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Voest-Alpine-Chef Wolfgang Eder Skipper auf Kurs – quer zum Wind

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Beide Unternehmen zusammen erzielen einen Umsatz von nahezu zehn Milliarden Euro und haben 38 000 Mitarbeiter. Das sind zwar noch keine Verhältnisse wie bei Thyssen, das mit seinen vergleichbaren Sparten auf mehr als 17 Milliarden Euro Umsatz kommt. Aber es ist mehr als etwa der niedersächsische Stahlkonzern Salzgitter mit seinen 8,5 Milliarden Euro Umsatz. Und es ist viel für Österreich. Der Umsatz, den Eder künftig verwaltet, entspricht vier Prozent der gesamten österreichischen Wirtschaftsleistung. Mitarbeiter führt er so viele, wie die Stadt Steyr Einwohner hat.

"Die gute Konjunktur und die Tatsache, dass wir de facto schuldenfrei sind, haben uns diese Dimension ermöglicht", sagt Eder, lächelt verbindlich und schweigt. "Er ist sehr ruhig und sehr konsequent", beschreibt ihn ein Mitarbeiter aus der Führungsetage.

Zur anderen Version, die in Österreich kursiert, nimmt Eder deswegen nicht Stellung. Sie geht so: Seit dem Mai vergangenen Jahres sitzt Eder im Aufsichtsrat von Böhler-Uddeholm. Der Böhler-Aufsichtsratspräsident Rudolf Streicher wiederum stand zuvor an der Spitzte des Voest-Alpine-Kontrollgremiums. Die Herren kennen sich gut. Trotzdem sind sie sich erst unter Druck von außen näher gekommen, denn viel haben beide Konzerne nicht gemeinsam. Voest-Alpine erzeugt vor allem Flachstahl für die Auto- und Bauindustrie. Böhler-Uddeholm fabriziert Edelstahlteile für den Werkzeug- und Kraftwerksbau. Die Synergieeffekte sind mager. Eder beziffert sie mit 65 Millionen Euro verteilt auf drei Jahre.

Dass er dennoch ein Angebot abgegeben hat, könnte also mehr mit der Sorge zusammenhängen, Opfer der Heuschrecken-Plage zu werden, als mit rationalen Gründen. Dafür spricht, dass um die Ecke von der Linzer Voest-Alpine-Zentrale im dritten Stock eines gläsernen Bürohauses am Europaplatz 1 in der Innenstadt mit dem Chef der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Ludwig Scharinger, ein Mann sitzt, der die Fäden gerne in der Hand behält. Die Bank besitzt 15 Prozent an dem Stahlunternehmen. Scharinger ist, wie es aus seiner Umgebung heißt, ein "unermüdlicher Bewahrer der heimatlichen Scholle". "Luigi Monetti" nennen ihn seine Kritiker. Von ihnen stammt auch die Version, dass Scharinger den Finanzinvestor erst auf den Plan gerufen hat, um dann Voest-Alpine die Rolle des weißen Ritters zukommen zu lassen. Eine Bestätigung gibt es dafür nicht. Aber die Geschichte ist gut.

Wenn Eder solchen Schmäh hört, verzieht er keine Miene. Ja, sagt er nur, er fühle sich von denen, die das erzählen, ungerecht behandelt. Mehr kommt nicht über seine Lippen. Er weiß zu gut, dass alles andere seinen Ruf ruinieren würde. Der Skipper wäre Chef von Voest-Alpine geworden, wenn er Untiefen nicht meilenweit im Voraus erkennen könnte. Der 55-Jährige gelangte nach dem Abgang seines Vorgängers, der über einen privaten Aktiendeal gestolpert war, an die Konzernspitze. Zuvor hatte er den Börsengang des Konzerns vorbereitet - zum damaligen Zeitpunkt der erfolgreichste in der Geschichte der Wiener Börse. Ein Stahlbaron? "Nein, ein Stahlarbeiter", sagt einer, der ihn kennt - ein Arbeiter, der zusammenschweißt, was zusammenpasst.

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