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Vordenker

Vordenker Benedikt Kalteier „Führungskräfte müssen sich permanent hinterfragen“

Benedikt Kalteier ist Teil des Vordenker-Jahrgangs 2020. Der Generali-Manager erklärt, wieso er sich keine klaren beruflichen Ziele setzt und was ihn an Veränderungen fasziniert.
31.08.2020 - 12:25 Uhr Kommentieren
Der Manager ist seit drei Jahren für die Versicherung tätig und hat in dieser Zeit die tiefgreifende Transformation der Gruppe hauptverantwortlich vorangetrieben. Quelle: Generali
Benedikt Kalteier

Der Manager ist seit drei Jahren für die Versicherung tätig und hat in dieser Zeit die tiefgreifende Transformation der Gruppe hauptverantwortlich vorangetrieben.

(Foto: Generali)

Bonn „Als Head of Strategy and Lifetime Partner Transformation für den Generali Deutschland Konzern hat Benedikt Kalteier in der Covid-19-Krise für die Versicherung und ihre Kunden wesentliche Maßnahmen umgesetzt, um als Gewinner aus der Krise hervorzugehen. So konnte die Generali die entstandenen Möglichkeiten dieser Krise optimal nutzen“, erklärt die Jury, die Kalteier gerade in den neuen Vordenker-Jahrgang aufgenommen hat – eine Initiative des Handelsblatts und der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG).

Zum Krisenmanagement unter Benedikt Kalteier zählt zum Beispiel die unbürokratische Stundung von Versicherungsbeiträgen sowohl für Großkunden als auch für Privatpersonen, die wegen Arbeitslosigkeit oder Verdienstausfall nicht mehr in der Lage sind, ihre Beiträge zu zahlen.

Der Hobby-Triathlet ist seit drei Jahren für die Versicherung tätig und hat in dieser Zeit die tiefgreifende Transformation der Gruppe hauptverantwortlich vorangetrieben. „Ein solches Projekt erfolgreich umzusetzen und gleichzeitig die gesteckten finanziellen Ziele zu übererfüllen, würde ich als große Leistung bezeichnen und darauf bin ich sehr stolz“, erklärt Kalteier im Gespräch.

Frühere berufliche Stationen führten den Manager nach seinem Studium an der privaten EBS-Business School in Oestrich-Winkel und dem MBA an der Insead-Business School zur Unternehmensberatung Boston Consulting Group, bevor er nach fünf Jahren dann 2017 zu Generali wechselte, zunächst als COO und bis September 2019 als CTO.

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    Neben seiner Arbeit für Generali genießt er gemeinsam mit seiner Familie die Berge und Seen rund um München und versucht sich mit steigendem Erfolg an der italienischen Sprache sowie Kultur. Im Interview spricht der Familienvater darüber, welche Welt er sich für seine beiden Töchter wünscht, über Charaktereigenschaften, die eine Führungskraft braucht, und seine Art von Konfliktlösung.

    Lesen Sie hier das ganze Interview:

    Herr Kalteier, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
    In meiner Kindheit bis spät in der Schulzeit wollte ich immer Pilot werden. Dieser Moment, wenn das Flugzeug abhebt, oder wenn man bei schlechtem Wetter durch die Wolkendecke fliegt und die Sonne sieht, ist auch heute noch, nach sehr vielen Flügen, jedes Mal faszinierend. Warum dieser Kindheitstraum als Beruf verflogen ist, kann ich Ihnen leider nicht mehr sagen. Oft entwickeln sich Dinge anders, als man vorher denkt und dies ist rückblickend dann wahrscheinlich auch gut so.

    Ihr Titel bei Generali lautet „Head of Strategy and Lifetime Partner Transformation“. Können Sie uns Ihren Job beschreiben, ohne die Marketingsprache Ihres Unternehmens zu nutzen?
    Es geht darum, den Finger in die Wunde zu legen. Das heißt, unsere Arbeitsweisen immer wieder zu hinterfragen, neue Zielbilder zu definieren und deren Umsetzung zu unterstützen. Dies bedeutet tagtäglich eine Vielzahl an Gesprächen führen, Brücken bauen, motivieren und auch antreiben. Das Ziel ist, die Generali als einen traditionellen Konzern tatsächlich kundenzentriert werden zu lassen. Das ist eine Herausforderung für den gesamten Konzern, denn die bisherigen Prozesse und Arbeitsweisen haben uns in der Vergangenheit ja sehr erfolgreich gemacht. Allerdings ändern sich die Rahmenbedingungen fundamental und aus diesem Grund brauchen wir neue Antworten.

    Wie definieren Sie ein erfolgreiches Unternehmen? Ist es nur finanzieller Erfolg oder gibt es auch andere Faktoren, die eine Rolle spielen?
    Ein langfristig erfolgreiches Unternehmen stellt seine Kunden und seinen Vertrieb bedingungslos ins Zentrum seines Handelns. Für ein börsennotiertes Unternehmen, wie es die Generali ist, bedeutet dieser Erfolg, den Kapitalgebern eine überdurchschnittliche Rendite bieten zu können. Wir agieren neben den Kapitalgebern in einem komplexen System aus unterschiedlichsten weiteren Stakeholdern; vor allem unseren Mitarbeitern, Partnern, der Gesellschaft an sich sowie der Umwelt. Ein erfolgreiches Unternehmen agiert im Sinne aller dieser Stakeholder.

    Das lässt sich gut unter einen Hut bringen?
    Für mich ist es überhaupt kein – wie so oft beschriebener – Interessenkonflikt zwischen Kunden, Vertrieb, Kapitalgebern und anderen Stakeholdern. Ich bin sogar vom Gegenteil überzeugt: die unterschiedlichen Interessen beeinflussen sich langfristig positiv.

    Gibt es Charakterzüge, die für eine Führungsposition unabdingbar sind?
    Eine Führungskraft ist nur dann erfolgreich, wenn das Team erfolgreich ist. Ein abgedroschener aber, meiner Ansicht nach weiterhin richtiger Satz. Ein Trainer im Sport ist dann erfolgreich, wenn die Mannschaft erfolgreich ist. Daher sehe ich es als eine meiner Kernaufgaben an, ein gut funktionierendes Team zusammenzustellen und fortwährend an der Zusammenarbeit zu arbeiten.

    Was braucht denn ein Team, damit es rund läuft?
    Ein funktionierendes Team bedarf intensiver Aufmerksamkeit und der Bereitschaft eines jeden – insbesondere der Führungskraft – Verantwortung zu übernehmen und für den anderen einzustehen.

    Und wie kriegen Sie Ihre Mannschaft dorthin?
    Um das zu schaffen, sind meiner Ansicht nach die klassischen Tugenden wie Disziplin, Mut und Zielstrebigkeit wichtige Charakterzüge. Zusätzlich müssen Führungskräfte bereit sein, sich permanent zu hinterfragen und immer weiter zu lernen.

    Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
    „Wenn ich gewusst hätte, dass dies dein (Arbeits-)Ergebnis ist, hätte ich es lieber direkt selbst gemacht.“

    Bitte ergänzen Sie den Satz: In Konfliktsituationen bin ich…?
    … ruhig, offen und klar. Ich erwarte das auch von der Gegenseite und lege viel Wert auf die Aufklärung des Konfliktes – auch wenn es zunächst weh tut.

    Was waren Ihre wichtigsten drei (Arbeits-)Ergebnisse der letzten drei Jahre?
    In den vergangenen drei Jahren haben wir bei der Generali den wohl tiefgreifendsten Umbau umgesetzt, den die Versicherungswirtschaft im letzten Jahrzehnt erlebt hat. Ein solches Projekt erfolgreich umzusetzen und gleichzeitig die gesteckten finanziellen Ziele zu übererfüllen, würde ich als große Leistung bezeichnen und darauf bin ich sehr stolz.

    Wenn ich drei einzelne Erfolge rausgreifen soll, dann würde ich folgende Themen nennen: Die erfolgreiche Integration des Generali Exklusivvertriebes (EVG) in die DVAG und die damit verbundene Chance für über 2800 Vermittler in eine erfolgreiche Zukunft schauen zu können. Zweitens die Etablierung der erfolgreichen Partnerschaft zwischen Generali und Viridium hinsichtlich des Portfolios der Generali Leben (heute Proxalto). Auch hier haben wir über 4 Millionen Kunden und über 250 Mitarbeitern eine positive Zukunft ermöglichen können.

    Und als letztes, die Generali vom Restrukturierungsmodus in den Wachstumsmodus umzuschalten. Nach vier sehr harten Jahren der Restrukturierung macht es viel Spaß, Wachstum, Innovation und viele weitere spannende Zukunftsthemen voranzutreiben und zwar ohne die Baustellen der Vergangenheit.

    In den kommenden drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
    Ich habe mir vorgenommen, Italienisch zu lernen – eine spannende Kultur, ein tolles Land und eine wirklich schöne Sprache. Und zugleich habe ich in einem italienischen Konzern die perfekte Möglichkeit direkt zu üben. Außerdem möchte ich das Thema Advanced Analytics tiefer verstehen. Ich bin davon überzeugt, dass diese Technologie unsere Industrie fundamental verändern wird. Hier würde ich gerne tief in die Diskussionen einsteigen und nicht nur die Überschriften und Einleitungskapitel als Buzz-Wörter verwenden können.

    Was ist Ihr langfristiges Ziel beziehungsweise Vision?
    Klare berufliche Ziele habe ich mir nie gesetzt und das tue ich auch aktuell nicht. Ich bin fasziniert von Veränderung und beeinflusse sie sehr gerne aktiv mit. Solche Veränderungsprozesse weiterhin an entscheidender Stelle zu gestalten, das würde ich als mein Ziel bezeichnen. Gleichzeitig möchte ich an der Vision mitwirken, dass meine beiden Töchter wirkliche Gleichberechtigung in der Gesellschaft und Wirtschaft vorfinden. Das ist (leider) noch ein weiter und steiniger Weg, den wir als Gesellschaft aber unbedingt gehen müssen. Zudem glaube ich fest an die Vision von Europa. Sie hat uns in den letzten Jahrzehnten Friede und Aufschwung gebracht. Neben den beschriebenen Errungenschaften der Vergangenheit sollte Europa in Zukunft eine Kernrolle bei der weltweiten Durchsetzung der Nachhaltigkeitsziele spielen. Wir sehen ja, dass dieses essentielle Ziel nicht von allen globalen Akteuren als Priorität umgesetzt wird. Beim größten Versicherer in Europa zu arbeiten, gibt mir die Möglichkeit, auch hierfür Akzente setzen zu können. Denn eine Vision wird durch tägliche Zusammenarbeit und gemeinsames Erleben zur Realität.

    Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
    Es würde einerseits davon handeln, warum es außerhalb der Komforzone gar nicht so unbequem ist beziehungsweise wieso es dort sogar Spaß machen kann. Andererseits davon, dass man Karrieren nicht planen kann und, dass das Bauchgefühl und die Freude an der Tätigkeit die wirklich guten Ratgeber sind.

    Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
    Da bekämen Sie, glaube ich, sehr unterschiedliche Antworten. Von Profisportler bis Politiker wäre wohl alles dabei. Ich habe mich schon immer für verschiedenste Dinge interessiert und sie auch ausprobiert.

    Möchten Sie sonst noch etwas teilen?
    Ich möchte mich bei der Jury für diese Auszeichnung als Vordenker bedanken und freue mich auf den Austausch mit der gesamten Kohorte. Und natürlich vielen Dank für das Interview – hat wirklich sehr viel Spaß gemacht.

    Herr Kalteier, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Vordenker*innen des Jahres 2020. Das sind die Macherinnen und Macher der nächsten Generation.

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