Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Vordenker

Vordenkerin Bettina Buschhorn „Ich mag es nicht, Konflikte dauerhaft im Raum stehen zu lassen“

Bettina Buschhorn ist Teil des Vordenker-Jahrgangs 2020. Im Interview spricht sie über ihren Seitenwechsel in die Industrie und gelungenes Leadership.
14.10.2020 - 11:11 Uhr Kommentieren
Die Managerin ist Direktor Strategie und Business Transformation bei Janssen-Cilag Deutschland. Quelle: Janssen-Cilag Deutschland
Bettina Buschhorn

Die Managerin ist Direktor Strategie und Business Transformation bei Janssen-Cilag Deutschland.

(Foto: Janssen-Cilag Deutschland)

Bonn Nach vielen Jahren in der Beratung hat Bettina Buschhorn vor einem Jahr den Schritt auf die Unternehmensseite gewagt: Bei Janssen-Cilag Deutschland, der Pharmasparte des US-Gesundheitskonzerns Johnson & Johnson, ist sie Direktor Strategie und Business Transformation und Mitglied der Geschäftsleitung. Ihrem Sohn hat sie ihren neuen Job einmal so erklärt: „Ich helfe meinem Chef, bessere Entscheidungen zu treffen.“

In dieser Rolle treibt sie im Zuge der digitalen Transformation die strategische Weiterentwicklung des Geschäfts und des Geschäftsmodells voran. Im Team gemeinsam Dinge voranzubringen und neue Wege zu beschreiten ist ihr Antrieb. „Die Digitalisierung fordert uns heraus, unsere bisherige Art zu arbeiten kontinuierlich zu hinterfragen“, erklärt Buschhorn.

„Sie gehört damit zum exklusiven Kreis der Menschen, die gezeigt haben, dass sie zu den führenden Köpfen der Wirtschaft gehört“, so das Fazit der Vordenker-Jury, eine Initiative des Handelsblatts und der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG).

Vor ihrer Tätigkeit bei Janssen-Cilag war die promovierte Molekularbiologin zehn Jahre in der Unternehmensberatung bei BCG tätig und beriet primär Kunden aus dem Gesundheitsbereich zu Strategie- und Transformations-Themen. Für ihre neue Aufgabe bei Janssen zog die gebürtige Westerwälderin und langjährige Wahl-Wienerin mit Mann und drei Söhnen nach Köln und damit wieder näher an die Heimat.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Dieser Kraftakt war auch nur in Teamarbeit möglich, allerdings war in diesem Fall eher mein wunderbares familiäres Team involviert“, erzählt Buschhorn. Im Interview spricht die Managerin über ihren Seitenwechsel von der Beratung in die Industrie, über Charaktereigenschaften, die eine Führungskraft braucht, und ihre Vorstellung von gelungenem Leadership.

    Frau Buschhorn, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
    Mir war schon früh klar, dass ich einen Beruf im medizinischen Umfeld ergreifen möchte. Mein erstes Praktikum habe ich in einem Krankenhaus absolviert. Erst wollte ich Krankenschwester werden, einige Zeit später Ärztin. Der Gesundheitsbranche bin ich dann tatsächlich treu geblieben, wenn auch heute in einer anderen Funktion.

    Ihr Titel bei Janssen-Cilag Deutschland lautet „Direktor Strategie und Business Transformation“ – können Sie uns Ihren Job beschreiben, ohne die Marketingsprache Ihres Unternehmens zu nutzen?
    Die Digitalisierung fordert uns heraus, unsere bisherige Art zu arbeiten kontinuierlich zu hinterfragen. Eine meiner Aufgaben ist es, die Transformation unseres Geschäftsmodells voranzutreiben. Meine Teams spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie definieren, was wir überhaupt machen wollen, stellen die digitalen Kanäle sowie innovative digitale Lösungen bereit; analysieren Unternehmens- und Marktdaten und leiten Empfehlungen mit zunehmend innovativen Methoden ab; und sie schulen und befähigen Mitarbeiter und begleiten sie in diesem Wandel.

    Meinem ältesten Sohn habe ich das mal vereinfacht so erklärt: Ich helfe meinem Chef, bessere Entscheidungen zu treffen. Und wenn unsere lieben Kollegen und Kolleginnen auf der Suche nach guten, digitalen Ideen sind, dann stecken wir gemeinsam die Köpfe zusammen und entwickeln Ideen, die begeistern. Was uns dabei wichtig ist: Wir hören nicht bei der Idee auf, sondern helfen dabei, sie auch umzusetzen, damit sie bei Ärzten und Patienten ankommen. Das fand er ganz cool.

    Wie definieren Sie ein erfolgreiches Unternehmen? Ist es nur finanzieller Erfolg, oder gibt es auch andere Faktoren, die eine Rolle spielen?
    Ein erfolgreiches Unternehmen leistet seinen Beitrag für die Gesellschaft und verfolgt das klare Ziel, nachhaltig Mehrwerte zu schaffen. Für uns als Pharmaunternehmen bedeutet das: Wir wollen mutig forschen, wirksame Therapien finden und mit unserer Arbeit tagtäglich dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung der Patienten zu verbessern. Finanzieller Erfolg ist eine Voraussetzung dafür, weil er uns erlaubt, intensiv zu forschen und medizinische Innovationen voranzutreiben.

    Gibt es Charakterzüge, die für eine Führungsposition unabdingbar sind?
    Ich denke, in erster Linie ist es wichtig, gut zuhören zu können, als authentisches Beispiel voranzugehen und empathisch für die Motive und Bedürfnisse anderer zu sein. Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, gehört natürlich auch dazu.

    Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
    „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Oder: „Das interessiert mich nicht.“ In meiner Rolle bei Janssen ist es unabdingbar, Prozesse ständig zu hinterfragen und für neue Vorschläge und Ideen offen zu sein.

    Bitte ergänzen Sie den Satz: In Konfliktsituationen bin ich …
    … in der Regel erst mal der Zuhörer. Ich versetze mich in die Position des anderen, um die unterschiedlichen Sichtweisen nachvollziehen und abwägen zu können. Ich mag es nicht, Konflikte dauerhaft im Raum stehen zu lassen, sondern suche immer den Austausch und idealerweise nach einer gemeinsamen Lösung. Manchmal hilft es aber, dafür erst mal ein bisschen Zeit vergehen zu lassen.

    Was waren Ihre wichtigsten drei (Arbeits-)Ergebnisse der letzten drei Jahre?
    Hier möchte ich weniger meine eigenen Erfolge als die meiner Teams nennen. Als ich vor gut einem Jahr zu Janssen kam, habe ich das Transformationsthema quasi „mitgebracht“. Seitdem haben wir auf diesem Gebiet gemeinsam große Fortschritte gemacht: Wir haben festgelegt, was wir überhaupt machen möchten in einem „Framework“ – letzten Endes definieren wir Programme, um unser Kerngeschäft nachhaltig zu verändern und dabei müssen wir auch die ganze „Basis“ anpassen, inklusive zum Beispiel der zugrundeliegenden Prozesse.

    Vor allem aber müssen wir die Mitarbeiter mitnehmen, die die neuen Technologien und Arbeitsweisen anwenden, ja leben müssen. Wir nutzen Daten- und KI-basierte Möglichkeiten erfolgreich zur Optimierung unserer internen Abläufe. Wir arbeiten bei Janssen auch an digitalen Tools zur Anwendung im Gesundheitssystem. Zum Beispiel, um Ärzte bei der Therapieentscheidung zu unterstützen, damit Patienten die individuell am besten geeignete Behandlung erhalten.

    Als Unternehmen sind wir bisher insgesamt gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Auch vor dem Lockdown haben wir bei Janssen bereits viele digitale Möglichkeiten genutzt. Dennoch war die plötzliche erschwerte Erreichbarkeit unserer Kunden und natürlich auch die Umstellung auf nahezu flächendeckendes Homeoffice für uns eine echte Herausforderung. In dieser Phase haben wir als gesamtes Team extrem viel gelernt. Diese Erfahrungen nehmen wir mit für die weitere Digitalisierung im Unternehmen.

    Zum Schluss möchte ich ein sehr persönliches Ergebnis nennen. Nach vielen Jahren in der Beratung habe ich den Schritt auf die Unternehmensseite gewagt. Damit war ein großer Umzug verbunden, aber auch Entscheidungen rund um Kindergarten und die Schule für meine Kinder. Dieser Kraftakt war auch nur in Teamarbeit möglich, allerdings war in diesem Fall eher mein wunderbares familiäres Team involviert.

    In den kommenden drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
    Ich bin jetzt seit etwas mehr als einem Jahr bei Janssen. Wir befinden uns mitten in der digitalen Transformation. Da gibt es sicherlich noch viel zu lernen, sowohl für mich als auch für das gesamte Team. Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, dass wir Veränderungen noch schneller erkennen, relevante Technologien stärker vorantreiben und vor allem wirkungsvoller im Tagesgeschäft implementieren. Persönlich würde ich gerne eine neue Sprache lernen, am liebsten Spanisch. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob drei Jahre dafür ausreichen.

    Was ist Ihr langfristiges Ziel beziehungsweise Ihre Vision?
    Zusammen mit meinen Teams möchte ich das Potenzial digitaler und datengetriebener Lösungen noch besser nutzen und breitflächig zur Anwendung bringen – im eigenen Unternehmen wie im Gesundheitssystem insgesamt. Jeder Patient soll die Möglichkeit bekommen, die für ihn individuell am besten geeignete Therapie zu erhalten. Ich bin davon überzeugt, in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit allen Akteuren des Gesundheitswesens können wir das schaffen.

    Unsere Vision bei Janssen geht noch darüber hinaus: eine Zukunft, in der insbesondere schwere Krankheiten der Vergangenheit angehören. Allein dafür hat sich der Seitenwechsel von der Healthcare-Beratung in die pharmazeutische Industrie gelohnt.

    Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
    Von dem Spagat zwischen Karriere und Familie, der durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie momentan hauptsächlich zwischen Arbeitszimmer und dem Rest der Wohnung stattfindet. Ich finde es faszinierend, wie meine Kinder es immer wieder schaffen, mich mit ihren einfachen Fragen und Vorschlägen gedanklich „runterzuholen“, ja fast schon zu coachen.

    Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
    Vermutlich würden meine Freunde mich gerne als Besitzerin eines eigenen kleinen Cafés sehen. Ich habe eine Leidenschaft für guten Kaffee und backe gerne, sofern ich die Zeit und Muße dafür finde.

    Möchten Sie sonst noch etwas teilen?
    Ich möchte die Gelegenheit gerne nutzen, um Danke zu sagen für die Auszeichnung als Vordenkerin 2020. Dies ist für mich eine zusätzliche Motivation, meinen Weg weiterzugehen. Außerdem freue ich mich sehr über die Gelegenheit zum Austausch mit so vielen beeindruckenden Persönlichkeiten.
    Frau Buschhorn, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Vordenker*innen des Jahres 2020. Das sind die Macherinnen und Macher der nächsten Generation.

    Startseite
    Mehr zu: Vordenkerin Bettina Buschhorn - „Ich mag es nicht, Konflikte dauerhaft im Raum stehen zu lassen“
    0 Kommentare zu "Vordenkerin Bettina Buschhorn: „Ich mag es nicht, Konflikte dauerhaft im Raum stehen zu lassen“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%