Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Vorschau KPMG-Flop und Apples Steuerschuld: Die Firmenereignisse der Woche

Ein Werften-Gutachten von KPMG sorgt diese Woche für Streit, ebenso ein Steuerdeal in Irland. Hoffnung gibt es dagegen für Gläubiger von Gerry Weber.
Kommentieren
Der irische Fiskus hatte dem iPhone-Hersteller in den Jahren 2003 bis 2014 Erleichterungen gewährt, was die EU-Kommission 2016 als rechtswidrige Staatsbeihilfe verurteilte. Quelle: Reuters
Apple-Logo vor irischer Flagge

Der irische Fiskus hatte dem iPhone-Hersteller in den Jahren 2003 bis 2014 Erleichterungen gewährt, was die EU-Kommission 2016 als rechtswidrige Staatsbeihilfe verurteilte.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Nicht nur die Nachwirkungen der Automobilmesse IAA gilt es in dieser Woche zu verdauen. Auch Unternehmen jenseits der Automobilindustrie holen in den kommenden Tagen Sünden der Vergangenheit ein.

Montag, 10 Uhr: Christian Lindner und die Autonomen

Eine Umfrage der Beratungsgesellschaft EY kurz vor der Frankfurter Automesse IAA brachte Erschütterndes zutage: Knapp die Hälfte der befragten Bundesbürger, ganz genau 49 Prozent, würden niemals in ein autonom fahrendes Auto einsteigen. Selbst teilautonome Fahrzeuge, in denen der Fahrer in brenzligen Situationen mitentscheiden kann, lehnten 30 Prozent ab.

Am Montag will sich der FDP-Vorsitzende Christian Lindner auf der IAA dem Thema stellen. Mit ihm auf dem Podium unter anderem: VDA-Geschäftsführer Joachim Damasky und VW-Vorstand Thomas Sedran.

Gegen Sicherheitsbedenken, ethische Fragen oder unklare Haftungsrisiken wollen sie ein Statement setzen, wie der Titel der Veranstaltung vermuten lässt. ,,Autonomes Fahren – zukunftsfähige Mobilität jetzt!“, hat die FDP-Bundestagsfraktion ihre Diskussionsveranstaltung überschrieben.

Dass Lindner privat zu den Fans des führerlosen Fahrens zählt, darf getrost bezweifelt werden. Vor einem Jahr erst hatte er Reporter des „Spiegels“ stolz zu einer rasanten Spritztour eingeladen – in seinem betagten Porsche.

Montag, 11 Uhr: Koalition vergoldet Handwerk den Boden

Um die Qualität der dualen Ausbildung soll es gehen, wenn sich am Montag in Berlin Spitzenvertreter des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) und des Deutschen Gewerkschaftsbunds treffen. „Gute Ausbildung im Handwerk. Mehr Qualität in die Zukunft“ haben die Veranstalter ihre Konferenz überschrieben. Auch Bundesministerin Anja Karliczek (CDU) wird erwartet. 

Doch statt der „innovativen Ansätze zur Unterstützung eines hohen Ausbildungsniveaus zur langfristigen Fachkräftesicherung“, wie es umständlich im Programm heißt, wird vermutlich ganz anderes für Diskussionen sorgen:

Die Meisterpflicht, so hat die Koalition vor wenigen Tagen beschlossen, soll ab 2020 wieder in vielen Berufen eingeführt werden. Als Fliesenleger etwa darf sich dann nur noch selbstständig machen, wer einen Meisterbrief besitzt.

Das „hohe Ausbildungsniveau“ dürfte dies fraglos unterstützen – fragt sich nur, wie innovativ. Als sicher gilt: Handwerkerleistungen werden damit teurer – und vermutlich noch schwerer zu bekommen.

Dienstag, 9.30 Uhr: Apples Steuerschuld vor Gericht

Die Klage Irlands scheint auf den ersten Blick bizarr. Im Oktober 2010 noch musste das Land mit einem 85 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm der EU vor der Staatspleite bewahrt werden, nun wehrt sich die Grüne Insel in Luxemburg ab Dienstag dagegen, vom amerikanischen IT-Giganten Apple 13 Milliarden Euro Steuergeld gezahlt zu bekommen.

Auf die Nachzahlung hatte die Brüsseler Kommission bereits vor drei Jahren gedrängt. Nicht um den irischen Staatshaushalt zu sanieren, sondern um ein Steuerdumping zu ahnden. Denn der irische Fiskus hatte dem iPhone-Hersteller in den Jahren 2003 bis 2014 Erleichterungen gewährt, was die EU-Kommission 2016 als rechtswidrige Staatsbeihilfe verurteilte. Ziel des Deals war es offensichtlich, Apple für die Ansiedlung im eigenen Land zu gewinnen.

Nur widerwillig – und mit einer Verzögerung von 19 Monaten – forderte Dublin bei Apple die Nachzahlung ein, die der US-Konzern fünf Monate später auf ein Treuhandkonto überwies. Gleichzeitig klagten beide vor dem EU-Gericht in Luxemburg gegen die Anordnung aus Brüssel.

Dass sich der Prozess nun über Jahre hinzuziehen droht, ist für Irland kein Problem. Den Rettungsschirm konnte das Land schon Ende 2013 wieder verlassen.

Mittwoch, 10 Uhr: KPMG soll für Gutachten Schadensersatz zahlen

Vor sieben Jahren rutschten die P+S-Werften in Stralsund und Wolgast in eine Milliardenpleite – was allein das Land Mecklenburg-Vorpommern geplatzte Bürgschaften von 270 Millionen Euro kostete. Am Mittwoch wird nun vor dem Landgericht Hamburg verhandelt, ob die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Nachgang Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe zahlen muss.

P+S-Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann hat dafür gute Gründe: Während der Unternehmenskrise 2010 war KPMG beauftragt worden, den wirtschaftlichen Zustand der Werften zu prüfen – woraufhin der Wirtschaftsprüfer Sanierungsfähigkeit attestierte. Die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern genehmigte im Anschluss Staatshilfen.

Schon zwei Jahre später jedoch scheiterte der Sanierungsplan, Gläubiger meldeten im Insolvenzverfahren Forderungen in Höhe von 1,22 Milliarden Euro an. Doch die Chancen für KPMG, mit einem blauen Auge davonzukommen, stehen gut.

In einem parallelen Verfahren, in dem der frühere P+S-Gesellschafter Hegemann gegen die Wirtschaftsprüfer geklagt hatte, nahm die Vorsitzende Richterin KPMG in Schutz. Schuld für die Pleite seien Terminverzögerungen beim Schiffbau, Zahlungsausfälle oder Lieferschwierigkeiten gewesen, entschied sie.  Ein Gutachter habe das alles nicht vorhersehen können.

Mittwoch, 13 Uhr: Hoffnung für Gerry-Weber-Gläubiger

Großgläubiger des insolventen Modeherstellers Gerry Weber dürfen darauf hoffen, offene Forderungen in voller Höhe beglichen zu bekommen – wenn auch erst in vier Jahren. Das sieht der Insolvenzplan vor, über den am Mittwoch auf der Bielefelder Gläubigerversammlung abgestimmt wird.

Allerdings sind Nerven gefragt. So sollen Gläubiger ihre Forderungen in Gerry-Weber-Anleihen tauschen – oder in sogenannte Wandelschuldverschreibungen. Geht der Plan auf, könnten auch kleinere Gläubiger eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent erhalten. Allein Altaktionäre des SDax-Konzerns gehen wohl leer aus.

Stefan Meyer, der als Sachwalter eingesetzt wurde, spricht von einem „kreativen und maßgeschneiderten Insolvenzplan“ – was für den Modekonzern, der an der Börse bleiben soll, womöglich die Rettung wäre.
An Kreativem und Maßgeschneidertem hatte es bei Gerry Weber schließlich zuletzt am meisten gemangelt.

Mehr: Viele Konzerne haben ihr Engagement bei Deutschlands wichtigster Automesse bereits reduziert. Nun steht die IAA wohl vor radikaleren Umbrüchen.

Startseite

Mehr zu: Vorschau - KPMG-Flop und Apples Steuerschuld: Die Firmenereignisse der Woche

0 Kommentare zu "Vorschau: KPMG-Flop und Apples Steuerschuld: Die Firmenereignisse der Woche"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote