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Vanessa Pappas Die neue Tiktok-Chefin gerät zwischen die geopolitischen Fronten

Die ehemalige Youtube-Managerin soll die Plattform durch die Krise führen. Der Verkauf des US-Geschäfts steht allerdings vor neuen Hürden.
31.08.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Sie hat bei Tiktok eine rasante Expansion gemanagt. Quelle: ALEXANDER HARRIS/The New York Ti/Redux/laif
Vanessa Pappas

Sie hat bei Tiktok eine rasante Expansion gemanagt.

(Foto: ALEXANDER HARRIS/The New York Ti/Redux/laif)

San Francisco Das Wettbieten um Tiktok ist ein Chaos, wie es die Technologiewelt selten erlebt: politische Einmischung, überraschende, branchenfremde Bieter und unzählige Fragen zur Zukunft der erfolgreichen Kurzvideo-App, die ungeklärt sind. Und wenn mal ein Käufer feststeht, wird es erst richtig unordentlich.

Die globale Plattform mit 700 Millionen Nutzern ist bislang Teil des chinesischen Digitalunternehmens Bytedance. In den nächsten Tagen sollte das Geschäft eigentlich auf Druck der Regierung von US-Präsident Donald Trump in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland an einen US-Bieter verkauft werden. Dieser muss die Plattform dann auf eine eigene technische Basis stellen und die Verbindungen nach China kappen.

Am Wochenende jedoch legte die chinesische Regierung neue Exportbeschränkungen auf, wonach Tiktok sein internationales Geschäft nun nur mit Genehmigung aus Peking verkaufen kann. Das wird den Prozess noch weiter verkomplizieren.

In diesem Chaos beginnt Vanessa Pappas als neue Tiktok-Chefin ihren Job und scheint wie gemacht für das Unternehmen zu sein. Sie arbeitet seit Ende 2018 für Tiktok, seit Mitte 2019 führt die Australierin das Geschäft in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland.

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    Pappas’ Erfahrung im Markt für Onlinevideos reicht noch weiter zurück: Knapp acht Jahre arbeitete die Halbgriechin für Youtube, die meiste Zeit als oberste Inhalte-Strategin der weltgrößten Videoplattform. Ihr größter Fokus dabei: die Beziehungen zu den Kreativen auf der Plattform pflegen und dafür sorgen, dass aus talentierten Teenagern mit einer Kamera Stars mit Millionen Abonnenten werden.

    2016 sagte sie in einem Interview, es sei noch nicht lange her, da hätte das Hollywood-Insiderblatt „Variety“ seine Nase über PewDiePie, den schwedischen Youtube-Superstar, gerümpft. „Jetzt erkennen sie an, dass manche Youtuber bekannter sind als Mainstream-Berühmtheiten.“ Um das zu wiederholen, wurde Pappas zu Tiktok geholt.

    Heute gibt es dort Stars wie Charli D’Amelio, die vor einem Jahr mit Tanz- und Karaoke-Videos anfing und heute 82 Millionen Follower, einen Podcast-Vertrag und eine Realityshow hat und in Superbowl-Werbungen auftritt.

    Doch die politischen Querelen bedrohen Tiktoks Erfolg. Mit einem Exekutivbefehl hat Trump den Verkauf bis Mitte September angeordnet. Gelingt der nicht, kann Tiktok in den USA praktisch nicht mehr weiterarbeiten – es sei denn, eine Klage von Tiktok gegen die „Executive Order“ hat kurzfristig Erfolg. Die neuen Vorschriften aus China könnten zu weiteren Verzögerungen führen, oder den Verkauf ganz zum Erliegen bringen.

    Zudem hat Konkurrent Instagram pünktlich zu Trumps Anordnung seine „Reels“-Funktion gestartet und begonnen, Tiktoker mit Geld von ihrer angestammten Plattform wegzulocken.

    Oracle liegt vorne

    Pappas kann stattdessen bald vielleicht nicht mal mehr eine Plattform mit globaler Reichweite bieten. Ihr Vorgänger Kevin Mayer, den Bytedance erst im Mai aus dem Disney-Topmanagement abgeworben hatte, schmiss deswegen hin. Er sei für einen Job mit globaler Verantwortung zu Tiktok gekommen, schrieb er in einer E-Mail an die Mitarbeiter.

    Die 40-jährige Pappas hat bei Tiktok bisher eine rasante Expansion gemanagt, die Nutzerzahl ist im abgelaufenen Quartal auf 100 Millionen allein in den USA gestiegen. Nun muss sie vor allem politische Bedenken ausräumen, die Kreativen auf der eigenen Plattform halten und die Integration in einen Konzern managen.

    Als Käufer mit den besten Chancen galten vor den neuen Vorschriften aus China der Datenbankspezialist Oracle, der mit Tiktok sein Cloud-Geschäft stärken könnte, und ein Konsortium aus Microsoft und der Supermarktkette Walmart. Diese nannte „die Integration von Onlinehandel und Werbung“ als mögliche Synergien mit der Kurzvideoplattform.

    Walmart ist mit seinem Onlineshop der größte Konkurrent von Amazon in den USA. Tiktok könne Walmart helfen, „unsere Kunden auf allen Kanälen zu erreichen und zum Wachstum unseres Händlermarktplatzes und Werbegeschäfts beitragen“.

    In einem Interview auf Walmart angesprochen, spiegelte Pappas das Statement des Einzelhändlers nahezu: „Wir haben in letzter Zeit mehrere Onlinehandels-Funktionen eingeführt, damit unsere Kreativen auf unserer Plattform ein Einkommen verdienen können“, sagte Pappas am Freitag dem US-Sender CNBC. „Ich glaube, da gibt es einige Synergien.“ Oracle bringe als „führendes Dateninfrastrukturunternehmen“ Expertise im Bereich Plattformsicherheit mit.

    Pappas könnte sich mit beiden möglichen Käufern anfreunden – ob nun aus Überzeugung oder um ihren neuen Job nicht gleich wieder zu verlieren.
    Mitarbeit: Astrid Dörner

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