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Vordenker

Vordenker Gunjan Bhardwaj „Man sollte als Leader die Eigenschaften, die man erwartet, auch vorleben“

Innoplexus-Gründer Gunjan Bhardwaj ist Teil des Vordenker-Jahrgangs 2020. Wie er mit Künstlicher Intelligenz gegen Corona kämpft und was er noch lernen will.
14.08.2020 - 09:47 Uhr Kommentieren
Der 34-Jährige wurde im nordindischen Bundesstaat Rajasthan geboren. Nach Stationen bei der Wirtschaftsprüfung EY und der Unternehmensberatung Boston Consulting Group gründete der 2011 Innoplexus. Quelle: Innoplexus
Gunjan Bhardwaj

Der 34-Jährige wurde im nordindischen Bundesstaat Rajasthan geboren. Nach Stationen bei der Wirtschaftsprüfung EY und der Unternehmensberatung Boston Consulting Group gründete der 2011 Innoplexus.

(Foto: Innoplexus)

Bonn Eine Suchmaschine für Krebspatienten in einer App: Die Idee dafür kam Gunjan Bhardwaj, CEO von Innoplexus, durch das Schicksal seines Mentors. Als bei diesem Krebs diagnostiziert wurde, recherchierte Bhardwaj nach alternativen Behandlungsmethoden zu Chemo- und Immuntherapie. Auch zu noch anlaufenden klinischen Studien fand er kaum Informationen.

Daraufhin entwickelte der Firmenchef mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) die App Curia, die im Juni erfolgreich im deutschen Markt gestartet ist. Bis zu 30 Milliarden Websites durchforsten die Maschinen von Innoplexus Tag für Tag nach relevanten Informationen aus Patentregistern, klinischen Studien, wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Patientenforen.

Gegründet hat Bhardwaj sein Start-up zusammen mit seinem Freund Gaurav Tripathi schon 2011 - inzwischen zählt Innoplexus bereits 350 Mitarbeiter im indischen Pune, in New Jersey und am Hauptsitz in Eschborn bei Frankfurt. Im nächsten Jahr dann will Bhardwaj den Börsengang vorbereiten. Investoren sind CS Beteiligungsgesellschaft, FinLab/EOS VC, einige Family Offices und Atai Life Sciences.

Das Unternehmen verfügt aktuell über 18 Patente auf seine KI-Technologien, die hauptsächlich in der Medikamentenentwicklung eingesetzt werden. In der Coronakrise hat der gebürtige Inder sein Produkt unter anderem Forschern, medizinischen Instituten, Regierungen und Nachrichtenportalen kostenlos im Kampf gegen das Virus zur Verfügung gestellt und durch die KI-basierte De-Novo Synthese – eine spezielle chemische Reaktion – neue Moleküle gegen Covid-19 entwickelt.

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    Das überzeugte die achtköpfige Vordenker-Jury: Gerade wurde Gunjan Bhardwaj als Mitglied in die Vordenker-Community aufgenommen, eine Initiative des Handelsblatts und der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG). Im Interview spricht der CEO über Kinderträume, über Charaktereigenschaften, die eine Führungskraft braucht, und seine Vorstellung von gelungenem Leadership.

    Herr Bhardwaj, Sie wurden im nordindischen Bundesstaat Rajasthan geboren. Wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
    Ich wollte immer schon Unternehmer werden, genauso wie mein Opa.

    Sie kamen nach Ihrem IT-Studium am renommierten Institute of Technology Bombay durch ein Stipendium nach Deutschland und haben 2011 Innoplexus gegründet: Um was handelt es sich dabei und wofür ist es nützlich?
    Innoplexus ist die größte KI-Plattform in der Medikamentenforschung, die alle veröffentlichten und unveröffentlichten Daten strukturieren und in einem Life-Science-Kontext abrufbar machen kann. Auf dieser Plattform nutzen wir unsere proprietären Algorithmen, um die wichtigsten Fragen in der Medikamentenforschung und Entwicklung zu beantworten. Damit revolutionieren wir die Life-Science Industrie. So sollen Patienten die Therapie, auf die sie warten, auf dem schnellsten und günstigsten Weg erhalten.

    Welche Erfolge konnten Sie schon verzeichnen?
    Wir haben diverse Medikamentenforschungsprogramme gemeinsam mit unseren Partnern aufgebaut – für schwerwiegende Krankheiten wie Alzheimer, einige seltene Krebsarten und akute Infektionen, wie etwa Covid-19. Letzteres Programm unterstützt das Land Hessen. Einige Pharmakonzerne, Biotechs und CROs nutzen inzwischen unsere Plattform, um ihre Entscheidungsprozesse effizienter zu gestalten und zu beschleunigen.

    Kürzlich wurde auch unsere Krebspatienten-App Curia in Deutschland gelauncht. Sie ist kostenlos und bietet Patienten die Möglichkeit, Informationen zu Behandlungsmethoden, Klinischen Studien und Experten basierend auf deren persönlichen Diagnose zu erhalten. Außerdem haben wir seit Ende letzten Jahres eine Partnerschaft mit einem Fonds, der über Insights aus unserer Plattform in börsengelistete Life-Science-Unternehmen investiert, was eine super Performance liefert.

    Super Performance heißt in konkreten Zahlen?
    Der generelle Portfoliowert liegt, basierend auf unseren Vorhersagen von Klinischen Studien, bei über 60 Prozent Plus.

    Bleiben wir bei Zahlen. Wie definieren Sie ein erfolgreiches Unternehmen? Ist es nur finanzieller Erfolg oder gibt es auch andere Faktoren, die eine Rolle spielen?
    „Put a dent in the universe“ (Anm.: geht zurück auf ein Zitat von Apple-Gründer Steve Jobs: „Wir sind hier, um eine Delle in das Universum zu schlagen. Warum sonst wären wir überhaupt hier?“) Das Ziel unseres Unternehmens ist und war es immer, einen großen positiven Impact für die Menschheit zu bewirken.

    Gibt es Charakterzüge, die für eine Führungsposition unabdingbar sind?
    Ein Leader hat immer eine Vorbildfunktion für sein Team. Man sollte die Eigenschaften, die man erwartet, auch vorleben. Wie Dwayne Johnson so schön gesagt hat: „Blood, Sweat and Respect. First two you give, last one you earn“.

    Und gibt es solche Eigenschaften auch in Bezug auf die Gründung des eigenen Start-ups?
    Ja, gerade im Start-up ist es noch wichtiger ein Vorbild zu sein, weil man ja ein ganzes Team aufbaut. Und um eine Vision zu verwirklichen erfordert es Leidenschaft, Hingabe und Fleiß vom gesamten Team.

    Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
    Ich bin der Beste.

    Bitte ergänzen Sie den Satz: In Konfliktsituationen bin ich…?
    …der Moderator, der versucht über die Interessen und nicht die Positionen einen Kompromiss zu finden.

    Was waren Ihre wichtigsten drei (Arbeits-)Ergebnisse der letzten drei Jahre?
    Einen Therapieansatz für Covid-19 in kürzester Zeit gefunden zu haben und einige Medikamentenforschungsprogramme mit Partnerschaften mit größeren und kleineren Biotechs. Dann die sehr hohe Präzision unserer Plattform, bewiesen durch Fondsportfolio-Performance. Und der jüngste Erfolg ist der Curia-Launch im Juni dieses Jahres.

    In den nächsten drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
    Fließend Portugiesisch sprechen, Poker spielen und italienisch kochen.

    Was ist Ihr langfristiges Ziel beziehungsweise Vision?
    Die Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit von Patienten soweit es geht aufzulösen. Hierbei soll die Innoplexus-Plattform als Mothership dienen, um gute, noch nicht vorhandene Therapieansätze für Krankheiten zu entwickeln und die Medikamentenforschung in ein neues Paradigma zu bringen.

    Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
    Ich habe bereits zwei Bücher geschrieben. Eines handelt über den Nutzen von KI und Blockchain in der Medikamentenforschung und das andere über Branding. Gerne würde ich noch ein Buch darüber schreiben, wie sich unsere Gesellschaft auf die neue Normalität vorbereiten kann.

    Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
    Sie würden vermutlich sagen, dass ich auch als Unternehmer in einem anderen Gebiet gut geeignet wäre. Oder sie könnten sich auch vorstellen, dass ich in der Politik oder als Berater einen Mehrwert schaffen kann.

    Möchten Sie sonst noch etwas teilen?
    Eins möchte ich hier bei der Gelegenheit nochmal betonen: Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir unglaublich tolle Mitarbeiter haben, die tagtäglich mit Ambition und Motivation ihren Beitrag leisten.

    Herr Bhardwaj, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Vordenker*innen des Jahres 2020. Das sind die Macherinnen und Macher der nächsten Generation.

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