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Veye Tatah Afrika ist kein Land – Schwarz ist eine Farbe

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Seit über zehn Jahren kämpft Tatah für die etwa 268 000 Afrikaner, die in Deutschland leben. Sie fordert mehr Akzeptanz und weniger Diskriminierung - in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt, in der Gesellschaft. Denn Tatah weiß: ohne Ausbildung oder Job ist Integration kaum möglich. 2007 gab es doppelt so viele ausländische Schulabbrecher wie deutsche, das gleiche gilt für die Zahl der Arbeitslosen. Für ihren Einsatz wurde Tatah schon mehrfach ausgezeichnet. Beim traditionellen Neujahrsempfang im Januar auf Schloss Bellevue ehrte sie Bundespräsident Horst Köhler persönlich.

Der Weg der Veye Tatah zur Aufklärerin und Aktivistin war kein gerader. Nach dem Abitur und eineinhalb Jahren als Au-pair-Mädchen in Bremerhaven studiert Tatah Informatik an der Technischen Universität Dortmund. 2001 bekommt sie vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) den "Preis für herausragende Leistungen ausländischer Studierender" verliehen. Nach ihrem Abschluss arbeitet sie viele Jahre als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und engagiert sich nebenberuflich bis sie sich Anfang 2008 als Beraterin und Projektmanagerin mit Fokus Afrika selbständig macht. "Das Afrika-Engagement hat mir so viel Freude gebracht, dass ich beschloss, mein Know-how und mein Netzwerk auch beruflich zu nutzen", sagt sie. Seitdem erstellt sie Veranstaltungsprogramme zum Beispiel für Hermann Sattler, Eventmanager der Landesgartenschau Hemer 2010 mit Schwerpunkt Afrika. "Sie ist eine professionelle Geschäftsfrau und authentische Afrika-Expertin. Sie weiß, was der Kunde will und wie sie es umsetzt," sagt er. Die Auftragslage ist gut, das Interesse an Afrika steigt - nicht zuletzt auch durch die Fußball-Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Südafrika. Trotz des Erfolges heißt es bei Tatah aber nicht: mein Haus, mein Auto, mein Urlaub. Sondern: mein Verein, mein Magazin, meine Projekte. "Veye steckt viel von ihrem eigenen Geld wieder in ihre Aktivitäten", sagt Vereinskollege Hans Decker. Reich ist sie nicht, aber es langt zum Leben.

Im April 1991, als die frisch gebackene Abiturientin Veye Tatah zum ersten Mal deutschen Boden betritt, liegt das alles noch in weiter Ferne. Die 19-Jährige hat nur ein Ziel: einen guten Uni-Abschluss. "Was ich dir geben kann, ist Bildung. Bildung ist der Mann, der dich nie verlassen wird", pflegt ihr Vater zu sagen. Er arbeitet lange als Lehrer und geht später zum Zoll, die Mutter ist Krankenschwester und Hebamme. Tatah und ihre vier Geschwister wachsen gut versorgt in einem katholischen Internat auf. "Kamerun hat reichlich Ressourcen und als ich klein war lebten dort viele gebildete Menschen. Der Lebensstandard war hoch", erzählt sie. "Aber seit mehr als 25 Jahren haben wir eine schlechte Regierung. Das Land hat sehr große Rückschritte gemacht, es fehlt an Sicherheit. Die Menschen leiden heute." Tatahs Familie gehört dem Volksstamm der Nso an, der im Nordwesten Kameruns - im sogenannten Grasland - lebt. Zwar sprechen vier von fünf Kamerunern französisch, die Tatahs zählen aber zur englischsprachigen Minderheit.

Nach der Schule will sie unbedingt raus und im Ausland studieren. Es soll etwas Technisches sein, denn ihr liegen "klassische Jungenfächer" wie Mathe und Physik. Ihre Eltern dagegen wollen, dass sie Ärztin wird. "Ich mag es aber nicht, wenn Menschen leiden; dann muss ich immer weinen", sagt Tatah. "Im Übrigen entscheide ich, was ich mache." Als die deutschen Nachbarn ihrer Eltern, mit denen diese gut befreundet sind, nach einigen Jahren in Kamerun wieder in ihre Heimat zurückkehren wollen, bieten sie ihr an, als Au-pair-Mädchen mitzukommen. Tatah, die schon häufig auf deren kleine Kinder aufgepasst hat, sagt zu und zieht mit nach Bremerhaven.

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