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Vordenker

Interview Vordenker Ganns: „Ich bin kein Büro-Mensch – meine Tasche ist mein Office“

Der Vorwerk-Vordenker soll den Thermomix fit für die Zukunft machen. Im Interview spricht Julius Ganns über seinen Alltag, Vorbilder und die Cashcow des Unternehmens.
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Der Vordenker soll Thermomix fit für die Zukunft machen. Quelle: PR
Julius Ganns

Der Vordenker soll Thermomix fit für die Zukunft machen.

(Foto: PR)

Düsseldorf Auf seiner Visitenkarte steht: „VP Digital & Strategic Innovation Vorwerk Digital“. Der Job von Julius Ganns ist es, das Traditionsunternehmen Vorwerk, bekannt für Küchengeräte und Staubsauger, fit für die Zukunft zu machen.

Ganns hat wesentlich daran mitgearbeitet, den Thermomix zur Cashcow zu entwickeln. Die Digitalisierung machte die Kult-Küchenmaschine zu einem lukrativen Geschäft. Mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz rettete die Innovation zuletzt das Geschäftsmodell des Unternehmens.

2019 wurde Ganns als Mitglied in die Vordenker-Community aufgenommen, eine Initiative von Handelsblatt und der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG).

Herr Ganns, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
Ich wollte immer Erfinder werden, schon seit meinen ersten begeisterten Tagen mit Lego und meinem ersten Computer. Die wenigsten Menschen verstehen, dass ich genau das geworden bin.

Wie fängt Ihr Tag an?
Ich mache meiner Frau einen Kaffee und dann 30 Minuten Sport, bevor wir als Familie zusammen frühstücken. Danach machen wir unsere Jungs fertig für Kindergarten und Schule und ich starte dann oft mit einem Check der wichtigsten News, bevor mein offizieller Arbeitstag beginnt.

Was machen Sie morgens als erstes im Büro?
Ich bin überhaupt kein Büro-Mensch – meine Tasche ist mein Office. Wenn ich in Ruhe an etwas arbeite oder viel telefoniere, bevorzuge ich mein Homeoffice, einen Co-Working-Space oder ein Café in der Stadt, in der ich gerade bin. Ansonsten verbringe ich Zeit in Meetings mit den wichtigsten Stakeholdern, in Projekt-Räumen, bei den Teams oder im Flieger beziehungsweise im Auto an einem anderen Standort. Unabhängig vom Ort gehe ich jeden Morgen als erstes durch ein Review meiner Top-Prioritäten und meiner nächsten Schritte und prüfe sehr kritisch, ob mein Kalender diese Prioritäten auch korrekt abbildet.

Und wenn nicht?
Dann stelle ich alles um. Ich bin sehr selektiv mit meiner Zeit.

Was sind Ihre Stärken?
Ich war viele Jahre als Software- und Enterprise-Architekt unterwegs und habe eine hohe Affinität zu digitaler Innovation – das erlaubt mir, Technologie und digitale Produkte sehr umfassend und sehr tiefgreifend zu verstehen. Ansonsten lege ich sehr viel Wert auf einen modernen Management-Stil und eine gute Kommunikation in Form von Präsentationen und Diskussionen. Außerdem finde ich, dass Spaß und ein guter Unterhaltungswert in jedes Meeting gehören

Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie antreibt und motiviert?
Ich glaube daran, dass das, was ich tue, gleichermaßen sinnvoll und gut für meine Kunden und meine internen Stakeholder sein muss. Und ich glaube daran, dass Unternehmen und deren Produkte nicht existieren, um Profite zu machen, sondern um einen Nutzen zu stiften.

Wenn Sie Leiter der Bill Gates Foundation wären, die finanziellen Mittel jedoch nur für ein einziges Anliegen verwenden könnten, welches wäre es?
Eine viel bessere Ausbildung von Kindern und Jugendlichen überall auf der Welt (neben Software und AI insb. auch Philosophie und Ethik) und eine Abkehr von traditionellen Lern- und Schulsystemen.

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, KollegenInnen) in schwierigen Situationen, indem…?
...ich ihnen den Rücken freihalte, nicht im Weg rumstehe, ihnen vertraue und nicht das Gefühl vermittle, es besser zu können. Mein Rat wird meist gefragt und oft angenommen, aber Ratschläge sind auch Schläge.

Ein No-Go im Umgang mit Mitarbeitern ist für mich…?
... alles, was Vertrauen und Verantwortung verletzt oder sogar zerstört. Sagen, was man denkt und tun, was man sagt, ist meistens ein guter Anfang.

Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
Von der faszinierenden Reise, ein Unternehmen wie Vorwerk und ein Produkt wie den Thermomix zu digitalisieren.

Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar?
Whiteboards (Digital, Analog), Slack (das ich anders benutze als viele) und mein iPhone/Mac/iPad.

Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
E-Mails (wie bei allen anderen), schlechte Meetings (wie bei allen anderen) und Reiserei.

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an Kollegen/Innen für Gehaltsverhandlungen?
Klare Haltung und klare Verantwortung übernehmen (für Erfolge und Probleme) und das auch gradlinig bei der Diskussion nutzen, um den eigenen Wert zu vertreten.

Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
Ein paar der größten Talente zu finden, die Deutschland im Bereich Digitales hat.

In Konfliktsituationen bin ich…?
Sehr fair, sehr klar, immer vermittelnd, immer ruhig – und auf ein konstruktives Ergebnis fokussiert.

Pannen sind…?
...viel häufiger als Erfolge, und man sollte sie daher als Teil des Prozesses sehen und nicht dagegen, sondern mit ihnen planen.

Auf welche Fehlentscheidung hätten Sie rückblickend trotzdem gerne verzichtet?
Man sollte seinem Berufsleben nicht zu viel von seinem privaten Leben opfern – am Ende ist man im Beruf viel besser, wenn man in ein glückliches Zuhause kommt.

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Ich bin inzwischen nicht mehr an „Karriere-Optionen“ interessiert. Ich bin an neuen Ansätzen, guten Ideen und tollen Produkten interessiert. Tolle Leute wollen mit anderen tollen Leuten an tollen Dingen arbeiten.

Wie gehen Sie mit Stress um?
Äußerlich sehr gut, innerlich eher schlecht. Das Einzige, was wirklich hilft, ist Zeit mit den Menschen, die einem wichtig sind (Familie, Freunde, aber auch gute Kollegen), gesundes Essen, Sport und Schlafen – dann nimmt man die Dinge nicht mehr so schwer.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Ich suche erstmal nach dem, was sich offensichtlich im Vergleich zu früher verändert hat – und dann frage ich mich, was ich wohl dagegen tun kann.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde…?
„Das interessiert mich nicht.“ und „Das haben wir bisher immer so gemacht.“

Anderen Chefs würde ich gerne sagen, …
...dass es sich lohnt, wenn man in Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein investiert. Und es ist okay, zuzugeben, dass man viele Dinge nicht weiß.

Wie schalten Sie abends ab und wann gehen Sie ins Bett?
An einem Arbeitstag koche ich gerne oder wir unternehmen noch etwas mit der Familie, hin und wieder ein bisschen Sport – dann bringe ich meine Kinder ins Bett und verbringe Zeit mit meiner Frau. Ich schlafe meistens zwischen 22:30 und 23:00 Uhr ein. An den Wochenenden und an besonderen Tagen ist das natürlich auch mal alles ganz anders...

Herr Ganns, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Mehr: Mit der Gründung von Stat-up 2003 gilt Katharina Schüller als eine der unternehmerischen Pionierinnen im Segment Statistical Consulting und Data Science. Im Interview spricht sie über gefälschte Statistiken und No-Gos für Chefs.

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