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Vordenker

Vordenkerin Christina Lang: „Finanzieller Erfolg allein ist keine Daseinsberechtigung“

Christina Lang ist Teil des Vordenker-Jahrgangs 2020. Sie hat den Hackathon „WirVsVirus“ mitinitiiert. Ihr Start-up wird bald vom Kanzleramt aufgekauft.
04.09.2020 - 12:54 Uhr Kommentieren
Lang hat nach ihrem Studium zunächst bei Bain & Company, McKinsey und im Auswärtigen Amt gearbeitet, bevor sie zur Unternehmensgründerin wurde. Quelle: privat
Christina Lang

Lang hat nach ihrem Studium zunächst bei Bain & Company, McKinsey und im Auswärtigen Amt gearbeitet, bevor sie zur Unternehmensgründerin wurde.

(Foto: privat)

Bonn Deutschland hat großes Innovationspotenzial: Das zeigte der vor Kurzem durchgeführte „WirVsVirus“-Hackathon. An nur einem Wochenende erarbeiteten 40.000 freiwillige Teilnehmer in einem Programmierwettbewerb etwa 1500 mögliche digitale Lösungen für die Herausforderungen der Coronakrise. Davon sollen nun 130 Projekte umgesetzt werden, unter anderem schnellere Tests.

Eine, die den Hackathon mitinitiiert hat, ist Christina Lang, CEO und Mitgründerin des staatlich geförderten Non-Profit-Start-ups 4Germany. Mit ihrem Engagement im Kampf gegen die Pandemie hat sie die Vordenker-Jury überzeugt. Sie wurde als Mitglied in die Vordenker-Community aufgenommen, eine Initiative des Handelsblatts und der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG).

Im Interview spricht die Gründerin, die die Bundesregierung mit jungen Digitaltalenten zusammenbringt, über Kinderträume, Charaktereigenschaften, die eine Führungskraft braucht – und ihre Vorstellung von gelungener Leadership.

Lesen Sie hier das komplette Interview

Frau Lang, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
Ich hatte immer ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und Spaß daran, mit Menschen zu arbeiten. Als Schülerin habe ich viel Nachhilfe gegeben und wollte lange Lehrerin werden. Allerdings konnte ich mich nie auf bestimmte Fächer festlegen. Eine Mediationsausbildung in der Oberstufe hat mich dann zum Jura-Studium gebracht.

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    Sie haben gemeinsam mit Sonja Anton 4Germany gegründet: Um was handelt es sich dabei, und wofür ist es nützlich?
    4Germany ist ein Non-Profit-Start-up unter der Schirmherrschaft des Kanzleramts, das zwei Fellowship-Programme anbietet – Tech4Germany und Work4Germany. Dort können Digital-Talente zeitlich begrenzt mit der deutschen Regierung an der Digitalisierung und Modernisierung des Staats arbeiten. Bei Tech4Germany entwickeln Produktler, Entwickler und Designer in drei Monaten mit Verwaltungsteams Prototypen für moderne digitale Bürgerdienste oder eine effizientere öffentliche Verwaltung. Und Work4Germany bringt Management-Talente aus Unternehmertum und Wirtschaft für sechs Monate in Ministerien, um dort gemeinsam mit den Innovationstreibern der Verwaltung moderne Arbeitsmethoden zu etablieren und althergebrachte Prozesse mit frischem Blick neu zu gestalten. In beiden Programmen arbeiten die Fellows direkt mit Ministerialmitarbeitenden an Digitalprojekten. Dadurch zeigen wir die Vorteile nutzerzentrierten Arbeitens und helfen, agile Softwareentwicklung und digitale Kompetenzen in der öffentlichen Verwaltung zu etablieren.

    Welche Erfolge konnten Sie schon verzeichnen?
    Die Fellowships machen die Chancen von Digitalisierung gerade für die öffentliche Verwaltung erlebbar. Letztes Jahr konnten wir die Projektergebnisse von Tech4Germany bei der Digitalklausur in Schloss Meeseberg der Bundeskanzlerin und ihrem Kabinett vorstellen. Das war ein überraschend lebhafter Austausch mit vielen Rückfragen zum Vorgehen der Fellows und dem Potential verschiedener entwickelter Lösungen. Weil wir solche Produkte künftig nicht nur im Rahmen des Fellowships, sondern ganzjährig für Deutschland entwickeln wollen, werden wir dieses Jahr vom Kanzleramt aufgekauft und können dann zusätzlich zu den Fellowships ein festes Team aufbauen, das inhouse mit den Ministerien nutzerzentrierte, moderne Softwareprodukte entwickelt.

    „Ich hatte nie geplant, Unternehmerin zu werden“

    Wie definieren Sie ein erfolgreiches Unternehmen? Ist es nur finanzieller Erfolg, oder gibt es auch andere Faktoren, die eine Rolle spielen?
    Ein erfolgreiches Unternehmen muss etwas am Status quo nachhaltig verändern wollen und einen gesellschaftlichen Mehrwert liefern, finanzieller Erfolg allein wäre für mich keine Daseinsberechtigung.

    Gibt es Charakterzüge, die für eine Führungsposition unabdingbar sind?
    Empathie und die gar nicht so selbstverständliche Fähigkeit, eine gute Zuhörerin zu sein.

    Und gibt es solche Eigenschaften auch in Bezug auf die Gründung des eigenen Start-ups?
    Ich hatte eigentlich nie geplant, Unternehmerin zu werden. Aber mit den Fellowships wollten wir etwas aufbauen, das wir für uns selbst damals vermissten. Ich halte die Fähigkeit, andere für die eigene Vision zu begeistern, und Resilienz für die wichtigsten Eigenschaften bei Gründerinnen und Gründern, fast alles andere kann man sich dann aneignen – vielleicht noch Spaß am Lernen.

    Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde …?
    „Das ist nicht mein Problem.“

    Bitte ergänzen Sie den Satz: In Konfliktsituationen bin ich …?
    Diplomatisch und (vielleicht manchmal ein bisschen zu) lösungsorientiert. Gerade in Konflikten ist es wichtig, die konkrete inhaltliche Ebene von anderen Faktoren wie Beziehungen, persönlichen Motiven oder der Historie zu trennen und zu verstehen, auf welcher Ebene die Ursache des Konflikts liegt.

    Was waren Ihre wichtigsten drei (Arbeits-)Ergebnisse der letzten drei Jahre?
    Stolz bin ich auf die rechtlich solide Umsetzung unserer Idee für das Work4Germany Fellowship, in dem erstmals in einem transparenten Format Management-Talente ihre Kompetenzen und Energie in der Bundesregierung einbringen können. Außerdem zeigt der „WirVsVirus“-Hackathon, den wir im März kurzfristig initiiert und sowohl mit der Regierung als auch mit verschiedenen Akteuren aus der Zivilgesellschaft umgesetzt haben, wie viel Power und Innovationskraft im Zusammenbringen der verschiedenen Sektoren steckt. Und hoffentlich kann ich als drittes Ergebnis bald die Umwandlung in eine Bundes-GmbH zählen, die wir mittlerweile seit zehn Monaten intensiv vorbereiten.

    In den nächsten drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
    Unser Unternehmen zu skalieren und in einer wachsenden Organisation die Integrität, Leidenschaft und Transparenz aufrechtzuerhalten, die unser Team heute ausmachen.

    „Digitalisierung ist kein Selbstzweck“

    Was ist Ihr langfristiges Ziel bzw. Vision?
    Wir wollen den deutschen Staat dabei unterstützen, die Bedürfnisse der Bürger und Bürgerinnen in den Mittelpunkt zu stellen und besser für alle zu funktionieren. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein wertvoller Hebel, um den öffentlichen Sektor fit für die Zukunft zu machen.

    Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
    Das kann ich aktuell gar nicht sagen, ich würde in den nächsten Jahren kein Buch schreiben. Damit wir erfolgreich sein können, ist, glaube ich, ein klarer Fokus auf unsere Mission entscheidend. Und es gibt dort genug zu tun.

    Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
    Meine Mutter glaubt immer noch, dass an mir eine gute Lehrerin verloren gegangen ist.

    Möchten Sie sonst noch etwas teilen?
    Um Innovation zu fördern, fordern wir und andere häufig mehr Mut und eine offene Fehler- und Lernkultur von Regierung und Verwaltung. Ich merke aber, dass sich dafür auch die öffentliche, häufig kritische Wahrnehmung von Regierungsarbeit verändern muss. Wer mutig ist und Neues wagt, muss auch als Politiker oder Mitarbeitender in der Verwaltung mal scheitern und daraus lernen dürfen. Wir alle sind Wählerinnen und Wähler, die am Ende mit darüber entscheiden, ob eine solche Lernkultur möglich sein wird.

    Frau Lang, ich danke Ihnen für das Interview.

    Mehr: Vordenker*innen des Jahres 2020. Das sind die Macherinnen und Macher der nächsten Generation.

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