Management Vom Pastis-Fahrer zum Spirituosenkönig

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Das große Verkaufstalent des Vaters hat der Kunstliebhaber nicht. Dafür gilt er als diplomatisch und zugänglich. Einer seiner Vertrauten ist Vivendi-Universal-Präsident Jean-René Fourtou. Doch der ruhige Anschein darf nicht über Ricards südfranzösisches Temperament hinwegtäuschen. Seine gelegentlichen Wutausbrüche sind im Unternehmen gefürchtet. Hat er eine Entscheidung gefällt, hält er an ihr fest.

„Er weiß aber zu delegieren“, sagt ein Kenner des Unternehmens. Ricard vertraut seinen Experten in den Märkten vor Ort, dort werden die meisten Entscheidungen getroffen. „Ein Chinese weiß gewiss besser, was seinen Landsleuten gefällt, als ein Pastis-Verkäufer aus Marseille – auch wenn es der beste ist“, beschreibt Ricard seine Methode.

Stück für Stück internationalisiert er das Unternehmen; 1980 kauft der leidenschaftliche Jäger mit den streng nach hinten gekämmten Haaren die US-Firma Austin Nichols, bekannt für den Bourbon Wild Turkey. Seinem diplomatischen Geschick ist es wohl zu verdanken, dass er 1993 mit dem kubanischen Staatschef Fidel Castro ins Geschäft kommt: Pernod Ricard gründet mit der kubanischen Regierung ein Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Luxemburg zur Vermarktung des Rums „Havana Club“.

Dieser Coup bringt ihm die Feindschaft mit Rum-Spezialist Martini-Bacardi ein, der 600 Familien von Exilkubanern gehört, die die Marke für sich beanspruchen. Auf Grund des US-Embargos gegen Kuba darf Pernod Ricard seinen Rum bis heute nicht in den USA verkaufen, dem größten Rum-Markt der Welt. Sein Gesellenstück liefert Ricard mit der Teilübernahme der Seagram-Marken gemeinsam mit dem britischen Weltmarktführer Diageo für 3,2 Milliarden Dollar im Jahr 2001 ab. Pernod Ricard erweitert so sein Portfolio mit bekannten Marken wie dem Cognac Martell.

Heute steuert der 59-Jährige ein Spirituosen-Weltimperium. Dabei ist der Südfranzose Lebemann geblieben. So gönnt er sich stets vor dem Essen einen Pastis. Da versteht der humorvolle Patron keinen Spaß. Als er im Pariser Drei-Sterne-Restaurant Lucas Carton nach einem Pastis verlangte, beschied ihm der Kellner knapp: „So etwas servieren wir hier nicht.“ Daraufhin verließ der Spirituosenkönig das Lokal.

Vita:

1945 wird er als Sohn von Paul Ricard, dem Gründer des gleichnamigen Pastis-Herstellers, in Marseille geboren. 1967 tritt er nach der Schule und Auslandspraktika in das Familienunternehmen ein. 1972 wird er Generaldirektor bei Ricard. 1975 fusioniert das Unternehmen mit dem Wettbewerber Pernod zu Pernod Ricard. 1978 übernimmt Patrick Ricard die Unternehmensleitung. 1980 erfolgt der erste Zukauf mit Austin Nichols in den USA. 1993 gründet er mit der kubanischen Regierung ein Gemeinschaftsunternehmen zur Vermarktung des Rums „Havana Club“. 2001 erwirbt Pernod Ricard 39 Prozent an Seagram. 2005 will der Konzern Allied Domecq übernehmen.

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