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Vorschau Dienstwagenklau und gelbe Gefahr: Die Firmenereignisse der Woche

Chinesen, Datenschutz-Chaos und eine skurrile Betriebsratsgründung: Diese Themen sorgen in Deutschlands Firmenlandschaft kommende Woche für Aufregung.
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Der französisch-deutsche Gemeinschaftskonzern will der asiatischen Übermacht in Sachen Batteriefertigung die Stirn bieten. Quelle: Opel
Elektrischer Corsa von Opel

Der französisch-deutsche Gemeinschaftskonzern will der asiatischen Übermacht in Sachen Batteriefertigung die Stirn bieten.

(Foto: Opel)

Düsseldorf Mit den Hauptversammlungen von Sixt, Rocket Internet, Xing, Hawesko und Rhön-Klinikum flaut in dieser Woche die Saison der Aktionärstreffen langsam ab. Doch es gibt neue Aufreger.

Montag: Datenschutz-Chaos feiert Geburtstag

Mehr als ein Viertel der EU-Staaten verpasste den Start vor einem Jahr komplett, Musterschüler Deutschland dagegen preschte bei der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vor und sorgte für heilloses Chaos. „Haus & Grund“ empfahl Vermietern, die Namen ihrer Mieter von den Klingelschildern zu entfernen und durch Nummern zu ersetzen.

Eine Kita in Dormagen überreichte Kindern Fotoalben zur Erinnerung, in denen die Gesichter geschwärzt waren – aus Angst vor möglichen Verstößen gegen die neue Verordnung. Eine Kirchengemeinde bei Freiburg entschied sich, keine Gottesdienste mehr per Internet zu übertragen. Immerhin drohen bei DSGVO-Verstößen Bußgelder von bis zu 20 Millionen Euro.

Am Montag, fast genau ein Jahr nach dem nur leidlich geglückten Start, treffen nun in Berlin Datenschutzbeauftragte, Anwälte und IT-Sicherheitsverantwortliche auf den Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber, um eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Die Bilanz wird mager ausfallen. Obwohl allein in Hamburg im ersten Monat nach dem Start 460 Firmen verpetzt wurden, dauerte es in ganz Deutschland sechs Monate bis zum ersten Bußgeldbescheid – und zwar gegen das Flirtportal „Knuddels.de“. Von ihm forderten die Behörden 20.000 Euro, weil es durch Schlamperei einen Hackerangriff provoziert hatte.

Im benachbarten Österreich meldete man nach sieben Monaten ersten Vollzug: Der Besitzer eines Kebab-Ladens hatte unzulässigerweise eine Videoüberwachung installiert und musste 1.800 Euro Strafe zahlen, ein steirisches Wettlokal wurde dabei ertappt, wie es bei der Videoüberwachung einen größeren Teil des öffentlichen Gehsteigs mitaufzeichnete. Alles klar, Herr Kommissar?

Montag, 13 Uhr: Dienstwagen gegen Betriebsrat

Ein Bundesverdienstkreuz besitzt Reinhold Würth bereits, ebenso eine ausufernde Kunstsammlung. Auch die Ehrenprofessur und mehrere Ehrendoktortitel hat man dem Schraubenkönig aus Künzelsau angetragen. Jetzt soll ein Betriebsrat hinzukommen.
Am Montag dieser Woche, so hatte im Mai eine Betriebsversammlung der rund 7.500 Angestellten am Firmensitz beschlossen, wird der Wahlvorstand aufgestellt. Er soll die Wahl einer ordentlichen Arbeitnehmervertretung leiten. Bislang war ein Betriebsrat im eigenen Unternehmen für den 84-jährigen Milliardär tabu. Nur einem Vertrauensrat, dem die verbrieften Rechte als Arbeitnehmervertretung fehlen, stimmte der Patriarch zu.

Unter dem amtierenden Geschäftsführer Norbert Heckmann hat sich die Einstellung inzwischen gewandelt, begleitet allerdings von erheblichen Geburtswehen: Dem ursprünglichen Initiator warf Würth Verstöße gegen den Datenschutz vor und kündigte ihm fristlos. Der Entlassene konterte (vergeblich) mit einer Anzeige wegen Diebstahls. Würth hatte prompt auch noch dessen Dienstwagen von der Polizei abschleppen lassen.

Dienstag, 11 Uhr: Appel und die gelbe Gefahr

Wenn Post-Chef Frank Appel am Dienstag in München hilft, die Transport Logistic zu eröffnen, werden für manche die schlimmsten Befürchtungen wahr. 64 Aussteller aus China listet die Branchenmesse dieses Jahr auf, fast doppelt so viele wie beim letzten Mal vor zwei Jahren. Das Reich der Mitte rückt von Rang zehn der Topaussteller auf Platz sechs vor.

„Die neue Seidenstraße – wohin führt uns der Hype?“, fragt sich die Messeleitung in ihrem Konferenzprogramm vorsichtshalber selbst. Und schon im Vorfeld sorgt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für Alarmstimmung. Das gigantische Netz an Straßen, Schienenverbindungen und Seewegen, das China mit Europa verknüpfen soll, treibe Teile Europas in die politische Abhängigkeit Pekings. Die rund acht Billionen Dollar an chinesischen Investitionen würden womöglich zur Schuldenfalle.

Der Post-Chef dürfte über solche Bedenken müde lächeln. Schuldenfalle? Ohne die 700 Millionen Euro, die ihm Chinesen neulich für eine Beteiligung zahlten, wäre Appel nicht im Fernen Osten, sondern im Nahen Westen in Schwierigkeiten geraten: Das Geld wird dringend für Großbritannien gebraucht. Dort saßen Gäste der Fast-Food-Kette KFC vor leeren Tellern, weil die Post-Tochter DHL nicht schnell genug liefern konnte. Ob die Hungernden derweil – ganz im Sinne Pekings – auf Chinarestaurants auswichen, ist nicht überliefert.

Dienstag, 11.30 Uhr: Französische Revolution in Rüsselsheim

Der Rüsselsheimer Autobauer Opel komme nach der Übernahme durch den französischen Wettbewerber PSA unter die Räder, ätzten noch bis vor Kurzem die Kritiker. Der Abbau von 2.000 Arbeitsplätzen in der Entwicklungsabteilung sei nur der Anfang vom Ende. Nun sieht es so aus, als könnte es dem französisch-deutschen Gemeinschaftskonzern sogar gelingen, der asiatischen Übermacht in Sachen Batteriefertigung die Stirn zu bieten.

Am Dienstag dürfen geladene Gäste in Rüsselsheim die französische Revolution bei Opel bestaunen: Das Brot-und-Butter-Modell „Corsa“, dessen sechste Generation demnächst in die Autohäuser rollt, wird vorerst ausschließlich mit einem batteriegetriebenen Elektromotor geliefert. Der 136-PS-Motor soll dabei eine Reichweite von 330 Kilometern schaffen.

Mehr noch: Das Herzstück für den Corsa kommt künftig voraussichtlich aus Deutschland. Der Citroën- und Peugeot-Hersteller PSA hat sich mit Opel und dem französischen Batteriehersteller Saft vereint, um eine Produktion von Elektroauto-Batteriezellen aufzubauen. Der bevorzugte Standort für die geplante Zellfabrik: Kaiserslautern.

Die vom Menschen verursachte Klimagefahr mögen immer noch manche leugnen, für die Notwendigkeit europaweiter Kooperationen dürfte ihnen das aber immer schwerer fallen.

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