US-Milliardär Perkins „Ich entschuldige mich für das Wort Kristallnacht“

Die Diskussion über steigende Mieten im Silicon Valley wird Internetmillionären angelastet. Die teils harsche Kritik hat ein Pionier des Silicon Valleys und Milliardär mit der Judenverfolgung im Dritten Reich verglichen.
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Tom Perkins war mit seiner Risikokapital-Firma KPCB ein Vorreiter des Silicon Valleys. Mittlerweile ist er nicht mehr in der Firma aktiv. Quelle: Reuters

Tom Perkins war mit seiner Risikokapital-Firma KPCB ein Vorreiter des Silicon Valleys. Mittlerweile ist er nicht mehr in der Firma aktiv.

(Foto: Reuters)

San FranciscoDer US-Milliardär Tom Perkins hat mit einem Nazi-Vergleich für Empörung gesorgt. In einem Brief an das „Wall Street Journal“ beklagte er am Wochenende einen aus seiner Sicht zunehmenden Hass auf Reiche und zog eine Verbindung zur Judenverfolgung während der Nazi-Diktatur. Es gebe Parallelen zwischen dem nationalsozialistischen Regime und seinem Kampf gegen die Juden und dem „Krieg gegen Amerikas ein Prozent, nämlich die Reichen“, schrieb der als Investor im kalifornischen Silicon Valley bekannt gewordene Unternehmer. Dies sei eine sehr gefährliche Entwicklung.

Am Montag entschuldige sich Perkins, Gründer der renommierte Investmentfirma Kleiner Perkins Caufiled and Byers (KPCB), in einem Fernsehinterview. Er entschuldige sich aufrichtig, das er den Begriff Kristallnacht in diesem Zusammenhang benutzt habe. In dem Leserbrief hatte er vor einer weiteren Radikalisierung der Reichenkritik gewarnt und einen Bezug zur Reichspogromnacht hergestellt: „Die Kristallnacht war 1930 noch undenkbar. Ist es der 'fortschrittliche' Radikalismus auch?“

Während der Progromnacht waren vom 9. auf den 10. November vom Nazi-Regime Angriffe auf jüdische Einrichtungen in Deutschland koordiniert worden. Etwa 400 Menschen kamen ums Leben, Tausende Synagogen und jüdische Geschäfte wurden zerstört.

Perkins kritisierte die kapitalismuskritische Occupy-Bewegung und verwies auf Proteste in San Francisco gegen Shuttle-Busse des Internetkonzerns Google, mit denen die Angestellten ins Silicon Valley gebracht werden. Aktivisten fürchten, dass durch die gut verdienenden Mitarbeiter die Mieten, Preise und andere Lebenshaltungskosten in der Stadt nach oben getrieben werden.

So arbeitet es sich bei Google und Facebook
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Bequemer zur Arbeit geht es kaum. Der Google-Shuttle holt die Mitarbeiter vor der Haustür ab und fährt sie bis zum Google-Campus nach Mountain View. Den Verkehr, der regelmäßig morgens und abends den Highway 101 zwischen San Francisco und der südlichen Bay Area verstopft, bekommt man in dem Luxus-Liner kaum mit. Stattdessen ist Arbeiten angesagt. WLAN etwa ist an Bord des Shuttles inklusive.

Acht junge Kollegen der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten, die bei Handelsblatt und Wirtschaftswoche arbeiten, haben das Silicon Valley besucht. Den kompletten Report ihrer Reise finden Sie hier im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

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Sonnenschirme, wohin das Auge reicht. So empfängt die Google-Zentrale am 1600 Amphitheatre Parkway in Mountain View jeden Tag ihre Mitarbeiter. Auf der Terrasse im Innenhof wird allerdings nicht nur Kaffee getrunken; hier wird auch gearbeitet. Der Hof ist einer der zentralen Treffpunkte, wichtig für den Ideenaustausch.

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Google sorgt sich um das Wohl der Mitarbeiter. Sport machen kann hier jeder – entweder zum Abspannen in einem der Fitness-Studios auf dem Campus. Oder aber bei der Arbeit. Die Mitarbeiterin hält mit dem Laufband Schritt, während sie ein paar Ideen in den Computer tippt.

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Die Mitarbeiter von Google sollen bei der Arbeit die beste Version ihrer selbst sein, so eine Sprecherin. Und so sorgt das Unternehmen dafür, dass die Googler zwischendurch mal richtig ausspannen können. Etwa im Liegestuhl im Innenhof-Gärtchen. Das Smartphone allerdings ist immer dabei.

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Damit kein Googler vergisst, wo er eigentlich arbeitet, ist das Logo der Internetfirma omnipräsent, die Corporate Identity allgegenwärtig. Und sei es nur der Fußabstreifer.

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Wie praktisch, dass auch die Billard-Kugeln perfekt ins Google-Design passen. Ein Spielchen zwischendurch soll den Geist beflügeln ...

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Wie der große Innenhof ist auch die Kantine ein Treffpunkt. Bunt und laut geht es hier zu Stoßzeiten zu – alle wichtigen Neuigkeiten aus dem Unternehmen werden hier kommuniziert.

Die von Perkins mit aufgebaute Investmentfirma Kleiner Perkins Caufield and Byers (KPCB) distanzierte sich von den Aussagen. „Tom Perkins ist seit Jahren nicht mehr bei KPBC aktiv. Wir waren schockiert über seine heute in der WSJ geäußerten Ansichten, wir stimmen diesen nicht zu“, hieß es in einer Erklärung.

Trotz seiner Entschuldigung hielt der 82-jährige Perkins an seiner Argumentation aber grundsätzlich fest. Er habe den Vergleich gewählt, da die Juden in Deutschland vor dem Holocaust etwa ein Prozent der Bevölkerung ausgemacht hätten. Den Zusammenhang zur „Kristallnacht“ hergestellt zu haben, sei allerdings ein ¿schlimme Fehleinschätzung“ gewesen. Die Aktivisten der Bewegung Occupy Wall Street nannten Perkins' Aussagen auf Twitter „irrsinnig“.

  • afp
  • Bloomberg
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