, um für offene Märkte zu werben.

Ansprechpartner sind nicht nur Regierungsvertreter in Washington, sondern vor allem auch die Gouverneure in den Bundesstaaten. Sie bekommen die Auswirkungen der Trump‘schen Handelspolitik zu spüren. Deshalb pflegt die Handelskammer diesen Kontakt – zuletzt bei Veranstaltungen mit den Gouverneuren Eric Holcomb aus Indiana und Phil Murphy aus New Jersey, dem ehemaligen Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland.

Unternehmen warnen Aktionäre

In den jüngst vorgelegten Geschäftsberichten für 2018 samt Ausblick auf 2019 spiegeln sich die Sorgen der Unternehmen wider. Bei fast allen Dax-Konzernen erschienen die USA im Chancen- und Risikobericht – allerdings nicht in der Unterrubrik „Chancen“, wie die starke US-Konjunktur vielleicht vermuten lässt, sondern unter „Risiken“. Das belegen Auswertungen des Handelsblatts.

„Ein bedeutendes makroökonomisches Risiko sehen wir nach wie vor in einer weiteren Eskalation der Handelskonflikte zwischen den USA und ihren Handelspartnern“, heißt es bei BASF. Der Münchener Mischkonzern Siemens hebt den Konflikt als „Hauptrisiko für den globalen Konjunkturzyklus“ hervor: „Ungünstige Auswirkungen auf das Vertrauen und die Investitionsaktivität würden das Siemens-Geschäft stark treffen.“

Die Unternehmen warnen ihre Anteilseigner aus gutem Grund. Für 16 der 30 Dax-Konzerne ist der US-Markt wichtiger als Deutschland, wie eine Auswertung der Umsatzanteile zeigt. Spätestens seit der Drohung Trumps, 25 Prozent Zoll auf deutsche Autos zu erheben und europäische Importe womöglich als nationales Sicherheitsrisiko einzustufen, müssen sich vor allem die Autobauer angesprochen fühlen.

BMW, Daimler und VW erreichten 2018 in den USA einen Umsatz von knapp 100 Milliarden Euro und verkauften dort 1,3 Millionen Fahrzeuge. Davon wurden 700.000 Autos in europäischen Werken hergestellt.

„Die Eskalation des Handelskonfliktes zwischen den USA und China ist weiterhin eines der Hauptrisiken“, warnt Daimler im gerade vorgelegten Geschäftsbericht. Der Stuttgarter Autobauer fürchtet eine Kettenreaktion: „Auch die drohenden US-Zolle auf Fahrzeug- und Teileimporte aus anderen Märkten, unter anderem der EU, könnten existierende globale Wertschöpfungsketten beeinträchtigen und sich negativ auf die Absatzmöglichkeiten und die wirtschaftliche Entwicklung auswirken.“ Daimler sieht die Gefahr, dass immer mehr Länder dem Protektionismus erliegen und Marktzugangsbarrieren implementieren.

US-Markt bleibt lukrativ

Zwar setzen Deutschlands Autobauer seit Langem erfolgreich auf lokale Fertigung in den USA. „Produktion folgt dem Markt“, heißt es bei BMW. Handelshemmnisse würden sich aber dennoch „negativ auf die BMW Group auswirken“, warnt der Münchener Hersteller – trotz der Nähe zum Kunden. Grund dafür sind die Zölle auf Zulieferteile oder Zölle auf Autos, die BMW im amerikanischen Spartanburg produziert und von dort exportiert.

Nicht nur für die Autobauer, auch für viele Unternehmen aus anderen Branchen ist Amerika der wichtigste Einzelmarkt. Bayer, SAP, Merck, Linde und Adidas erreichen in den USA sogar mehr als doppelt so hohe Umsätze wie in Deutschland.

Sicher scheint nur eines: Der US-Markt bleibt lukrativ. Die Bevölkerung wächst und ist im Vergleich zu Europa jünger und konsumfreudiger. So schätzen denn auch 97 Prozent der befragten deutschen Unternehmen das hohe Potenzial der USA als Absatzmarkt.

Über 70 Prozent heben die Qualität der digitalen Infrastruktur und die guten Rahmenbedingungen für Firmengründungen hervor. Daran vermochte bislang auch der vor gut zwei Jahren angezettelte Handelskonflikt nichts zu ändern.

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1 Kommentar zu "US-Geschäft: Der Risikofaktor Donald Trump verunsichert deutsche Firmen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Dieses ist mal wieder ein schlechter Artikel. Wo es passt wird wahlweise als Vergleich Deutschland oder Europa herrangezogen. Also Apfel mit Birnen verglichen. Wenn ich schon vergleiche, dann bitte USA mit EU. Der Konsumentenmarkt ist in beiden Bereichen etwa gleich groß. Man könnte ja auch überlegen Autos, die in USA gebaut werden und in die EU importiert werden mit Zöllen zu belegen , also auch BMW, Daimler und Co.

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