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Vordenker

Vordenker Gottfried Ludewig „Menschen sollen verstehen, warum die Nutzung von Daten sinnvoll ist“

Ludewig ist Digitalchef des Gesundheitsministeriums und Teil des Vordenker-Jahrgangs 2020. Er erklärt, warum die Medizin der Zukunft Daten braucht.
18.09.2020 - 10:33 Uhr 1 Kommentar
Der 37-Jährige ist Leiter der Digitalabteilung des Bundesministeriums für Gesundheit. Quelle: Gottfried Ludewig
Gottfried Ludewig

Der 37-Jährige ist Leiter der Digitalabteilung des Bundesministeriums für Gesundheit.

Bonn Gottfried Ludewig ist ein Drahtzieher im Hintergrund – in Berlin treibt er die Digitalisierung des Gesundheitswesens maßgeblich voran. Auch an der Corona-Warn-App hat der 37-Jährige mitgewirkt und über Wochen mit daran gearbeitet, dass Smartphones zur Nachverfolgung der Kontakte von Corona-Infizierten in Deutschland genutzt werden können.

Ludewig ist überzeugt, dass die Krise digitale Angebote in der Gesundheitsversorgung noch stärker im Alltag der Deutschen verankern wird. Gerade wurde er als Mitglied in die Vordenker-Community aufgenommen, eine Initiative des Handelsblatts und der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG). Ludewig hat nach Ansicht der Jury in seiner Funktion als Leiter der Digitalabteilung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) „maßgeblich zur Navigation durch die Coronakrise beigetragen und Vordenkertum bewiesen.“

Im Interview spricht der studierte Volkswirt über Dinge, die ein guter Chef niemals sagen sollte, was er in Zukunft gerne noch lernen möchte – und seine Vorstellung von der Medizin der Zukunft.

Lieber Herr Ludewig, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
Astronaut.

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    Ihr Titel im Bundesministerium für Gesundheit lautet: „Leiter der Digitalabteilung“ - können Sie uns Ihren Job konkret in einer Whatsapp-Länge beschreiben?
    Digitalisierung gibt uns die Chance, die Medizin der Zukunft zu gestalten: Wir verstehen immer besser, welche Therapie zu wem passt. Wir erkennen genauer, wann ein Arztbesuch notwendig ist oder ob die Medikamentendosierung bei chronischen Krankheiten angepasst werden muss. Die Aufgabe meiner Abteilung ist, für passende Rahmenbedingungen zu sorgen.

    Wie definieren Sie Erfolg für ein Ministerium?
    Entscheidend ist für mich, dass wir im Alltag der Menschen einen Unterschied machen. Dass das Leben eines Diabetikers ein wenig leichter wird, dass Krebspatienten die optimale Behandlung bekommen oder Menschen mit psychischen Leiden niedrigschwellige Hilfsangebote. Wir setzen den richtigen Rahmen, damit unser Gesundheitswesen up to date bleibt.

    Gibt es Charakterzüge, die für eine Führungsposition unabdingbar sind?
    Zuhören können und neugierig sein. Zielorientierung und Entscheidungsbereitschaft. Vor allem aber Freude an Teamwork.

    „Sprache ist eine wesentliche Grundlage unseres Miteinanders“

    Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
    „Das haben wir noch nie so gemacht, also versuchen wir es erst gar nicht.“ Wer so denkt, geschweige denn es ausspricht, der kann nichts verändern!

    Was ist Ihr langfristiges Ziel beziehungsweise Ihre Vision?
    Aufzuzeigen, dass Digitalisierung unser Leben auch in der Gesundheit einfacher und besser macht. Ich möchte, dass die Menschen verstehen, warum die kluge Nutzung von Daten sinnvoll ist. Und dass wir Europa deshalb nicht nur in Sonntagsreden, sondern ganz konkret zu einem Zentrum der „Zukunftsmedizin“ machen.

    Bitte ergänzen Sie den Satz: In Konfliktsituationen bin ich …?
    ... hartnäckig, manchmal ungeduldig und wenn möglich doch auf Ausgleich bedacht.

    Was waren Ihre wichtigsten drei (Arbeits-)Ergebnisse der letzten drei Jahre?
    Unsere drei großen Digitalprojekte im BMG: das Digitale-Versorgungs-Gesetz, mit dem wir eine Weltpremiere eingeführt haben – die Apps auf Rezept – und das Forschungsdatenzentrum. Das Patientendaten-Schutz-Gesetz, mit dem wir eine moderne Grundlage für die elektronische Patientenakte schaffen. Und natürlich jüngst die Corona-Warn-App. Alle drei Projekte sind übrigens das Ergebnis der Arbeit eines großartigen Teams im Ministerium und eines guten Miteinanders in der Bundesregierung und dem Parlament.

    In den nächsten drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
    Ich würde gern eine weitere Sprache lernen. Denn die Sprache ist eine wesentliche Grundlage unseres Miteinanders, unseres Denkens und somit auch unseres Handelns. Es käme durchaus auch eine Programmiersprache infrage. Mal schauen, ob ich dafür Zeit finde. Aktuell füllt mich mein Job aber ganz gut aus. Es gibt noch viel zu tun.

    „Wir können die Welt nur verändern, wenn wir uns einbringen“

    Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
    Warum wir in Deutschland den Mut zur Entscheidung und zum Imperfektionismus (wieder) lernen müssen, um in der digitalen Welt Erfolg haben zu können.

    Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
    Puh, das können wohl nur meine Freunde beantworten. Ich denke da gar nicht drüber nach – ich widme mich voll und ganz meiner aktuellen Aufgabe.

    Möchten Sie sonst noch etwas teilen?
    Wer eine datenbasierte, personalisierte Zukunftsmedizin in Europa als Ziel hat, muss das auch in kontroversen Debatten zur Nutzung von (anonymisierten) Daten deutlich sagen. Ob im Freundes- und Familienkreis, ob in sozialen Medien oder an anderer Stelle: Wir können die Welt nur verändern, wenn wir uns einbringen.

    Herr Ludewig, ich danke Ihnen für das Interview.

    Mehr: Vordenker*innen des Jahres 2020. Das sind die Macherinnen und Macher der nächsten Generation.

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    1 Kommentar zu "Vordenker Gottfried Ludewig: „Menschen sollen verstehen, warum die Nutzung von Daten sinnvoll ist“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Herr Ludewig versucht sehr einfühlsam die Patienten - also uns alle - vom Vorteil der Nutzung medizinischer Daten zu überzeugen.
      Waren die Patienten das Hindernis, als das sehr lange (15 Jahre?) Projekt "Elektronische Patientenakte" scheiterte?
      Wenn er jetzt ans Werk geht, dann habr er doch sicher diesen Fall vorher untersucht. Seine Meinung würde mich sehr interessieren. Ich glaube nämlich, die Lobby der Ärzte hat das Vorhaben der Digitalisierung bisher zu Fall gebracht.
      Viele Umsätze gehen dadurch verloren! Doppelte Röntgen- und Labor Untersuchungen, unnötige oder sogar schädliche Verschreibungen von Medikamenten usw.
      Die Versicherungen haben auch nichts dagegen.
      Ich wünsche ihm viel Erfolg. Wir brauchen die Daten schon ganz praktisch bei einem Wechsel zu einem neuen Arzt.
      Mit freundlichen Grüßen
      Lothar Meurer

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