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Vordenker

Vordenker im Interview Gleb Tritus: „Die reine Benchmark-Denke hat sich überlebt“

Der Lufthansa Innovation Hub gilt als Vorreiter der Szene. Gleb Tritus ist einer der Gründe dafür. Ein Gespräch über Kinderträume, Produktivitätskiller und Leadership.
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Gleb Tritus: „Die reine Benchmark-Denke hat sich überlebt“ Quelle:  privat
Gleb Tritus

Der Unternehmer ist Managing Director des Lufthansa Innovation Hub.

(Foto:  privat)

Düsseldorf Der Seriengründer und Business Angel Gleb Tritus pflegt den Kontakt zu zahlreichen Start-ups, die sich mit den Bereichen Reise bis hin zur Künstlichen Intelligenz beschäftigen. Darüber hinaus zieht er Talente an, die Dax-Konzerne ansonsten eher meiden. Zuletzt gründete er mit der Unterstützung des Medienkonzerns Pro Sieben Sat 1 die mobile Ticketingplattform Todaytickets.

Der Lufthansa Innovation Hub in Berlin gilt als Vorreiter der Szene, der Ideen rasch umsetzt. Was den Managing Director Gleb Tritus antreibt? „Stetiger Veränderungswille und ausgeprägte Neugierde, Nachhaltig geschärftes Verständnis für digitale Geschäftsmodelle, erfolgreiche Seriengründer.“

2019 wurde Tritus als Mitglied in die Vordenker-Community aufgenommen, eine Initiative des Handelsblatts und der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG). Im Interview spricht er über Kinderträume, Produktivitätskiller und Leadership.

Herr Tritus, sowohl Gleb als auch Tritus klingt für meine Ohren ungewöhnlich – darf ich fragen, woher die Namen kommen?
Beides ist russisch und beides in der Tat überaus selten. Auch macht beides wenig Sinn: Gleb bedeutet „Der Allwissende“ und Tritus in etwa „Kirchenmusik“.

Weiß der „Allwissende“ denn noch, was er werden wollte, als er klein war?
„Geschäftsmann“, damals das Achtzigerjahre-Pendant zu „Irgendwas mit Medien“.

Wie fängt Ihr Tag an?
Mit dem Lesen von E-Mails und diversen Nachrichtenseiten.

Was machen Sie morgens als erstes im Büro?
Zur andauernden Unterhaltung meiner Mannschaft eine Cola Light aus dem Kühlschrank holen. Ein Laster darf man haben, wie ich finde.

Was sind Ihre Stärken?
Detailtreue.

Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie antreibt und motiviert?
Weniger Mottos, mehr individuelle Biografien und Fallbeispiele. Gerade faszinieren mich die Lebensläufe von Ferdinand Piëch und Rocky Aoki.

Wenn Sie Leiter der Bill und Melinda Gates Foundation wären, die finanziellen Mittel jedoch nur für ein einziges Anliegen verwenden könnten: Welches wäre es?
Förderung zeitgemäßer Rahmenbedingungen für eine schnellere Finanzierung, Dynamisierung und Regulierung der medizinischen Grundlagenforschung. Auch wenn das Gesundheitswesen ein hochsensibler Bereich ist, kann er durchaus mehr unternehmerische Prägung vertragen.

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, Kollegeninnen und Kollegen) in schwierigen Situationen, indem…?
… ich zunächst einmal nahezu sieben Tage die Woche zugänglich bin. Die beste Managementschule bringt wenig ohne Zugänglichkeit und Interaktion.

Ein No-Go im Umgang mit Mitarbeitern ist für mich?
Unzuverlässigkeit.

Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
Das habe ich tatsächlich vor. Ich schwanke noch zwischen einem Sachbuch, zum Beispiel über den Aufbau digitaler Einheiten in großen Organisationen, und einem Roman. Bei letzterem habe ich noch kein Thema. Start-ups werden es jedenfalls nicht sein.

Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar?
Todoist, eine sehr ordentliche digitale To-Do-Liste. Ich habe sie alle ausprobiert. Slack ist auch wichtig.

Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
Soziale Medien, Netflix, Hunde. Letztere allerdings immer gerne.

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an Kollegen/Innen für Gehaltsverhandlungen?
Begründet vorbringen, vor allem über individuelle Inhalte und Ergebnisse. Meine Generation ist noch erstaunlich oft auf dem „Es steht mir zu“-Zug. Da Karrieren heute mehr denn je im Zick-Zack-Kurs und interdisziplinär verlaufen, hat sich die reine Benchmark-Denke aber überlebt.

Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
Meinen ersten Job im Start-up-Ökosystem mit 15 Jahren. Das hat mich 1999 auf die Spur gebracht, auf der ich bis heute bin. Mit meinen beiden Chefs von damals, mittlerweile erfolgreiche Seriengründer, pflege ich bis heute Kontakt.

In Konfliktsituationen bin ich…?
… mittlerweile selektiver, ob ich sie mir antue. Choose your battles wisely! Den Ratschlag sollte ich öfter ernstnehmen. Jene Konflikte, auf die ich mich dann einlasse oder einlassen muss, gilt es umso mehr zielführend zu lösen.

Pannen sind…?
… durch gute Planung in der Regel weitgehend vermeidbar. Echte Fehler dagegen sind es weniger und dadurch einprägsamer in einem Lernprozess. An der Glückskeksweisheit, dass man aus Fehlern mehr lernt als aus Erfolgen, ist sehr viel dran.

Auf welche Fehlentscheidung hätten Sie rückblickend trotzdem gerne verzichtet?
Die gibt es zahlreich, in allen Gewichtsklassen. Ich hätte früher nach Berlin ziehen sollen. Ich habe meine Bitcoins viel zu früh verkauft. Unternehmerisch habe ich diverse Themen mit einem falschen Timing angefasst. Das hat alles seine Daseinsberechtigung, solange man daraus eben halbwegs lernt.

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Venture Capital oder etwas in der Unterhaltungsindustrie. Der Vorstellung, dass beides stellenweise Überlappungen hat, stimme ich natürlich nicht zu.

Wie gehen Sie mit Stress um?
Besser als früher. Wer schon einmal ein Early-Stage-Start-up auf Kante genäht hat, pflegt ohnehin eine ganz eigene Definition von Stress. Eine gesunde Grundspannung finde ich indes wichtig, denn sie hilft, Dinge spitzer zu machen.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Zunächst nüchtern verstehen, woran es hakt. Sofern ich es beeinflussen kann, nehme ich Anlauf. Auch mehrmals. Habe ich keinen Einfluss darauf, bin ich heute konsequenter als früher – es gibt zu viele spannende Opportunitäten im digitalen Zeitalter, um tote Pferde zu reiten.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde…?
„Weil ich es sage…“.

Anderen Chefs würde ich gerne sagen, …
Bleibt wissbegierig! In der Karrierekomfortzone kommt man, damals wie heute, schnell in einen Verwaltungsmodus, auch intellektuell – zunehmend auch im sagenumwobenen Tech-Sektor, übrigens. Das ist menschlich. Gleichzeitig waren neue Dinge noch nie so zugänglich wie heute.

Wie schalten Sie abends ab und wann gehen Sie ins Bett?
Zwischen 23 Uhr und Mitternacht. Ein wirklich wirksames Mittel zum Abschalten suche ich noch. Es soll aber ungemein helfen, das Smartphone beiseite zu räumen.

Herr Tritus, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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