Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Weil Hersteller mit Rückrufen immer großzügiger umgehen, haben Zulieferer Probleme, sich ausreichend abzusichern Pannen als Chance zur Imagepflege

Seite 2 von 2:

Erst im April lud Daimler-Chrysler 1,3 Millionen Kunden zum Werkstattbesuch, um eine Reihe von möglichen Mängeln an Lichtmaschinen, Batterien und Bremsanlagen zu reparieren. Kosten: 300 Millionen Euro. Viel Geld, doch die demonstrative Rückruf-Strategie hilft, das angekratzte Markenimage wieder aufzupolieren. Laut US-Marktforschungsinstitut J.D. Power machte Mercedes bei Neuwagenkunden zuletzt satte fünf Plätze gut und gilt wieder als eine der zehn zuverlässigsten Marken.

Die Grenze zwischen einem zwingend notwendigen Rückruf aus Sicherheitsgründen und einem Rückruf zur Imagewahrung ist fließend. BMW holte im letzten Winter 75 000 Autos zurück, weil defekte Sitzheizungen die Hinterteile der Kundschaft zu sehr hätten erwärmen können – ein Fehler, der den Ruf von BMW, nicht aber die Gesundheit der Kunden beeinträchtigt hätte.

Kniffelig wird’s, wenn es darum geht, wer die Zeche für solche Rückrufe zahlt. Weil Daimler-Chrysler viele Autokomponenten zukauft und auch Fujitsu Siemens die Akkus nicht selbst herstellt, versuchen die Hersteller immer öfter, die Rückrufkosten auf die Zulieferer abzuwälzen. Dabei sind sich Daimler-Chrysler und Zulieferer Bosch etwa keineswegs einig, ob die Ausfallquote bei einigen der nachgebesserten Komponenten ein ausreichender Grund für den teuren Rückruf war, heißt es in der Branche. „Die Hersteller müssen sich um ihre Marke kümmern, die Zulieferer stehen eher im Hintergrund und brauchen sich darum wenig Gedanken zu machen“, erklärt Branchenexpertin Barbara Hartmann, Partnerin bei der Personalberatung Heidrick & Struggles in München.

Da groß angelegte Rückrufe zunehmen, ist das Interesse vor allem der Zulieferer an Produkt-Rückruf-Versicherungen sprunghaft gestiegen, berichtet Michael Molitoris, Partner der Anwaltskanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz. Die Prämien haben auch kräftig zugelegt. Um ihr Risiko kalkulierbar zu machen, haben die Assekuranzen die Deckungssummen begrenzt. „Bei großen Rückrufen können namhafte mittelständische Betriebe mit Rückrufversicherung in ihrer Existenz bedroht sein“, warnt Molitoris.

Dazu kommt: Das Kostenmodell der Versicherungen greift nur bei gesetzlicher Haftpflicht. „Müssen sich Zulieferer bei Image-Rückrufen finanziell beteiligen, zahlt die Versicherung nicht“, so Molitoris. Vor allem Massenhersteller wie Volkswagen legen vertraglich so harte Haftungs- und Gewährleistungspflichten fest, dass es in Deutschland oft riskanter ist, den Zulieferer als den Hersteller zu versichern, so ein anderer Insider. Besonders schwer haben es die Produzenten von Massenteilen: Sie kosten nur wenige Cent. Bei einem Rückruf jedes Einzelteil ein- und auszubauen, kostet dagegen mehrere Euro.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen