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Verlags-Erbe vor Gericht Unternehmer Alexander Falk weist Vorwurf des Mordauftrages zurück

Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt hat am Mittwoch der Prozess gegen den Erben des Stadtplan-Verlags begonnen. Falk soll einen Mord in Auftrag gegeben haben.
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Der Unternehmer (M.) neben seinen Anwälten beim Prozessauftakt in Frankfurt. Quelle: dpa
Alexander Falk

Der Unternehmer (M.) neben seinen Anwälten beim Prozessauftakt in Frankfurt.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Düsseldorf In einem grauen Stoffhemd, die Ärmel lässig über die gebräunten Ellenbogen hochgekrempelt, betritt Alexander Falk den Gerichtssaal. Auf die Anklagebank setzt er sich vorerst nicht. Stattdessen bleibt er stehen und tauscht ein paar Worte mit einem seiner Verteidiger aus, ab und zu entwischt ihm ein Lächeln. Der Hamburger Unternehmer und Verlagserbe wirkt auf den ersten Blick fast unbekümmert – trotz umgelegter Handschellen.

Nach fast einem Jahr Untersuchungshaft muss sich Falk heute zum ersten Mal vor dem Oberlandesgericht Frankfurt behaupten. Der Erbe des berühmten Kartografie-Verlags soll den Mordversuch an einem Frankfurter Anwalt in Auftrag gegeben haben. 2010 hatte ein Unbekannter dem Juristen, der schwer verletzt überlebte, auf offener Straße ins Bein geschossen.

Hinter dieser Aktion vermuten die Ermittler Falk als Drahtzieher. Hintergrund soll laut Staatsanwaltschaft eine Schadenersatzklage gewesen sein, die der Anwalt gegen Falk vorbereitet haben soll. Dabei soll es um Forderungen in Millionenhöhe und eine Pfändung in Höhe von 30 Millionen Euro aus Falks Vermögen gegangen sein.

Kein Auftrag zum Mord, lediglich zum Datendiebstahl

Mindestens fünf Jahre Freiheitsstrafe drohen dem Millionärssohn, sollte das Gericht die Anschuldigungen zur versuchten Anstiftung zum Mord und gefährlicher Körperverletzung nicht fallen lassen. Seine Verteidiger, darunter der Kölner Staranwalt Björn Gercke, weisen jede Schuld zurück. Die Zeugen seien unglaubwürdig, das Beweismaterial manipuliert.

Lediglich den Auftrag zu einem „möglichst lautlosen“ Datendiebstahl in den Kanzleiräumen der Großkanzlei des Anwalts, der niedergeschossen wurde, räumte Falk ein. Diesen Auftrag habe er gegeben, um in dem damaligen Rechtsstreit um Schadensersatz seine Unschuld zu beweisen.

Auf die Anklagebank gebracht haben Falk Zeugen aus dem kriminellen Milieu. Der Kontakt zu diesen Personen war entstanden, nachdem Falk vor mehr als einem Jahrzehnt wegen versuchten Betrugs zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden war, weil er vor dem Verkauf seines Internetunternehmens Ision dessen Wert des Unternehmens durch Scheingeschäfte und Luftbuchungen geschönt hatte. Im Gefängnis lernte Falk einen zwielichtigen türkischen Geschäftsmann aus dem Hamburger Boxermilieu kennen. Der Kontakt riss auch nach der Haft nicht ab, Falk ging mit Cihan B., genannt Ciko, sogar Geschäfte ein und hatte Kontakt zu Personen aus dessen Umfeld.

Später nahmen diese Personen heimlich ein Gespräch mit Falk in einem Istanbuler Lokal auf, in dem es unter anderem um den Schuss auf den Anwalt ging und in dem Falk offene Schadenfreude darüber ausdrückte. Mit dem rund achtminütigen Tonband wurde Falk anschließend erpresst – als er darauf nicht einging, wurde das Tonband dem Landeskriminalamt zugespielt.

Für Falks Anwalt Björn Gercke ist der Mitschnitt dabei sogar entlastend. Zum einen gehe aus diesem an keiner Stelle auch nur ansatzweise ein Auftrag zu einem Mordanschlag auf den Anwalt hervor. Wäre Falk der Auftraggeber eines Mordes, wäre zu zudem zu erwarten, dass er sich entsprechend frustriert äußere, dass das Opfer überlebt habe. Dies sei aber nicht der Fall gewesen. Zwar habe sich Falk voller Häme und menschenverachtend gezeigt, aber keinesfalls mehr. Zum anderen sei das Band nachweislich manipuliert. Belegen wollen Falks Anwälte dies durch ein Gutachten eines Sachverständigen, der an mindestens zwei Stellen des Mitschnitts Manipulationen festgestellt hat.

Entsprechend siegessicher gibt sich auch Falk selbst: „Seit einem Jahr sitze ich unschuldig in Haft“, sagte der Stadtplanerbe, der erst vor wenigen Wochen seinen 50. Geburtstag hinter Gittern verbringen musste, in einem Presse-Statement kurz vor Verhandlungsbeginn. „Meine liebe Frau und meine lieben Kinder vermisse ich sehr.“

Zwielichtiger Kronzeuge soll auf die Anklagebank

Anders als in dem Betrugsverfahren vor gut einem Jahrzehnt wird es diesmal zu keinem Schuldspruch kommen, da ist sich Falk sicher. „Schon bald wird klar sein, dass hier wer anderer auf der Anklagebank sitzen muss.“, so der Angeklagte vor Verhandlungsbeginn.

Die Rede ist von Etem E., dem Kronzeugen der Staatsanwaltschaft, der in enger Verbindung zu Ciko B. und dessen Umfeld steht. E. war es, der sich im August 2017 an die Hamburger Behörden wandte und die Ermittlungen in Gang brachte, ihnen das Tonband zuspielte und von einem angeblichen Treffen im September 2009 in einem Hamburger Steakrestaurant erzählte, bei dem Falk den Mordauftrag erteilt habe. Dieses Treffen soll es laut Falk nicht gegeben haben – zu diesem Zeitpunkt habe er E. noch gar nicht gekannt.

Der Leumund E. ist allerdings mehr als nur fragwürdig. In den vergangenen zwei Jahrzehnten trat E. immer wieder polizeilich in Erscheinung, ist vorbestraft und soll unter anderem bereits an einem versuchten Tötungsdelikt an einem Boxpromoter beteiligt gewesen sein. Außerdem, so Falks Anwälte, soll er maßgeblich für die Bedrohungen und Erpressungen Falks verantwortlich gewesen sein. An anderer Stelle soll er inzwischen erfolgreich kassiert haben: Eine Kanzlei, die eine Belohnung von 100.000 Euro ausgelobt hatte, für Hinweise, die zur Klärung der Schüsse auf den Anwalt führen, soll an ihn gezahlt haben.

Möglicherweise war dies etwas voreilig: Inzwischen soll die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des „Verdachts der Beihilfe zum versuchten Mord“ gegen ihren eigenen Kronzeugen ermitteln. Am sechsten von insgesamt 18 geplanten Verhandlungsterminen soll E. gehört werden. Der Prozess soll bis Ende des Jahres dauern.

Mehr: Der Unternehmer Alexander Falk steht wegen angeblichen Mordauftrages vor Gericht. Seine Anwälte zweifeln an der Version der Staatsanwaltschaft.

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