Wiktor Wekselberg Die Ehre des Oligarchen

Der russische Multimilliardär streitet mit der Schweiz über die Art und Weise der Oerlikon-Übernahme. Dabei zeigt sich der 53-Jährige sonst nur ungern in der Öffentlichkeit. Doch für ihn gilt es seinen Ruf zu retten.
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Wiktor Wekselberg: Der russische Investor zeigt sich selten in der Öffentlichkeit. Quelle: IMAGO

Wiktor Wekselberg: Der russische Investor zeigt sich selten in der Öffentlichkeit.

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ZÜRICH. Der Schattenmann tritt ins Licht. Wenn Wiktor Wekselberg heute am Schweizer Bundesstrafgericht in der Viale Stefano Franscini 3 im schweizerischen Bellinzona erscheint, muss der 53-jährige russische Oligarch etwas tun, was er hasst: sich in der Öffentlichkeit zeigen. Über seinen Schatten springt der mehrfache Milliardär nur, weil er seinen Ruf beschädigt sieht. Das Schweizer Finanzministerium hat Wekselberg eine Strafe von 40 Mio. Franken aufgebrummt, weil er beim Erwerb großer Aktienpakete des Industriekonzerns Oerlikon angeblich die gesetzlichen Meldefristen verletzt hat.

Wekselberg bestreitet das und will heute sein wahres Gesicht zeigen: das eines gesetzestreuen Investors, der in der Schweiz ein kleines Industrieimperium aufgebaut hat.

Glaubt man dagegen den Schweizer Finanzbeamten, hat Wekselberg 2006 zusammen mit seinen damaligen Partnern Georg Stumpf und Ronny Pecik gemeinsame Sache gemacht. Von den beiden Österreichern hatte der Russe innerhalb von sechs Wochen zwei Aktienpakete erworben und so eine Beteiligung an Oerlikon von knapp 14 Prozent aufgebaut. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht witterte eine Firmenübernahme durch die Hintertür und erstattete Anzeige wegen unerlaubter Gruppenbildung.

Damals war das Klima für ausländische Investoren recht frostig in der Alpenrepublik. Die Eidgenossen fürchteten um den Ausverkauf ihrer Industrie.

Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt und Wekselberg ist als Investor und Mitbürger am Züricher See wohlgelitten. Insbesondere nachdem er Oerlikon mit einer Kapitalspritze von 400 Mio. Franken vor der Pleite rettete. Nur bis zum Finanzministerium nach Bern ist der Klimawandel noch nicht durchgedrungen. Die Beamten legten vergangenes Jahr noch einmal nach und leiteten gegen das russisch-österreichische Trio ein weiteres Strafverfahren ein. Diesmal ging es um den gemeinsamen Einstieg beim Industriekonzern Sulzer. Auch hier sollen die drei die Meldepflichten umgangen haben.

Klein beigeben will der Russe auch in dieser Sache nicht. So viel Hartnäckigkeit sieht man dem gelernten Mathematiker nicht an. Alles an Wiktor Wekselberg wirkt gemütlich: der graue Vollbart, die rundliche Gestalt und die ruhige Stimme. In einer Tischgesellschaft müssen sich die Zuhörer schon weit über ihre Suppen beugen, um zu verstehen, was der Oligarch sagt. Wekselberg liebt es leise. Dass der Russe auch anders kann, zeigen seine Augen: ein stechender Blick. Kein Wunder, einer, der seine erste Dollar-Million bereits 1991 gemacht hat, dem Jahr, in dem die Sowjetunion unterging, muss sich durchsetzen können. Inzwischen umfasst sein Firmenimperium in Europa und den GUS-Staaten rund 300 Beteiligungen.

Für Wekselberg geht es in Bellinzona nicht ums Geld. 40 Mio. Franken kann der Multimilliardär verschmerzen. Nein, ein Sieg vor Gericht ist für ihn eine Frage der Ehre.

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