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Vordenker

Interview Vordenkerin Despineux: „Micro-Management killt jede Form der Innovation“

Nadine Despineux kümmert sich bei Krauss Maffei um die digitale Zukunft. Im Interview spricht sie über Produktivitätskiller und Gehaltsverhandlungen.
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Geschäftsführerin von Digital Service Solutions Krauss Maffei Technologies, einer 2018 gegründeten Geschäftseinheit der Münchner Krauss Maffei-Gruppe. Quelle: PR
Nadine Despineux

Geschäftsführerin von Digital Service Solutions Krauss Maffei Technologies, einer 2018 gegründeten Geschäftseinheit der Münchner Krauss Maffei-Gruppe.

(Foto: PR)

Düsseldorf Nadine Despineux ist die Geschäftsführerin von Digital Service Solutions Krauss Maffei Technologies, einer 2018 gegründeten Geschäftseinheit der Münchner Krauss-Maffei-Gruppe. Der traditionsreiche Maschinenbauer erweitert damit sein klassisches Produktportfolio um digitale Dienstleistungen und Angebote.

Was treibt die Managerin, die früher schon bei Rolls Royce Power Systems und MTU Friedrichshafen verantwortungsvolle Positionen hatte, an? „Herausforderungen & Neugier – um Mehrwert für Kunden zu schaffen“, sagt sie. 2019 wurde Nadine Despineux als Mitglied in die Vordenker-Community aufgenommen, eine Initiative des Handelsblatts und der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG).

Liebe Frau Despineux, Sie sind heute Expertin für Digitalisierung und Innovation. Wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
Ich war schon als kleines Mädchen sehr technikbegeistert und wollte eigentlich in die Fußstapfen meines Vater treten und Automechanikerin werden. Schon früh habe ich – gegen eine „adäquate Vergütung“ wie ein Eis – die Fahrräder meiner Freunde in der Garage repariert. Lange Zeit war auch Tennisprofi eine sehr reale Karriere-Option. Im späteren Verlauf der schulischen Ausbildung habe ich meine große Leidenschaft für die Wirtschaft entdeckt und mich für ein Betriebswirtschafts-Studium entschieden. In meinem weiteren beruflichen Werdegang hat mich immer die Kombination aus Technik und Wirtschaft fasziniert und begleitet.

Wie fängt Ihr Tag an?
Wenn morgens der Wecker klingelt, bringt mir mein Mann meistens schon einen frischen Espresso, den wir gemeinsam trinken und wir besprechen dann, was unser Plan ist. Den Tag mit Sport, Fitness oder Tennis zu beginnen, gibt mir Energie.

Was machen Sie morgens als erstes im Büro?
Hier gibt es kein festes Ritual – es kommt ganz darauf an, wann der erste Termin ist. Häufig startet mein Tag schon auf dem Weg ins Büro mit Telefonaten. Wenn ich nicht gleich in ein Meeting gehe, nutze ich die Zeit zur Abstimmung mit meiner Assistentin oder für einen kurzen Austausch mit den Kollegen.

Was sind Ihre Stärken?
Ich liebe es neue Themen anzupacken – immer mit einem sehr großen Kunden- und Marktfokus und der zentralen Fragestellung „Wie kann nachhaltig Mehrwert geschaffen werden?“; Menschen zu inspirieren und zu motivieren gehört zu meinen großen Stärken.

Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie antreibt und motiviert?
Ja, ich bediene mich hier immer gerne einem Zitat von Peter Drucker: „Leadership ist nicht, Leute dazu zu bringen, Dinge zu tun, die sie nicht tun wollen, sondern Leute dazu zu befähigen, Dinge zu leisten, von denen sie niemals glaubten, sie erzielen zu können.“

Wenn Sie Leiter der Bill Gates Foundation wären, die finanziellen Mittel jedoch nur für ein einziges Anliegen verwenden könnten, welches wäre es?
Eine monetär lösbare Formel für den Weltfrieden habe ich leider nicht. Wahrscheinlich würde ich ein Tenniscamp für Kinder einrichten, die sich das nie leisten könnten. Sport ist eine großartige Schule fürs Leben – und meine große Leidenschaft ist eben Tennis. Im Ernst, ich glaube tatsächlich, dass Sport Kinder und Jugendliche stark macht: Man lernt auf spielerische Art und Weise, dass eigene Anstrengung den Erfolg befördert und dass eine Niederlage wohl schmerzhaft sein kann, aber nicht gleich den Weltuntergang bedeutet.

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, KollegenInnen) in schwierigen Situationen, indem…?
... ich zuhöre und viele Fragen stelle. Mir ist es wichtig, meine Mitarbeiter dazu zu befähigen, ihre Entscheidungen zur Lösungsfindung selbst treffen zu können. In einer modernen Form von Leadership geht es vielmehr darum, Mitarbeiter zu empowern, als alles selbst zu entscheiden und zu lösen.

Ein No-Go im Umgang mit Mitarbeitern ist für mich…?
... mangelnder Respekt und mangelnde Anerkennung für erbrachte Leistung. Es ist wichtig für mich, sich auf Augenhöhe zu begegnen und zu versuchen, die Perspektive des anderen zu sehen und zu verstehen.

Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
Ich würde ein Buch über Leadership schreiben. Es würde die Herausforderungen moderner Führungskräfte im digitalen Wandel aufgreifen und hier die verschiedenen Perspektiven der Stakeholder beleuchten. Vor allem die Perspektive der Mitarbeiter würde dabei eine zentrale Rolle einnehmen.

Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar?
Bei mir sind es tatsächlich mein Smartphone und mein Laptop. Damit bin ich überall einsatzbereit und nicht an einen bestimmten Ort gebunden.

Welche Apps haben Sie im täglichen Einsatz?
Whatsapp, LinkedIn, Google Maps und Trello.

Inspirierende Newsletter, Podcasts oder Webseiten?
Echte Inspiration ziehe ich aus der Begegnung mit interessanten Menschen.

Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
Micro-Management. Das killt jede Form der Inspiration, Innovation und das eigene Streben nach Höchstleistung.

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an KollegenInnen für Gehaltsverhandlungen?
Ich halte es für wichtig, seinen eigenen Mehrwert für das Unternehmen in den Vordergrund zu stellen. Von „zu hohem Pokern“ in Gehaltsverhandlungen halte ich daher nicht viel, denn es wirkt auch nicht authentisch.

Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
Netzwerke sind für mich eine große Bereicherung. Ich durfte tolle und beeindruckende Menschen kennenlernen, die mir neue Perspektiven ermöglicht haben. Vor allem im digitalen Umfeld sind Netzwerke eine große Chance, die eigenen Ideen zu validieren und neue Inputs zu bekommen.

In Konfliktsituationen bin ich…?
... häufig ein guter Moderator und Vermittler. Ich kann mich gut in die verschiedenen Perspektiven hineinversetzen, was mir dabei hilft, auch eigene Konfliktsituationen besser lösen zu können. Beziehungen zu Menschen sind mir sehr wichtig – und gleichzeitig möchte ich meine Meinung sachlich, offen und transparent vertreten. Es geht dabei aber nicht darum, wer Recht hat – sondern die verschiedenen Handlungsoptionen abzuwägen, um eine bestmögliche Lösung zu schaffen.

Pannen sind…?
Unvermeidbar, menschlich und sehr gute Lernfelder.

Auf welche Fehlentscheidung hätten Sie rückblickend trotzdem gerne verzichtet?
Wie jeder, habe auch ich Fehlentscheidungen getroffen. Verzichten möchte ich rückblickend auf falsche Personalentscheidungen, die immer Auswirkung auf das Schicksal des Einzelnen haben und genau deshalb besonders schwer sind.

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Unternehmerin.

Wie gehen Sie mit Stress um?
Ich versuche weitestgehend negativen Stress zu vermeiden – falls er doch vorkommt, baue ich ihn am besten beim Sport, in der Natur oder bei gemeinsamer Zeit mit Menschen, die mir sehr nahe stehen, ab. Positiver Stress bringt mich persönlich zu Höchstleistung. Die Herausforderung bei der Führung von High-Performance-Teams liegt darin, eine gute Balance zwischen Stress- und Reflektionsphasen zu finden.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Ich denke diese Situation kennt jeder. Im ersten Ansatz ist es mir wichtig zu verstehen, was die Ursache ist, um aktiv an einer Lösung arbeiten zu können. Ich folge aber typischerweise dem Prinzip „love it, change it or leave it“. Man sollte sich nicht mit einem Job oder einem Arbeitsumfeld „arrangieren“, für das man nicht mehr brennt. Ich bin der Überzeugung, dass nur wenn man für eine Aufgabe brennt, man auch wirklich gut darin sein kann und in der Lage ist, Höchstleistung zu bringen.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde…?
Ich vertraue Ihnen in dieser Entscheidung vollkommen – aber können Sie mir bitte noch die Details zukommen lassen, wie Sie zu dieser Entscheidung gekommen sind?

Anderen Chefs würde ich gerne sagen, …
... es geht nicht darum, alles zu wissen oder alles entscheiden zu müssen – es geht vielmehr darum, Mitarbeiter zu befähigen und sie dabei zu unterstützen, Schwierigkeiten und Herausforderungen aus dem Weg zu räumen.

Wie schalten Sie abends ab und wann gehen Sie ins Bett?
Da ich sehr gerne Zeit mit Menschen verbringe, versuche ich mich so oft wie möglich mit Freunden zu treffen oder Zeit mit meinem Mann zu verbringen. Sei es, um Sport zu treiben oder einfach nur gemeinsame Zeit zu verbringen. Das hilft mir dabei, einen Ausgleich zu meinem Beruf zu schaffen. Typischerweise schaue ich vor dem zu Bett gehen noch etwas fern oder lese ein paar Seiten in einem guten Buch, das ist für mich das beste Einschlaf-Programm.

Frau Despineux, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

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