Vermisster Unternehmer Familie sieht keine Überlebenschance mehr für Tengelmann-Chef Haub

Die Familie hat keine Hoffnung mehr, Karl-Erivan Haub noch lebend zu finden. Sein Bruder wendet sich erneut per Brief an die Tengelmann-Mitarbeiter.
Update: 13.04.2018 - 17:33 Uhr 1 Kommentar
Die Familie hat keine Hoffnung mehr, den Tengelmann-Chef noch lebend zu finden. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Karl-Erivan Haub

Die Familie hat keine Hoffnung mehr, den Tengelmann-Chef noch lebend zu finden.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

MülheimDie Familie Haub hat die Hoffnung aufgegeben, den vermissten Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub noch lebend zu finden. Nach mehr als sieben Tagen „in den extremklimatischen Bedingungen eines Gletschergebietes“ bestehe keine Überlebenswahrscheinlichkeit mehr, teilte Tengelmann am Freitag im Namen der Familie mit.

Haubs Bruder Christian schrieb in einem Brief an die Mitarbeiter des Konzerns: „Auch wenn wir die Hoffnung nicht aufgegeben haben, ihn zu finden, müssen wir uns inzwischen leider auf das Schlimmste einstellen.“ Daher werde die Überlebendensuche nun auf eine Bergungssuche umgestellt. „Dieses Unglück ist sowohl für die Familie Haub, als auch das gesamte Familienunternehmen eine furchtbare und für alle unfassbare Tragödie“, sagte Tengelmann-Sprecherin Sieglinde Schuchardt.

Die Familie betonte, die Suche werde fortgesetzt, um Karl-Erivan Haub unbedingt zu bergen. Das Familienunternehmen übernehme auch dafür alle anfallenden Kosten.

Die Kantonspolizei ermittelt unabhängig von der Erklärung der Familie weiter. „Dass aus der Such- nun eine Bergungsaktion wird, hat auf unsere Ermittlungen keinen Einfluss“, sagt ein Sprecher der Kantonspolizei Wallis. Man stehe weiter im Austausch mit den Rettungsorganisationen und den Angehörigen. „Wenn es neue Hinweise über das Verbleiben von Herrn Haub geben sollte, gehen wir ihnen selbstverständlich nach.“

Haub war am vergangenen Samstagmorgen allein zu einer Skitour am Klein Matterhorn in der Schweiz aufgebrochen und am Nachmittag nicht wie verabredet in ein Hotel in Zermatt zurückgekehrt. Mit einer Seilbahn war der Manager am Morgen zur Bergstation gefahren, die auf 3820 Metern liegt. Von dort aus gibt es Abfahrten Richtung Zermatt und Italien. In welche Richtung er aufbrach, ist unbekannt. Gegen 8.30 Uhr sendete sein Handy das letzte Signal. Seine Spur verlor sich.

Seine Familie hatte am nächsten Morgen Alarm geschlagen und den Rettern unbegrenzte finanzielle Mittel für die Suche zur Verfügung gestellt. Die gestaltete sich vor allem wegen des Wetters allerdings schwierig Zeitweise waren 60 Rettungskräfte auch mit Hubschraubern in dem schwierigen Terrain auf Schweizer und italienischer Seite im Einsatz.

In der Region gibt es Tausende Gletscherspalten, teils Hunderte Meter tief. Die Einsatzkräfte seilten sich in die bekanntesten Spalten ab und leuchteten sie aus. Doch von Haub gab es zunächst keine Spur. Bereits nach vier Tagen sah der leitende Rettungsarzt Axel Mann nur noch eine minimale Überlebenschance. Haub war nur leicht bekleidet. Er wollte für ein Skirennen trainieren.

„Mir ist sehr bewusst, dass auch Sie der Situation fassungslos und persönlich betroffen gegenüberstehen. Daher ist es sicherlich nicht leicht, den Tagesaufgaben ruhig und besonnen nachzugehen“, schreibt Christian Haub an die Tengelmann-Mitarbeiter. „Wir brauchen ganz besonders jetzt Ihre Unterstützung. Unser Familienunternehmen ist solide aufgestellt und verfügt über ein stabiles und erfahrenes Führungsteam, sowohl in der Holding als auch in den Geschäftsfeldern.“

Das Vermögen der Unternehmerfamilie wurde zuletzt vom „Manager-Magazin“ auf rund 4,2 Milliarden Euro geschätzt. Zu dem Familienimperium gehören unter anderem Deutschlands größter Textil-Discounter Kik und die Baumarktkette Obi.

Erst im März war der Patriarch und langjährige Chef des Familienunternehmens, Erivan Karl Matthias Haub, verstorben. Er war 1969 bis 2000 allein geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe. Danach übernahm Karl-Erivan das Ruder.

Im folgenden dokumentieren wir den Brief, den Haubs Bruder Christian am Freitagnachmittag an die Mitarbeiter des Konzerns verschickt hat:

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

sicherlich verfolgen Sie intensiv die Medienberichte in der Hoffnung, dort neue Informationen über den Verbleib meines Bruders Karl-Erivan zu erhalten. Neben den bekannten Fakten finden sich dort auch Aussagen, die wir als Familie nicht bestätigen können. Bekannt ist wirklich nur, dass er am Samstagmorgen vom Kleinen Matterhorn aus zu einer Skitour aufgebrochen ist, um für die „Patrouille des Glaciers“ zu trainieren, und dass er am Abend nicht wie geplant zurückgekehrt ist.

Leider wissen wir noch immer nicht mehr als zu Anfang der Woche: Auch sechs Tage nach seinem Verschwinden gibt es keine belastbaren Hinweise darauf, was meinem Bruder zugestoßen ist oder wo er zu finden sein könnte. Obwohl die Rettungskräfte wirklich alle menschenmöglichen Anstrengungen unternehmen, machen die derzeitigen Wetterbedingungen die Suche sehr schwer. Hinzu kommt, dass das Gelände sehr groß und verzweigt ist.

Obwohl die Schweizer Behörden in einer Pressekonferenz am Mittwoch in Zermatt meinem Bruder noch eine minimale Überlebenschance eingeräumt haben, muss man aber in Anbetracht der verstrichenen Zeit davon ausgehen, dass diese Chance verschwindend gering ist. Auch wenn wir die Hoffnung nicht aufgegeben haben, ihn zu finden, müssen wir uns inzwischen leider auf das Schlimmste einstellen.

Ihnen dies sagen zu müssen, fällt mir sehr schwer, denn mir ist sehr bewusst, dass auch Sie der Situation fassungslos und persönlich betroffen gegenüberstehen. Daher ist es sicherlich nicht leicht, den Tagesaufgaben ruhig und besonnen nachzugehen. Dennoch bitte ich Sie im Sinne des Unternehmens genau darum, denn wir brauchen ganz besonders jetzt Ihre Unterstützung. Unser Familienunternehmen ist solide aufgestellt und verfügt über ein stabiles und erfahrenes Führungsteam, sowohl in der Holding als auch in den Geschäftsfeldern. Es besteht also zumindest in dieser Hinsicht kein Anlass zur Sorge.

Sobald wir nähere Informationen haben, werden wir Sie umgehend informieren.

Mit freundlichen Grüßen

Christian W. E. Haub

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1 Kommentar zu "Vermisster Unternehmer: Familie sieht keine Überlebenschance mehr für Tengelmann-Chef Haub"

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  • VERMISSTER UNTERNEHMER
    Familie sieht keine Überlebenschance mehr für Tengelmann-Chef Haub
    Die Familie hat keine Hoffnung mehr, Karl-Erivan Haub noch lebend zu finden. Sein Bruder wendet sich erneut per Brief an die Tengelmann-Mitarbeiter.

    .........................

    Ich würde die Suche noch nicht aufgeben.

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