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Wachsende Kritik an der Macht der Arbeitnehmervertreter Mitbestimmung erhöht die Frauenquote

In deutschen Aufsichtsräten hätten Männer fast allein das Sagen – gäbe es nicht die Mitbestimmung. Die sichert nicht nur die Interessenvertretung der Arbeitnehmer in den Kontrollgremien. Sie garantiert auch eine messbare Frauenquote.

HB DÜSSELDORF. Knapp 21 Prozent der 501 Arbeitnehmerposten in den Räten von Dax und M-Dax sind mit weiblichen Vertreterinnen aus Betriebsräten und Gewerkschaften besetzt. Dies zeigt eine Analyse der Unternehmensberatung Towers Perrin in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt. Die Kapitalseite schafft es gerade mal auf 25 Kandidatinnen, eine kaum messbare Zahl angesichts von 670 möglichen Posten.

Dieser überraschende Nebeneffekt der gesetzlich verankerten Mitbestimmung in deutschen Aufsichtsräten ändert nichts an der grundsätzlichen Kritik. Wegen der 30 Jahre alten Gesetzt seien deutsche Kontrollgremien aufgebläht, inkompetent und unbeweglich, lauten die gängigen Vorwürfe. Zumeist vorgebracht von Managern und Investoren. „Aufsichtsräte betreiben wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Mitbestimmung zu 50 Prozent Klientelpolitik“, sagt Michael Kramarsch, Deutschland-Chef von Towers Perrin.

Selbst global agierende Unternehmen mit 70 Prozent Belegschaft im Ausland würden von deutschen Gewerkschaftern dominiert. Und die „entschieden Standort bezogen und nicht im Sinne eines weltweit operierenden Unternehmens“, erläutert Kramarsch. Deshalb ist es für ihn unverständlich, dass „sich die Corporate-Governance-Debatte immer noch um das Thema Mitbestimmung herumdrückt“.

Doch die Corporate-Governance-Kommission fühlt sich nicht zuständig – und verweist auf den Gesetzgeber. In Berlin wagt sich aber niemand an die Mitbestimmung heran. Ein Vorstoß der Arbeitgeberverbände vom Herbst 2004, der eine Reduzierung der Arbeitnehmerposten in den Aufsichtsräten auf ein Drittel fordert, wurde mehr oder weniger ignoriert. Jetzt soll eine Kommission unter Leitung des ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf Reformvorschläge erarbeiten.

In die Topliste der zehn führenden Mandatsinhaber unter den Arbeitnehmervertretern in Aufsichtsräten hat es nur eine Frau geschafft, Annette Harm (Post, Postbank). Da sind die Gewerkschaften und Betriebsräte offensichtlich nicht besser als die Anteilseigner.

Am meisten beschäftigt ist Michael Vassiliadis von der Geschäftsführung der IGBCE mit vier Aufsichtsmandaten (BASF, Henkel, K+S, Gea) plus drei Ausschussjobs, gefolgt vom zweiten Mann bei der IG Metall, Berthold Huber, mit drei Posten in den Aufsichtsgremien bei Heidelberger Druck, RWE und Siemens. Mehrere Betriebsräte landen nur deshalb mit zwei Mandaten in der Rangliste der Top-Ten weil sie zugleich die Konzernmutter wie auch eine Tochtergesellschaft kontrollieren, Günter Adam und Ralf Blauth (Eon, Degussa).

Bezahlt werden Arbeitnehmer für ihre Kontrolljobs wie alle anderen Aufsichtsräte, behalten dürfen sie aber nur einen Teil der Einnahmen – nach den Regeln der Deutschen Gewerkschaftsbundes maximal 4600 Euro pro Jahr. Den Rest sollen Betriebsräte und Gewerkschafter an die Hans-Böckler-Stiftung überweisen Das kontrolliert zwar niemand. Aber rund 22 Mill. Euro Einnahmen für das gewerkschaftsnahe Forschungsinstitut entsprechen in etwa den summierten Einkommen der Arbeitnehmer-Aufsichtsräte.

Der Vorwurf, die paritätische Mitbestimmung allein sei für viel zu große Aufsichtsräte verantwortlich, lässt sich allerdings nicht belegen. Nach Untersuchungen der Hans-Böckler-Stiftung haben die meisten der mitbestimmten Räte nur zwölf Mitglieder. Selbst von den 135 börsennotierten Aktiengesellschaften, die zur Hälfte von Arbeitnehmer kontrolliert werden, haben nur 44 ein 20-köpfiges Gremium und erreichen damit die Maximalgröße nach dem Aktiengesetz. Acht dieser Unternehmen wählten diese Größe sogar freiwillig – zum Beispiel die Deutsche Börse AG.

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