USA Multimilliardär David Koch verlässt die konservative Polit-Bühne

Er blieb im Hintergrund und war trotzdem einer der einflussreichsten Männer der USA. Nun tritt David Koch ab. Sein konservatives Politnetzwerk steht vor einer Neuausrichtung.
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US-Unternehmer David Koch tritt aus gesundheitlichen Gründen von allen Ämtern und Funktionen zurück. Quelle: AP
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US-Unternehmer David Koch tritt aus gesundheitlichen Gründen von allen Ämtern und Funktionen zurück.

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San FranciscoEs war schon länger still um ihn geworden, jetzt tritt David Koch offiziell von der politischen und wirtschaftlichen Bühne ab. Der 78-jährige Multimilliardär wird aus gesundheitlichen Gründen von allen Ämtern und Funktionen in dem Unternehmensimperium zurücktreten, das er zusammen mit seinem 82-jährigen Bruder Charles beherrscht.

Außerdem will er jede politische oder soziale Tätigkeit einstellen. Das geht aus einem internen Memo hervor, in dem Bruder Charles auch erklärt, wie „tief betroffen“ er vom Rückzug seines Bruders sei und welche herausragende Rolle dieser beim Aufbau von Koch Industries spielte.

David Koch wurde bereits vor mehr als 20 Jahren mit Krebs diagnostiziert, seitdem kämpft er gegen die Krankheit. Nun habe sich sein Gesundheitszustand so weit verschlechtert, dass er sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehe, heißt es.

Die „Koch Brothers“ waren über Jahrzehnte die Ikonen der republikanischen Bewegung in den USA. Mit Hilfe ihres Vermögens errichteten sie ein eng verflochtenes politisches Netz aus einflussreichen Stiftungen wie der „Americans for Prosperity“, Forschungsinstituten und Think Tanks.

Erst im Januar kündigten sie auf ihrer jährlichen Winterkonferenz für konservative Superspender im kalifornischen Palm Springs an, rund 400 Millionen Dollar im Vorfeld der sogenannten „Midterms“ – der US-Zwischenwahlen – auszugeben, um die konservative Mehrheit in Senat und Abgeordnetenhaus zu verteidigen.

Im November stehen genug Sitze zur Neuwahl an, dass es die Demokraten schaffen könnten, in einer oder sogar beiden Kammern des Kongresses eine Mehrheit zu erlangen. Um das zu verhindern, werden die Kochs 60 Prozent mehr Spenden aufbringen, als sie in die Präsidentenwahl 2016 investiert haben. An dem Treffen im Januar hatte David Koch bereits nicht mehr teilgenommen.

Obwohl sie mittlerweile weniger für Einzelkandidaten und mehr für politische Ideen und Überzeugungen ausgeben, sind die Koch Brothers bis heute ein unverzichtbarer Anlaufpunkt für alle Republikaner, die sich um ein hohes politisches Amt bewerben wollen. Nun hält Charles, der sich in Interviews als „weniger politisch“ als sein Bruder bezeichnet, auch offiziell alleine die Fäden in der Hand. Ob und wer die freigewordenen Positionen in Netzwerk und Unternehmen besetzen wird, ist noch nicht klar.

Mit dem Ausscheiden von David Koch wird sich die politische Marschrichtung voraussichtlich nicht ändern. Der konservative David, der selbst einmal für das Vizepräsidentenamt der Libertären Partei kandidierte, war sich mit seinem Bruder weitestgehend einig, wie sie die politische Landschaft nicht nur ändern, sondern auch bestimmen wollten.

Das Koch-Network ist das mit Abstand bestfinanzierte politische Netzwerk in den USA. Obwohl es konservativ ausgerichtet ist und diese Politikrichtung unterstützt, herrscht nicht immer Einigkeit mit allen konservativen Strömungen. Speziell mit US-Präsident Donald Trump hatten die Brüder lange Zeit Probleme und treten derzeit für einen freien Welthandel ein.

Erst am Montag wurde eine Millionenkampagne angekündigt, mit der die Koch Brüder die Vorteile des freien Welthandels und die Nachteile von Trumps Strafzöllen herausheben wollen. Ein Thema, das im Weißen Haus momentan differenzierter gesehen wird.

David Hamilton Koch lebt in New York und wurde am 3. Mai 1940 in Wichita in Kansas geboren. Er trat nach abgeschlossenem Chemiestudium in das elterliche Unternehmen ein, das die Brüder nach eigenen Angaben „vertausendfacht“ haben. Koch Industries ist heute das zweitgrößte Privatunternehmen in den USA und setzt rund 100 Milliarden Dollar um, ein Großteil davon mit der Verarbeitung und dem Transport fossiler Brennstoffe und mit Chemieprodukten. Das Nettovermögen von David Koch wird laut Forbes auf fast 60 Milliarden Dollar geschätzt, sein Bruder hält ungefähr die doppelte Summe.

Die US-Wissenschaft wird mit David Koch einen ihrer größten Spender verlieren. Nach Angaben aus einer offiziellen Biographie hat der Unternehmer privat und über seine Stiftung bereits über 1,3 Milliarden Dollar gespendet oder fest zugesagt, um vor allem medizinische Projekte und die Krebsforschung zu unterstützen. Daneben hat er an Universitäten und für soziale Projekte gespendet.

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