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Vordenker

Vordenkerin Veronika Schweighart „Eine Gründung ist wie ein Marathon mit vielen Bergsprints“

Veronika Schweighart ist Teil des Vordenker-Jahrgangs 2020. Wie die Jungunternehmerin bei Climedo Mitarbeiter führt und was sie mit ihrem Start-up noch erreichen will.
07.08.2020 - 11:13 Uhr Kommentieren
Die Jungunternehmerin gründete die Medizin-IT-Firma Climedo 2017 gemeinsam mit ihren zwei ehemaligen Kommilitonen Sascha Ritz und Dragan Mileski. Quelle:  privat
Veronika Schweighart

Die Jungunternehmerin gründete die Medizin-IT-Firma Climedo 2017 gemeinsam mit ihren zwei ehemaligen Kommilitonen Sascha Ritz und Dragan Mileski.

(Foto:  privat)

Bonn Gemeinsam mit ihren zwei ehemaligen Kommilitonen Sascha Ritz und Dragan Mileski gründete Veronika Schweighart 2017 die Medizin-IT-Firma Climedo. Ihr Ziel: mithilfe digitaler Technologien einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen.

Konkret entwickeln die Jungunternehmer eine Software-Plattform für die klinische Datenerhebung, mit der medizinische Innovationen in der MedTech- und Pharma-Branche schneller auf den Markt gebracht werden können.

Gerade wurde Schweighart als Mitglied in die Vordenker-Community aufgenommen, eine Initiative des Handelsblatts und der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG). Denn in ihrer Funktion als Co-Founder und COO des Münchner Softwareunternehmens hat sie bereits zu Beginn der Corona-Pandemie ihre Plattform für klinische Datenerhebung in Verbindung mit Patiententagebüchern kostenlos Praxen, Kliniken, Forschungsinstituten und gemeinnützigen Organisationen, die zu Covid-19 forschen, zur Verfügung gestellt. Das überzeugte die Vordenker-Jury.

Im Interview spricht die Gründerin über Kinderträume, über Charaktereigenschaften, die eine Führungskraft braucht, und ihre Vorstellung von gelungenem Leadership.

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    Frau Schweighart, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
    Als Kind wollte ich unbedingt einen eigenen Reiterhof mit Hotel besitzen. Dazu habe ich bereits im Grundschulalter konkrete Pläne geschmiedet und im Detail aufgeschrieben und gezeichnet. Für mich war also schon seit meiner Kindheit klar, dass ich einmal Unternehmerin werden möchte, aber die Verbindung mit digitalen Technologien kam dann erst im Studium dazu.

    Sie haben zusammen mit Sascha Ritz und Dragan Mileski Climedo gegründet: Um was handelt es sich dabei, und wofür ist es nützlich?
    Wir drei Gründer haben uns am CDTM (Center for Digital Technology and Management) in München kennengelernt, wo wir an verschiedenen Projekten zusammengearbeitet haben. Wir hatten alle bereits zuvor Start-ups gegründet und leider im engen Familienumfeld auch negative Erfahrungen mit ineffizienten Behandlungen gemacht, teilweise mit schwerwiegenden Folgen. Unsere Motivation war es deshalb, das Gesundheitssystem grundlegend zu verbessern.

    Wo konkret haben Sie dann angesetzt?
    Durch intensiven Austausch mit Ärzten haben wir erkannt, dass bei der Digitalisierung und Automatisierung von klinischen Datenerhebungsprozessen ein enormes Potenzial liegt. Mit der Climedo-Lösung für klinische Datenerhebung können Innovationen in der Medizin schneller auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit überprüft werden, sodass die beteiligten Ärzte und Unternehmen enorme Ressourcen sparen und sich wieder auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können. Patienten profitieren dank der neuen, sicheren und leistungsstarken Produkte von einer verbesserten Gesundheitsversorgung und erhöhten Lebensqualität.

    Welche Erfolge konnten Sie schon verzeichnen?
    Seit der Gründung haben wir über 20 tolle Team-Mitglieder dazugewonnen, sind in ein größeres Büro gezogen und haben einige öffentliche Fördergelder erhalten, unter anderem von EIT Health und Exist. Mitte 2019 haben wir zudem eine Seed-Finanzierungsrunde in Millionenhöhe abgeschlossen. Zu unseren Kunden und Partnern zählen akademische Institutionen, Auftragsforschungsinstitute, Medizinproduktehersteller und Pharmafirmen. Sozusagen alle wichtigen Stakeholder zur Durchführung von Studien und Datenerhebungsprojekten, deren Zusammenarbeit wir mit unserer Softwarelösung vereinfachen. Zuletzt haben wir auch ein Projekt mit dem Bundesministerium für Gesundheit gestartet, um deutsche Gesundheitsämter in der Corona-Pandemie durch ein digitales Symptom-Tagebuch zu entlasten.

    Womit Sie die Vordenker-Jury überzeugt haben - Glückwunsch! Wie definieren Sie ein erfolgreiches Unternehmen? Ist es nur finanzieller Erfolg, oder gibt es auch andere Faktoren, die eine Rolle spielen?
    Natürlich ist finanzieller Erfolg ausschlaggebend, um ein Unternehmen nachhaltig weiterführen zu können und gute Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Aber fast noch wichtiger ist es – zumindest aus meiner Sicht –, auch einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten und das Leben unserer Kunden und Endnutzer wirklich positiv zu verändern. Wir glauben zum Beispiel, dass, wenn sich Ärzte weniger mit Papierkram beschäftigen müssen, sie sich viel besser um ihre Patienten kümmern können und dass die Entlastung aller Akteure, welche mit digitalisierten und automatisieren Prozessen verbunden ist, enormes Potenzial hat, das Gesundheitswesen maßgeblich zu verbessern. Davon profitiert nicht nur die Industrie, sondern vor allem auch Ärzte, Krankenhäuser und letztlich natürlich die Patienten.

    Gibt es Charakterzüge, die für eine Führungsposition unabdingbar sind?
    Definitiv. Zum einen Selbsterkenntnis. Man sollte sich selber, seine eigenen Stärken und Schwächen gut kennen, um andere führen zu können. Gleichzeitig muss man auch offen für konstruktives Feedback sein und immer gewillt sein, an sich selber zu arbeiten. Zum anderen Empathie, also sich wirklich in die Mitarbeiter hineinversetzen können und durch regelmäßige Eins-zu-eins-Meetings schauen, wie es ihnen geht oder wo sie Unterstützung brauchen. Wir möchten, dass sich jedes Teammitglied bei uns wohlfühlt und auch Dinge anspricht, die vielleicht gerade nicht passen.

    Und gibt es solche Eigenschaften auch in Bezug auf die Gründung des eigenen Start-ups?
    Man muss viel Durchhaltevermögen haben und darf sich nicht demotivieren lassen, falls mal etwas nicht klappen sollte. Eine Start-up-Gründung ist wie ein Marathon mit vielen Bergsprints. Anstrengend, aber das Gefühl des Runner's High, das wir im übertragenen Sinne im Start-up-Alltag oft spüren, lässt uns auch schwierige Abschnitte gut überwinden und treibt uns immer weiter an.

    Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde …
    „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Meiner Meinung nach sollte man immer offen für neue Ideen und Impulse sein und nicht denken, etwas besser zu wissen. Gerade durch Demut und die Bereitschaft, Mitarbeiter selbst experimentieren zu lassen, kann man Menschen wirklich motivieren und somit eigenverantwortliches, unternehmerisches Handeln in ihnen wecken.

    Bitte ergänzen Sie den Satz: In Konfliktsituationen bin ich … diplomatisch. Ich lasse mich eigentlich nicht so schnell aus der Ruhe bringen und versuche lieber, nach einer pragmatischen und tragbaren Lösung für alle zu suchen, auch wenn ich mal ziemlich unter Strom stehe. Das sagen mir zumindest meine Kollegen (lacht).

    Was waren Ihre wichtigsten drei (Arbeits-)Ergebnisse der letzten drei Jahre?
    Da waren zunächst einmal unsere Kunden, die wir glücklicherweise kurz nach unserer Ausgründung 2017 bereits bekommen haben und die alle nach wie vor an Bord und durchweg sehr zufrieden sind. Dann unsere Seed-Finanzierungsrunde 2019 in Millionenhöhe; wir hoffen, 2021 unsere Series A abzuschließen. Und last, but not least unser Projekt mit dem Bundesministerium für Gesundheit zur Entlastung von Gesundheitsämtern während der Corona-Pandemie.

    In den nächsten drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
    Ich würde gerne programmieren können, da ich es echt faszinierend finde, welche Funktionen mit welchem großen Mehrwert unser Tech-Team immer innerhalb kürzester Zeit auf die Beine stellt. Aber mal sehen, ob ich das zeitlich wirklich hinbekomme (lacht).

    Was ist Ihr langfristiges Ziel beziehungsweise Vision?
    Wir möchten weiterhin die Digitalisierung vorantreiben zum Wohle der Menschen und den Status quo grundlegend verbessern. Patienten sollen mit Lösungen wie Climedo von der bestmöglichen Gesundheitsversorgung profitieren. Viele Prozesse, die momentan noch per Brief oder Fax verlaufen, könnten nämlich viel effizienter gestaltet oder komplett automatisiert werden, wenn wir als Gesellschaft offener für digitale Lösungen wären. Natürlich spielt der Datenschutz hier weiterhin eine große Rolle, aber dieser ist in Deutschland wohl so gut wie in keinem anderen Land, was ein guter Startpunkt ist.

    Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
    Vermutlich von dem wahnsinnig intensiven und spannenden Leben als Unternehmer(in).

    Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
    Auf jeden Fall etwas im digitalen Bereich, wahrscheinlich auch im Gesundheitssektor und am liebsten wieder eine eigene Gründung. Es gibt immer noch so viele Bereiche, die von der digitalen Transformation profitieren könnten. Es macht Spaß, Menschen von den Vorteilen von Digitalisierung und Automatisierung zu überzeugen und mit zuzusehen, wie ihr Arbeitsaufwand mit kleinen Veränderungen deutlich reduziert werden kann.

    Möchten Sie sonst noch etwas teilen?
    Wenn ihr überlegt, ein eigenes Unternehmen zu gründen – traut euch! Es lohnt sich! Als Motivation fällt mir der folgende Spruch von Audrey Hepburn ein: „Nothing is impossible - the word itself says I’M POSSIBLE.“

    Frau Schweighart, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Vordenker*innen des Jahres 2020. Das sind die Macherinnen und Macher der nächsten Generation.

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