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Vorstandsgehälter Fast zehn Millionen Euro: VW-Chef Herbert Diess ist neuer Dax-Topverdiener

Die Vorstandsgehälter der Dax-Chefs sinken – geringfügig, aber zum zweiten Mal in Folge. Der Gehaltsunterschied zu normalen Arbeitnehmern bleibt gewaltig.
14.07.2020 Update: 14.07.2020 - 14:31 Uhr 1 Kommentar
Der Vorstandschef von Volkswagen hat 2019 mehr verdient als jeder andere Dax-Chef. Quelle: AP
Herbert Diess

Der Vorstandschef von Volkswagen hat 2019 mehr verdient als jeder andere Dax-Chef.

(Foto: AP)

Frankfurt Eigentlich wäre wohl Ex-SAP-Chef Bill McDermott mit mehr als 15 Millionen Euro Gehalt wohl wieder die Nummer eins der Topverdiener der Dax-Chefs gewesen. Doch der Amerikaner übergab sein Amt im Oktober 2019 an seine Nachfolger Christian Klein und Jennifer Morgan, die 2019 mit jeweils 5,4 Millionen Euro hochgerechnet auf das Gesamtjahr deutlich weniger verdienten. Der Topverdiener unter den Chefs der 30 Dax-Unternehmen heißt deshalb nun Herbert Diess. Er verdiente 2019 mit 9,9 Millionen Euro mehr als alle anderen und blieb damit knapp unter der selbst gesetzten Obergrenze des Autobauers.

Den zweiten Platz sicherte sich im vergangenen Jahr Merck-Chef Stefan Oschmann mit 8,5 Millionen Euro. Drittplatzierter ist Siemens-Boss Joe Kaeser. Er erhielt 7,2 Millionen Euro. Das zeigt eine Zusammenstellung der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) und des Lehrstuhls für Controlling der TU München, die auf den Geschäftsberichten der Aktiengesellschaften beruht.

Die DSW stellt diese Übersicht seit 20 Jahren regelmäßig vor. In diesem Jahr erscheint sie Corona-bedingt einen Monat später. Der insolvente Dax-Konzern Wirecard wurde aufgrund des noch nicht vorliegenden Geschäftsberichts nicht berücksichtigt.

Insgesamt sanken die Vorstandsgehälter der Dax-Vorstände 2019 zum zweiten Mal in Folge leicht, und zwar um 0,3 Prozent. 2018 waren sie noch um 3,5 Prozent zurückgegangen. Der leichte Rückgang der Vorstandsgehälter spiegelt den Rückgang der Konzerngewinne 2019 um 15 Prozent einerseits und den Anstieg des Dax um 25 Prozent andererseits wider.

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    Damit schließt sich die Schere zwischen der Entwicklung der Bruttolöhne in Deutschland und der Vorstandsgehälter rechnerisch weiter. Denn die Nominallöhne in Deutschland sind laut DSW um 2,6 Prozent gestiegen. Trotzdem ist der Unterschied zwischen den Gehältern von normalen Mitarbeitern einerseits und Vorstandsmitgliedern andererseits „immer noch gewaltig“, so DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

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    Im Schnitt verdienten Vorstände mit 3,4 Millionen Euro das 49-Fache ihrer Mitarbeiter, im Vorjahr war es sogar noch das 52-Fache. „Das dürfte in Aufsichtsräten weiter zu heftigen Diskussionen führen, vor allem mit den Vertretern der Arbeitnehmerseite“, sagte Tüngler.

    Spitzenreiter bei den Finanzvorständen war erneut etwas überraschend James von Moltke von der Deutschen Bank. Er verdiente 4,9 Millionen Euro – und damit deutlich mehr als normale Vorstände, die im Durchschnitt 2019 drei Millionen Euro bekamen. „Am Beispiel James von Moltke zeigt sich, dass nicht immer die Unternehmensperformance das Gehalt bestimmt“, sagte Gunther Friedl, Studienautor und Professor für Controlling an der TU München.

    Von den Aktionärsschützern positiv gewertet wird, dass immer mehr Unternehmen eine der langjährigen Kernforderungen der DSW umsetzen. Dabei geht es um die „horrenden und teilweise klar überzogenen Pensionszusagen für Vorstände, die in neuen Systemen oftmals gar nicht mehr gewährt werden, so Tüngler. Der durchschnittliche jährliche Wert der Pensionszusagen für die Dax-Chefs ging im vergangenen Jahr deutlich zurück – von 661.000 Euro im Jahr 2018 auf 571.000 Euro.

    Coronakrise als „Lackmustest“

    Zwar habe dies in der Regel gleichzeitig eine Erhöhung der Grundvergütung während der Laufzeit zur Folge, doch es entfalle damit die belastende Hypothek auf die Zukunft durch oft unkalkulierbare und undurchsichtige Pensionsrückstellungen. Tüngler: „In ein modernes Vergütungssystem gehören Pensionszusagen einfach nicht mehr rein. Es fließt so viel Geld, die Altersvorsorge kann da auch individuell und selbst geregelt werden.“

    Im Jahr 2019 hatten noch alle Dax-Vorstandschef Pensionszusagen. Einzige Ausnahme: die US-Amerikanerin Jennifer Morgan, die den SAP-Konzern kurzfristig mit ihrem Co-CEO Christian Klein gemeinsam führte.

    Mit Besorgnis schauen die Aktionärsschützer auf die Gehaltsentwicklungen im laufenden Geschäftsjahr. Tüngler: „Die Coronakrise ist ein echter Lackmustest für die Wirkungsweise der Vergütungssysteme. Wenn Aktionäre auf die Dividende verzichten müssen und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden, muss auch der Vorstand Verzicht üben. Eigentlich sollten die Systeme das inzwischen abbilden. Ist das nicht der Fall, sollte freiwillig verzichtet werden.“

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    Auch jenseits von Corona werden 2021 und 2022 entscheidende Jahre für die Vergütungssysteme werden. Ab der Hauptversammlungssaison 2021 werden einige Änderungen in Sachen Vorstandsvergütung gelten – gemäß der neuen gesetzlichen Aktionärsrechtrichtlinie (ARUG II) sowie den Neuerungen des Corporate Governance Kodex.

    „Wir sind heute deutlich weiter als vor 20 Jahren. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass noch lange nicht alle Unternehmen vollständig transparent sind“, sagte Tüngler. „Fehlten früher Informationen, ist es jetzt die nicht immer verständliche Darstellung der mittlerweile meist hochkomplexen Vergütungssysteme.“ Vor allem auch die im MDax notierten Unternehmen hätten hier Korrekturbedarf.

    Einige Unternehmen wie Siemens haben bereits 2020 ein ARUG-II-konformes Vergütungssystem vorgelegt. Ab 2022 müssen alle Aktiengesellschaften ihrer Hauptversammlung einen Bericht über die Vergütung von Vorstand und Aufsichtsrat vorlegen, der allgemein verständlich und individualisiert sein muss. „Den Mut zu einem solchen Schritt hatte bisher noch keine Gesellschaft“, sagte Tüngler. „Wir möchten die AGs ausdrücklich dazu animieren, endlich eine Entrümpelung ihrer Vergütungssysteme vorzunehmen. Vorreiter werden von uns und den Investoren mit Applaus belohnt.“

    Ein Aspekt, der laut DSW ebenfalls im Zusammenhang mit der Coronakrise mehr ins Zentrum rücken wird, ist der nicht unumstrittene Ansatz des Corporate Governance Kodex, auch in der Langfristperspektive darauf zu schauen, welchen Beitrag der jeweilige Vorstand zur Erreichung strategischer Ziele leistet. Bisher stand eher der Erfolg als die Leistung im Fokus. „Der Aufsichtsrat muss sich unabhängig von Corona intensiver als bisher mit der Strategie und ihrer Umsetzung auseinandersetzen. Die Frage lautet: Was konkret hat der Vorstand unternommen, um die strategischen Ziele zu erreichen?“, sagte Tüngler.

    Die Aktionärsschützer befürchten, dass die Vergütungssysteme unter dem Einfluss des ergebnisbelastenden Coronavirus angepasst werden. Tendenziell würden die Vergütungen dadurch nach der Krise in die Höhe schnellen. Tüngler: „Darauf werden wir und die Investoren sehr genau schauen. Denn Corona und seine aktuellen Auswirkungen dürfen beim Thema Vergütung nicht zu einem Katapult zukünftiger Vergütungen werden.“

    Es sei nichts dagegen einzuwenden, dass Vorstände ordentlich verdienen, wenn die Geschäfte gut laufen. „Laufen sie aber schlecht, muss sich dies auch in den Portemonnaies der Manager niederschlagen.“

    US-Chefs in anderen Dimensionen

    Im internationalen Vergleich erhalten die Dax-Vorstände eine marktübliche Vergütung. Sie liegen mit ihrer durchschnittlichen Gesamtvergütung von knapp 5,3 Millionen Euro oberhalb von Frankreich (4,9 Millionen Euro) und unterhalb der in der Schweiz geleisteten Vergütung von knapp 6,5 Millionen Euro. Auch der Durchschnitt des Eurostoxx-50 liegt mit 5,4 Millionen Euro auf einem ähnlichen Niveau wie im Dax.

    Spitzenverdiener in Europa ist mit rund 24,6 Millionen Euro der Vorstandschef des französischen Softwareunternehmens Dassault Systèmes, Bernard Charles. Seine Vergütung bestand zu 88 Prozent aus aktienkursbasierten Vergütungselementen. Auf Platz zwei folgt mit 13 Millionen Euro Severin Schwan, CEO des Pharmariesen Roche. Rang drei sicherte sich mit elf Millionen Euro ein Banker: UBS-Chef Sergio Ermotti.

    Der deutsche Spitzenverdiener Herbert Diess landete mit seinen knapp zehn Millionen Euro europaweit auf Platz fünf. Betrachtet man allerdings nur die 50 größten, börsennotierten Unternehmen im Euro-Währungsraum (Eurostoxx-50), ist Diess erneut der Spitzenverdiener.

    In ganz anderen Dimensionen bewegen sich dagegen erneut die Konzernlenker in den USA. Die insgesamt höchste Gesamtvergütung im Leitindex Dow Jones erhielt mit fast 60 Millionen Euro Robert Swan von Intel. Auf Rang zwei folgt Robert Iger von Disney mit 41 Millionen Euro, auf Rang drei Microsoft-CEO Satya Nadella mit 38 Millionen Euro. Insgesamt lagen 28 der 30 CEOs aus dem Dow Jones oberhalb von zehn Millionen Euro. Nur die Chefs von Home Depot und Boeing erhielten weniger als zehn Millionen Euro.

    Besonders beindruckend ist wieder das Verhältnis der Vergütung von Vorstandsvorsitzenden in den USA und ihren normalen Mitarbeitern. Die Spannbreite reicht vom 2000-fachen Gehalt des Chefs von McDonald's zum „nur“ 100-fachen des Boeing-Chefs.

    „Die Vergleichbarkeit hinkt etwas, weil wir hier die Relation von Vorstandsvorsitzendem und nicht die durchschnittliche Gesamtvergütung des Vorstands zugrunde legen. Doch geben die Werte einen Anhaltspunkt dafür, dass diese sogenannte Vertikalität in den USA deutlich über der in Deutschland liegt“, erklärte Christiane Hölz, Vergütungsexpertin des DSW.

    Mehr: Wie sich die Krise auf die Gehälter der Dax-Chefs auswirkt.

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    1 Kommentar zu "Vorstandsgehälter: Fast zehn Millionen Euro: VW-Chef Herbert Diess ist neuer Dax-Topverdiener"

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    • „Der Gehaltsunterschied zu normalen Arbeitnehmern bleibt gewaltig.“
      Der Verantwortungsunterschied ist noch gewaltiger, da der „normale“ Arbeitnehmer nur für seinen eigenen Arbeitsplatz verantwortlich ist.

      Das Aufwiegen mit Gehaltsvergleichen, hier gegen Dax Vorstände finde ich vollkommen unangebracht. Einerseits stehen die Konzernlenker im globalen Wettbewerb und tragen andererseits eine immense Verantwortung.
      Die 30 besten Fußballspieler Deutschlands verdienen weit mehr als die 30 Vorstandsvorsitzenden der Dax Konzerne. Die Einnahmen und erfolgsabhängigen (aktienkursrelevanten) Bonuszahlungen eines Elon Musk liegen beim hundertfachen eines Hr. Diess.
      Und Musk beschäftigt auch normale Arbeitnehmer, hinkünftig auch in Deutschland.

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