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Consulting Managementberater steuern auf Umsatzrekorde zu

Die Großen der Branche sind im vergangenen Jahr deutlich gewachsen. Und die Digitalisierung der Wirtschaft wird das Geschäft von McKinsey, BCG und Co. weiter treiben.
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Die Unternehmensberater brauchen die Konjunkturaussichten nicht zu fürchten. Quelle: Ikon Images/Getty Images
Überflieger

Die Unternehmensberater brauchen die Konjunkturaussichten nicht zu fürchten.

(Foto: Ikon Images/Getty Images)

DüsseldorfVerwaiste Büros sind in der Consultingbranche ein gutes Zeichen. Wenn von Montag bis Donnerstag an den Schreibtischen in den Regionalzentralen von McKinsey, Boston Consulting oder Bain kaum ein Berater anzutreffen ist, zeugt das von starker Auftragslage. Die Spezialisten sind vor Ort in den Kundenprojekten, bevor sie am Freitag zum üblichen Organisationstag an den heimischen Arbeitsplatz zurückkehren.

2018 war die Leere in den Büros wieder einmal sehr ausgeprägt: Die Unternehmensberater waren so gut gebucht wie nie und steuern weiter auf Umsatzrekorde zu. Das ergab eine Umfrage des Handelsblatts unter acht führenden Anbietern in Deutschland. Sie veröffentlichen zwar ganz überwiegend keine konkreten Zahlen mehr. Das Wachstum aber lag durchweg im zweistelligen Bereich, wie sich in den Antworten zeigt.

Damit setzt sich die seit mittlerweile acht Jahren anhaltende Rekordfahrt der Managementberater fort. Die Branche dürfte 2018 nach Erwartung des Branchenverbandes BDU auf ein Volumen von 34 Milliarden Euro kommen.

Und auch für das gerade begonnene Jahr geben sich die Dienstleister durch die Bank optimistisch: Mittelgroße Anbieter wie Oliver Wyman, Horváth & Partners, AT Kearney und Simon Kucher & Partners planen 2019 erneut mit zweistelligem Wachstum, ergab die Handelsblatt-Umfrage.

Die Top-Strategieberater lassen sich von düsteren Konjunkturprognosen ebenfalls nicht schrecken. Die deutsche Boston Consulting Group (BCG) erwartet 2019 ein Zuwachs im hohen einstelligen Prozentbereich, was BCG-Deutschlandchef Carsten Kratz als „gesundes Wachstum“ sieht. Die Nummer zwei auf dem heimischen Markt macht nach Branchenschätzungen mittlerweile deutlich mehr als 900 Millionen Euro Umsatz. 2012 lag die Gruppe in Deutschland noch unterhalb der 500 Millionen Euro-Grenze.

Marktführer McKinsey nennt keine konkreten Erwartungen an das Geschäft im kommenden Jahr. Doch Deutschlandchef Cornelius Baur gibt sich zuversichtlich. „Alle Unternehmen stehen vor einschneidenden Veränderungen, daher ist der Bedarf an externer Unterstützung groß.“ Konkurrent Bain & Company spricht von einer weiterhin starken Auftragslage: „Die Dynamik, die sich für das erste und zweite Quartal abzeichnet, liegt weit über unseren Erwartungen“, sagt Bain-Deutschlandchef Walter Sinn.

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Dass die Branche vor Optimismus nur so strotzt, verwundert zunächst. Denn schon in früheren Jahren zeigte sich: Sobald sich die allgemeine Wirtschaftslage eintrübt, sparen die Unternehmen bei den Berateraufträgen. Branchenexperten lassen diesen Automatismus aber nicht mehr gelten.

„Ich glaube, dass es die Berater diesmal nicht so hart treffen wird“, erläutert Dietmar Fink, Direktor der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management und Beratung. „Die Unternehmen haben so viele drängende Herausforderungen, die sie nicht aufschieben können und auch in einem Abschwung angehen müssen.“

Größte Herausforderung für die Unternehmen ist nach Einschätzung der Managementberater weiterhin der Wandel zur Digitalwirtschaft. Der wird 2019 ein neues Niveau erreichen: Nach der Phase der Ideensuche und des Ausprobierens geht es nun um die erfolgreiche Umsetzung: „Viele Digitalisierungsprojekte haben bisher nicht geliefert und stecken fest“, beobachtet Michael Kieninger, Sprecher des Vorstands von Horváth & Partners. „Die Unternehmen wollen Wege sehen, wie sich Investitionen in Digitalisierung konkret auszahlen.“

Diesen Trend sieht auch die auf Marketing, Vertrieb und Pricing spezialisierte Beratung Simon Kucher & Partners. Sie hat 2018 mit einem Wachstum von 20 Prozent die Marke von 300 Millionen Euro Umsatz überschritten. Die Wirtschaft habe in den vergangenen Jahren „Unsummen in die Digitalisierung investiert“, wie CEO Georg Tacke sagt. Doch nur 23 Prozent der Firmen hätten einen positiven Umsatzeffekt gemessen. Jetzt fokussierten sie sich auf kleinere, ergebnisorientierte Projekte.

Aufbau von Digital-Labs

Für die Beratungsfirmen ist die Digitalisierung der Wirtschaft ein Mega-Thema, das auch die Dienstleister selbst mit zunehmender Dynamik verändert. Alle großen Anbieter haben Digital-Labs aufgebaut, verstärken sich mit Design-Agenturen und Software-Entwicklern. „Der Trend geht dahin, Consulting griffiger zu machen. Berater müssen in ihren Projekten schnell handfeste Prototypen neuer Produkte vorweisen, etwa Apps oder Services“, beobachtet Branchenexperte Fink.

Doch neue Technologie ist nicht der einzige Treiber. Boston Consulting hat eine eigene Tochter zur so genannten Purpose-Beratung gegründet – zu der Frage also, was Sinn und Zweck einer Firma ist. Stefan Schaible, stellvertretender CEO von Roland Berger, sieht zudem den Fachkräftemangel, nachlassende Innovationskraft und protektionistische Tendenzen als große Herausforderungen. Die Münchener Beratung ist wieder zurück auf Wachstumskurs und hat 2018 nach eigenen Angaben weltweit 600 Millionen Euro umgesetzt.

Absehbar ist aus Sicht der Berater zudem, dass Unternehmen in diesem Jahr verstärkt ihre Organisation umbauen und effizienter werden wollen. „Klassische Fragen wie Produktkosten, bessere Performance oder die erfolgreiche Integration etwa in Folge von Übernahmen werden eine größere Rolle spielen“, erwartet Martin Eisenhut, Zentraleuropachef von AT Kearney.

Schwächeres Wachstum

Die Firmen bereiten sich auf ein absehbar schwächeres Wirtschaftswachstum vor, wie in den Aufträgen der Berater bereits seit Monaten deutlich erkennbar ist. „Die deutschen Unternehmen wappnen sich für schwierigere Zeiten und stellen sich robuster auf“, sieht Kai Bender, Deutschlandchef von Oliver Wyman. McKinsey-Chef Baur spricht von einer „klugen Balance zwischen Wachstum und Widerstandsfähigkeit“, die Kunden derzeit vermehrt anstrebten.

Das dürfte auch für die Beratungen selbst gelten, die ihre Belegschaften wegen der hohen Auslastung bereits sehr stark beanspruchen. Sie planen Neueinstellungen im großen Stil: Allein die acht vom Handelsblatt befragten großen Anbieter wollen in diesem Jahr in Summe 2300 neue Berater an Bord holen.

Im Kampf um neue Projekte und Mitarbeiter werden aber nicht alle Anbieter gleichermaßen mithalten können – trotz der insgesamt starken Nachfrage durch die Digitalisierung der Wirtschaft. Denn für die High-End-Beratung im internationalen Maßstab müssen die Anbieter kräftig investieren. „Das werden nicht alle mit gleicher Kraft können“, glaubt Branchenexperte Dietmar Fink. Er geht davon aus, dass der „intellektuelle Abstand zwischen den Top-Anbietern und der Mittelschicht der Branche größer wird“.

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