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Vorschau Verblasste Erotik und verhasste Automaten: Die Firmenereignisse der Woche

Trotz Feiertag bietet die kommende Woche Zündstoff. Zwei Aktiengesellschaften schreiben dabei Börsengeschichte – rühmlich ist keine von ihnen.
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Aktuell sind die Papiere zum Tageskurs von 0,003 Euro an der Frankfurter Börse erhältlich. Quelle: PR
Aktie von Beate Uhse

Aktuell sind die Papiere zum Tageskurs von 0,003 Euro an der Frankfurter Börse erhältlich.

(Foto: PR)

DüsseldorfEine um Christi Himmelfahrt verkürzte Arbeitswoche, der „Memorial-Day“-Feiertag am Montag in den USA – wer glaubt, die kommende Woche verlaufe für deutsche Unternehmen gemächlich, wird allerdings enttäuscht. Zumal die deutschen Börsen am Donnerstag geöffnet bleiben.

Montag: Geburtstag ohne Sex-Appeal – vor 20 Jahren ging Beate Uhse an der Börse

Wer als Journalist vor genau 20 Jahren über das Börsen-Debüt von Beate Uhse zu berichten hatte, scheiterte im eigenen Haus gewöhnlich schon am IT-Administrator. „Beate Uhse? Diese Seite ist gesperrt!“
Tatsächlich verhießen die Aktien erhebliches Sex-Appeal.

Weil Anleger Schlange standen wie vor den ersten ostdeutschen Erotikläden nach der Wende, waren die Papiere zum Start 64-fach überzeichnet. Innerhalb von nur drei Tagen danach schossen die Werte des Flensburger Erotik-Versands von umgerechnet 7,20 Euro auf 28,20.

Doch Schlagzeilen wie „Beate Uhse erregt die Börse“ waren bald Geschichte. Unter Führung des Gründerinnen-Sohns Ulrich Rotermund fanden die Flensburger keine Antwort auf die Gratis-Konkurrenz im Internet. Das Interesse der Anleger erschlaffte. Nach massiven Kursrutschen wurde Beate Uhse im September 2008 zum Penny-Stock, 2015 rutsche das Unternehmen in die roten Zahlen und 2017 in die Insolvenz.

Aktuell sind die Aktien zum Tageskurs von 0,003 Euro an der Frankfurter Börse erhältlich. Ihr einziger Wert dürfte aus Sicht von Erotikfans aus den Damen bestehen, deren freizügige Fotos die Wertpapiere immer noch zieren.

Mittwoch, 10 Uhr: DocMorris‘ Kampf gegen die Automatenstürmer

Am Mittwoch steht der Arzneimittel-Versender DocMorris wieder dort, wo er gefühlt andauernd steht: vor Gericht. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat für diesen Tag ein Urteil darüber angekündigt, ob der Branchen-Störenfried seine Pillen und Pülverchen über einen Automaten verkaufen darf. Und zwar im baden-württembergischen Örtchen Hüffenhardt.

Das von Venlo aus agierende Unternehmen, das sich zeitweise im Besitz von Haniel befand, sieht dafür gute Gründe. Die „pharmazeutische Videoberatung mit angegliederter Arzneimittelabgabe“ ermögliche es Kunden, über einen Videochat mit einem niederländischen Apotheker zu sprechen, bekundet der Beklage. Der Fernapotheker könne dann nach Kontrolle eines eingescannten Rezepts die Ausgabe der Medikamente aus dem Automaten veranlassen.

Noch im April hatte das Verwaltungsgericht Karlsruhe der Klage von Apothekern stattgegeben und den Apparat verboten. Der Bezug von Arzneimitteln über einen Automaten sei keine Form des Versandhandels, befand die Vorinstanz. Die deutsche Apothekenpflicht für Arzneimittel gebiete es, dass für eine deutsche Präsenzapotheke auch eine deutsche Apothekenerlaubnis erforderlich ist.

Das sogenannte Apothekenprivileg geht auf ein Edikt der Staufer-Kaiser zurück und existiert in Deutschland seit 1303. Es wäre womöglich anders ausgefallen, hätte Friedrich II. damals schon Automaten gekannt.

Mittwoch, 11 Uhr: Telekom lässt das Handy fliegen

Tim Höttges geht in die Luft. Gemeinsam mit Flugsicherungs-Chef Klaus-Dieter Scheurle wird Telekoms Vorstandsvorsitzender am Mittwoch eine Gemeinschaftsfirma präsentieren, die kommerzielle Drohnenflüge per Fernsteuerung quer durch Deutschland ermöglichen soll.

Sie hört auf den Namen Droniq und nutzt das Handynetz zur Ortung ihrer unbemannten Fluggeräte, unterstützt von der Luftraumüberwachung der Deutschen Flugsicherung. Kunden sollen künftig Firmen wie Amazon sein.

Bei der ersten Vorstellung der Pläne Ende 2016 war auch noch die Deutsche Post an Bord. Inzwischen aber schlägt bei vielen Logistikern der Drohnen-Enthusiasmus in Spott um. „Sollte der Pakettransport demnächst auf Drohnen umgestellt werden“, sagte neulich einer von ihnen, „brauchen wir künftig keine Sonnencreme mehr.“

Mittwoch: Volkswagen verlangt Gefolgschaft

Spaltet sich der Automobilverband VDA? In einer Sitzung in Berlin wollen die Autobosse am Mittwoch klären, ob man sich beim Antrieb der Zukunft doch noch zu einer gemeinsamen Linie durchringen kann. Schon Mitte März soll Volkswagen-Chef Herbert Diess damit gedroht haben, den mächtigen Verband andernfalls zu verlassen.

Dem Wolfburger Konzernchef missfällt, dass sich der VDA bislang „technologieoffen“ zeigt. Neben dem Batterieantrieb kämpft die Lobbyorganisation gleichzeitig für Brennstoffzellen, Gasantriebe oder andere umweltfreundlichere Varianten. VW hingegen hat sich strikt auf den Elektromotor festgelegt und verlangt vom VDA Gefolgschaft.

In einem aber werden sich am Ende alle einig sein: Für das neue Mobilitätskonzept, wie immer es aussieht, soll in jedem Fall der Steuerzahler in die Tasche greifen.

Freitag, 10 Uhr: Bye, bye, Stada!

Machtkämpfe um die Aktienmehrheit und den Aufsichtsrat, Ermittlungen gegen den Vorstandschef wegen dubioser Firmenwagen-Geschenke, verweigerte Entlastungen für den Ex-Finanzvorstand und andere Topmanager – lange hielt der ehemalige MDax-Konzern Stada seine Aktionäre in Atem.

Am Freitag stellt ihnen der Grippostad- und Ladival-Hersteller aus Bad Vilbel zum letzten Mal die Bühne. Die öffentliche Hauptversammlung, zu der die Pharmafirma ins Kultur- und Sportforum Dortelweil lädt, wird aller Voraussicht nach die letzte sein.

Im November schon hatte Stada eine Mitteilung verschickt, nach der die Finanzinvestoren Cinven und Bain zusammen 93,6 Prozent der Stimmrechte erworben haben. Ein Antrag zum Delisting sei gestellt.

Ob es auch für einen Squeeze-out der restlichen Kleinaktionäre reicht, ist fraglich. Noch ist deren Anteil nicht auf fünf Prozent geschrumpft, wie die Konzern-Homepage verrät. Diese Marke wäre nötig, um sie mit einem Barbetrag zwangsweise abzufinden.

Womöglich aber suchen die verbliebenen Anteilseigner selbst das Weite. Denn haben die Aktien erst einmal das Börsenparkett verlassen, wird der Handel mit den Papieren mühevoll.

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